Am 31. August 1942 begann in der Lederfabrik in Wiltz ein Streik, um gegen die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht durch die Nazis zu protestieren. Der Streik weitete sich bald auf das ganze Land aus. Die Ausstellung „De Streik vun 1942“ gedenkt dieses Ereignisses der luxemburgischen Geschichte.

Es ist einer der großen Momente im kollektiven Gedächtnis der Luxemburger, betonte Jérôme Curtoy, Historiker im Nationalen Resistenzmuseum in Esch. Als am 30. August 1942 Gauleiter Simon die allgemeine Wehrpflicht für die Jahrgänge 1920 bis 1924 verkündete, ließ die Reaktion der Luxemburger nur einen Tag auf sich warten. Am darauffolgenden Morgen legten die Arbeiter der Lederfabrik in Wiltz die Arbeit nieder. Die Konsequenzen für die Bevölkerung sind allgemein bekannt: Repression, Deportationen und Exekutionen. 20 Luxemburger wurden erschossen, ein deutscher Angeklagter wurde geköpft.

Noch bis Ende März im Escher Resistenzmuseum

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Der damalige Generalstreik blieb von der Außenwelt nicht unbemerkt. In internationalen Zeitungen wurde mit Bewunderung über den Generalstreik berichtet, so z.B. in der sowjetischen Tageszeitung Prawda, die darauf hinwies, dass dies der erste Generalstreik in den von den Nazis besetzten Gebieten sei. „Die Kräfte sind ungleich verteilt. Vielleicht wird der Generalstreik im Blut ertränkt werden. Doch das Ereignis in Luxemburg wird nicht spurlos vorübergehen. Es ist der erste Generalstreik im besetzten Europa. Es ist eine mutige und offene Kampfansage an Hitlers ‘neue Ordnung’.“

Die Ausstellung „De Streik vun 1942“, die noch bis Ende März im Escher Resistenzmuseum zusehen ist, erzählt anhand von 20 Tafeln die Vorgeschichte des Streiks (der deutsche Überfall, Reichsarbeitsdienst, Ankündigung der Wehrpflicht), den Streik selbst, der auf das ganze Land übergriff, nicht nur in Betrieben, sondern auch in Schulen, sowie die Konsequenzen. Besonders in den Vordergrund gestellt wird das Beispiel Wiltz, von wo die Aktion ja ausging. Die Wanderausstellung, die in Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Wiltz und dem Resistenzmuseum entstand, wurde im Nachhinein um zwei Tafeln erweitert, die den Streikverlauf in Schifflingen erzählen.

Die Ausstellung hat eine klare pädagogische Ausrichtung. Die Erklärungen sind in vereinfachter Sprachen geschrieben. Zusätzlich werden Begriffe aus der Zeit wie „Ghetto“, „Kollaborateur“ oder „SA“ erklärt.

Neues Museum 2020

„De Streik vun 1942“ bietet Gesprächsstoff für Diskussionen. Wie Jérôme Courtoy bestätigte, würden viele Schulklassen sich die Ausstellung ansehen. Die Fragen der Schüler bei den Besichtigungen zeigten, dass das Interesse an der eigenen Geschichte noch immer vorhanden sei. Vor allem auch, weil die Ausstellung nicht bei den historischen Ereignissen und deren Folgen stehen bleibe. Eine Tafel widmet sich dem heiklen und stets aktuellen Thema des Widerstands in einer Demokratie. Wann dieses Recht besteht, ist bei Verfassungsrechtlern umstritten: Darf man sich nur gegen eine unrechtmäßige Regierung auflehnen, bspw. nach einem Putsch, oder darf man schon im Vorfeld Widerstand leisten? Und vor allem mit welchen Mitteln?

Die Ausstellung ist momentan, d.h. während der Umbauten in Esch, im Konferenzraum des Museums untergebracht. Das renovierte Museum soll, falls alles glatt läuft, bis zum Jahr 2020 bezugsfertig sein, pünktlich wenn die Minettemetropole Europäische Kulturhauptstadt wird.

Die Fläche des Museums wird sich verdreifachen und dann soll es ein „richtiges Museum“ werden, eines, das den internationalen Standards entspricht, wie Direktor Frank Schroeder erklärte. (Internationale Museumsstandards betreffen Bereiche wie das Sammeln, Bewahren, Forschen, Dokumentieren, das Ausstellen und Vermitteln des Wissens.)
Da mehr Raum zur Verfügung stehen wird, erhält das Museum einen entsprechenden Empfang, einen Museumsshop und natürlich ein Café. Auf ein festes Datum wollte sich Frank Schroeder trotzdem nicht festlegen. Man weiß ja nie.

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