Luxemburg kann sich jährlich über eine Steigerung des Bruttoinlandprodukts sowie des nationalen Reichtums freuen – allerdings profitieren davon nicht alle. Im Gegenteil: Laut Arbeitnehmerkammer steigen das Armutsrisiko und die soziale Ungleichheit im reichen Luxemburg.

Finanzminister Pierre Gramegna (DP) wird heute sein Haushaltsgesetz im Parlament verteidigen. Er wird auf die positive volkswirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre eingehen, die schwarze Null von 2018 hervorheben sowie die wirtschaftliche Gesamtsituation preisen. Doch jenseits dieser guten Zahlen und aller Prosperität gibt es eine weitere Realität: Seit Jahren wachsen nämlich nicht nur das Bruttoinlandsprodukt und das nationale Vermögen, sondern steigt auch die Ungleichheit in Luxemburg. Die gesellschaftliche Spaltung wird größer, das belegen nahezu alle Parameter, die die Arbeitnehmerkammer im 8. Sozialpanorama anführt.

Deutlich wird dieser Umstand unter anderem durch den Vergleich der Durchschnittsgehälter. Der Bruttostundenlohn der ärmsten 20 Prozent der Gesellschaft ist zwischen 2000 und 2017 von 10 auf 14 Euro gestiegen. Der Bruttostundenlohn der reichsten 5 Prozent stieg jedoch im gleichen Zeitraum von 37 auf 61 Euro. „Die oberen 5 Prozent der Gehälter steigen viel schneller als die unteren 20 Prozent“, erklärt Jean-Claude Reding, Präsident der Luxemburger Arbeitnehmerkammer.

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Der Grund für das Auseinanderklaffen der sozialen Schere liegt demnach im ungleichen Wachstum der Gehälter. Die niedrigen und mittleren Einkommen steigen nur geringfügig oder stagnieren gar, während die Spitzengehälter deutlich anziehen. Das drückt sich auch im Gini-Koeffizienten aus. Es handelt sich hierbei um ein statistisches Maß zwischen 0 und 1 zur Berechnung von Ungleichheit. Liegt der Gini-Koeffizient bei 0, ist der Besitz maximal gleichmäßig auf alle Teilnehmer der Gesellschaft verteilt – liegt er bei 1, ist der Besitz in der Hand einer Person.

Risikogruppe: Alleinerziehende

Der Gini-Koeffizient bei den Gehältern steigt, seit Jahren liegt er bei einem Wert von 0,31 und so mittlerweile über dem Durchschnitt der Eurozone. Noch deutlicher drückt sich die Ungleichheit beim Gini-Koeffizient für Bauland in Luxemburg aus: Er beträgt 0,71 und unterstreicht die Konzentration auf einige wenige Eigentümer. Auch eine weitere Statistik der Arbeitgeberkammer drückt die wachsende Ungleichheit aus: Demnach haben rund 30 Prozent der Menschen in Luxemburg am Ende des Monats Probleme, finanziell über die Runden zu kommen. 2003 lag dieser Wert noch bei 20 Prozent.

Das Armutsrisiko ist ebenfalls in den vergangenen Jahren gestiegen. Am stärksten von Armut bedroht sind Alleinerziehende. Das Armutsrisiko für diese Gruppe liegt bei rund 46 Prozent. Das heißt: Knapp die Hälfte der Alleinerziehenden ist armutsgefährdet. „Luxemburg ist im europäischen Vergleich leider Schlusslicht hinter Litauen“, sagt Félix Martins de Brito, Berater der Arbeitnehmerkammer. Dabei ist diese Erkenntnis nicht neu. „Es ist eine Entwicklung, die wir seit Jahren mit Besorgnis beobachten“, so Reding. Alleinerziehende gehören definitiv zu den Risikogruppen.

Zu den zentralen Ursachen für den Anstieg des Armutsrisikos gehören die hohen Immobilenpreise in Luxemburg. Seit Jahren steigt der prozentuale Anteil, den die Haushalte für Wohnungskosten aufbringen, erläutert Martins de Brito. Und es sind wiederum die Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen, die darunter leiden. Die in Luxemburg zu beobachtenden Entwicklungen seien daher „bedenklich“.

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