Während der T71 Düdelingen am Mittwoch nach einer beeindruckenden Aufholjagd den Halbfinaleinzug frühzeitig klar machte, kämpfen Steinsel und der Racing heute Abend (Samstag, 30.3.) im entscheidenden dritten Spiel der Viertelfinalserie um den letzten Halbfinalplatz. Nach zwei komplett unterschiedlichen Partien scheint der Ausgang offen wie nie. Die Erkenntnisse aus den ersten beiden Duellen.

Die Defensive

Dass der Racing kein Team ist, das ein Offensivspektakel abliefert, ist bekannt. Somit spielten sich die beiden ersten Viertelfinalbegegnungen vor allem in der Defensive ab. Auch das Entscheidungsspiel dürfte zu einer Defensivschlacht avancieren, wie auch der Steinseler Yann Wolff am Mittwoch nach dem Spiel betonte: „Der Racing ist kein Team, das viele Punkte macht. Wir haben sie im zweiten Spiel bei 65 Punkten gehalten, wenn uns das auch in der letzten Partie zuhause gelingt, dann bin ich optimistisch, dass wir ins Halbfinale einziehen werden.“ Während die Hauptstädter vor allem den erst zum Viertelfinale engagierten US-Spieler Jeffrey Coby im Auge behalten müssen, der am Mittwoch 19 Rebounds eroberte, hatte Steinsel mit dem zu Saisonbeginn lange verletzten Jonas Theisen (24 Minuten Einsatzzeit im zweiten Viertelfinalspiel) überraschend ein weiteres heißes Eisen im Feuer.

Der Melcher-Effekt

Die Resultate der Amicale Steinsel hingen in den letzten Wochen zusehends von Bobby Melcher ab. Im Pokalfinale vor zwei Wochen stieß der Amicale-Guard mit Jairo Delgado und Gilles Polfer auf zwei defensiv sehr starke Gegenspieler, der Steinseler Leistungsträger – mit einem Schnitt von 5,6 pro Partie der beste luxemburgische Passgeber der Liga – konnte somit nicht die gewohnten Impulse setzen. So landete etwa auch nur ein einziger von zehn Distanzwürfen im Korb. Steinsel verlor das Finale gegen Ettelbrück schlussendlich mit 72:81.

Eine Woche später, im ersten Spiel der Viertelfinalserie in der Meisterschaft, war Melcher gegen den Racing dann fast vollkommen abgemeldet, nur vier Punkte im gesamten Spiel waren zu wenig, da half auch der stark auftrumpfende US-Spieler Jeff Early mit seinen insgesamt 40 Punkten und einer beeindruckenden Trefferquote nichts. Steinsel verlor mit 79:85.

Auch in der zweiten Viertelfinalbegegnung am vergangenen Mittwoch im hauptstädtischen „Tramsschapp“ fand Melcher im ersten Viertel nicht zu seinem Rhythmus. Bezeichnend dann auch die Reaktion von Trainer Pires: Nach 6:30 Spielminuten wechselte der Amicale-Trainer den Spieler mit der Trikotnummer Acht aus. Mehr als sechs Minuten saß Melcher schließlich auf der Bank, als er zurück aufs Parkett kam, traf er dann fast sofort einen Distanzwurf und war in der Folge kaum noch zu stoppen: 34 Punkte, fünf Rebounds und acht Assists, dazu eine Trefferquote von der Drei-Punkte-Linie von 75 Prozent (6 von 8 Versuchen). Statistiken, die für sich sprechen. Bei einer ähnlichen Leistung des Luxemburgers dürfte die Amicale heute Abend als Gewinner vom Platz gehen. Denn Early und Melcher gleichzeitig in den Griff zu bekommen ist für die Hauptstädter keine einfache Sache.

Die Steinseler Erfahrung

Obwohl Steinsel nach der Niederlage im Auftaktspiel der Viertelfinalserie mit dem Rücken zur Wand stand und es bereits Fragen hinsichtlich der Einstellung der Spieler gab, ließen sich Koster und Co. nicht nervös machen. Die Amicale profitiert von der Routine, die sie in den vielen Finalspielen der vergangenen Jahre hinzugewonnen hat. Ein Pluspunkt gegenüber dem Racing, der erstmals seit Jahren in dieser Phase der Saison noch im Titelgeschäft mitmischt. Dass man in diesem Punkt Steinsel nicht das Wasser reichen kann betonte auch Racing-Spieler Gaëtan Bernimont nach der Niederlage im zweiten Viertelfinalspiel am Mittwoch: „Für uns ist es das erste Mal in einem Viertelfinale, wir lernen in jedem dieser Spiele noch hinzu.“

Das Racing-Kollektiv

Mit Scott Morton besitzt der Racing einen unumstrittenen Leader, der sich stets in den Dienst der Mannschaft stellt. Im ersten Spiel der Viertelfinalserie konnten nicht einmal eine schwere Erkältung und ein verstauchter Knöchel den erfahrenen Profi-Spieler stoppen. Doch Trainer Anton Mirolybov besitzt auch ein diszipliniertes Kollektiv, bei dem jeder für jeden einsteht. Eine große Stärke des Racing in dieser Saison, die das Team überhaupt erst bis ins Viertelfinale brachte, und so steckten die Hauptstädter auch nach einem 20-Punkte-Rückstand im zweiten Viertelfinale nicht auf und kämpften weiter.

Die Stimmung

Vor der Saison hatte kaum jemand den Racing auf der Rechnung gehabt. Dass die Hauptstädter, die im letzten Jahr noch in der Abstiegsgruppe spielten, nur ein Jahr später in einem Viertelfinale Titelverteidiger Steinsel in ein drittes Spiel zwingen würden, davon war kaum auszugehen gewesen.

Der Racing hat eine starke Saison hinter sich und die Stimmung im Team ist dementsprechend gut. So wundert es auch niemanden, dass der verletzte US-Spieler Brian Harper, der erst Ende Februar zum Team hinzustieß und sich nach nur zwei Spielen die Achillessehne riss, noch immer bei der Mannschaft verweilt. Am Mittwoch verfolgte Harper das Spiel von der Ersatzbank aus und feuerte seine Teamkollegen energisch an.

„Bei beiden Partien waren unsere Zuschauer in der Überzahl, ich hoffe, dass auch alle beim entscheidenden Spiel dabei sind und uns nach vorne pushen“, unterstrich Gaëtan Bernimont die gute Stimmung im Lager der Hauptstädter. Während beim Steinseler Heimspiel mit 189 überraschend wenig Zuschauer in der Halle waren, sah dies im „Tramsschapp“ ganz anders aus.

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