Am 3. Juni ist Weltfahrradtag. Dieser Tag des Fahrrads wurde in Europa bereits im Jahr 1998 ins Leben gerufen, um auf das Fahrrad als umweltfreundlichstes und gesündestes Fortbewegungsmittel hinzuweisen. Am 12. April 2018 wurde der 3. Juni dann auch als ein offizieller UN-Tag des Bewusstseins über die gesellschaftlichen Vorteile der Fahrradnutzung verabschiedet. Auch im nationalen „Plan national de la mobilité“ wird dem Fahrrad eine wichtige Rolle zugeteilt. Es ist „das Verkehrsmittel, dessen Nutzung in den kommenden Jahren den stärksten Zuwachs verzeichnen muss“. Ist dies nicht der Fall, wird „sich die individuelle Mobilität in den Ballungsgebieten erheblich verschlechtern“. In Zeiten von Klimakrise und Mobilitätschaos ist das Fahrrad ein wichtiger Teil der Lösung. Laut einer Studie der Universität Lund in Schweden spart eine Gesellschaft bei jedem mit dem Fahrrad zurückgelegten Kilometer 30 Cent. Die Kosten, die durch das Auto verursacht werden, fallen weg und da Fahrradfahren gesünder ist, wird das von der Allgemeinheit finanzierte Gesundheitssystem weniger belastet. Hinzu kommt, dass das Fahrrad seit der Pandemie einen großen Aufschwung erlebt. Eine Umfrage von TNS Ilres belegte, dass im Jahr 2020 fast 60 Prozent der Einwohner Luxemburgs mit dem Rad gefahren sind. Bei den Kindern (94 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen) und Jugendlichen (77 Prozent der 13- bis 17-Jährigen) sind die Zahlen noch höher.
Dies sind alles Argumente, welche Bürgermeister*innen nutzen könnten, um die Fahrradinfrastruktur in ihren Gemeinden zu verbessern und auszubauen. Zudem beteiligt sich der Staat finanziell am Ausbau der Radwege. Während es bei einer Radinfrastruktur mit nationalem Charakter eine hundertprozentige staatliche Unterstützung gibt, wird jeder Anschluss an das nationale Fahrradnetz mit 30 Prozent subventioniert. Trotz dieser Maßnahmen fehlt es aber in vielen Gemeinden an einem zusammenhängenden Radnetz und dem politischen Willen, dieses Defizit zu beheben. Am Beispiel der Stadt Esch wird dies besonders deutlich. Der Liedtitel des deutschen Satirikers Jan Böhmermann „Warum hört der Fahrradweg einfach hier auf?“ könnte für die Escher Fahrradinfrastruktur geschrieben worden sein. Ein Beispiel ist die schlechte Anbindung an das vom Staat finanzierte „Vëlodukt“. An anderen Orten wird der Radweg von einer Bushaltestelle (rue Jean-Pierre Michels) unterbunden, gibt es keine Trennung zwischen Fußgänger*innen und Fahrradfahrer*innen (Boulevard Charles de Gaulles) oder ist der Radweg lebensgefährlich (rue du Canal). Während der Escher Bürgermeister das Rad als „die Lösung für eine ganze Reihe von Problemen“ bezeichnet hat, sieht der lokale Mobilitätsplan der Stadt Esch, für den er die Verantwortung trägt, keine zusätzlichen Fahrradwege vor. Der im Koalitionsabkommen vorgesehene Ausbau der sanften Mobilität sieht lediglich eine bessere Beschilderung der Fahrradwege vor.
Dabei muss die Frage aufgeworfen werden, was andere Städte besser machen als die Stadt Esch. Ein oft genanntes Modellbeispiel für sanfte Mobilität ist die dänische Stadt Kopenhagen. Sie gilt seit Jahren als fahrradfreundlichste Stadt der Welt. In Kopenhagen wird der Standpunkt vertreten, dass getrennte Fahrradwege für das Radfahren in der Stadt unabdingbar sind. Die Radwege werden nach dem Prinzip geplant, dass Radfahrer*innen grundsätzlich nicht auf die Straße gehören, sondern auf den Radweg. So sehen sich Radfahrer*innen und Autofahrer*innen nicht als Gegner, sondern als gleichwertige Partner. In dieser Partnerschaft haben beide das „Recht auf Stadt“, wie es der französische Philosoph Henri Lefebvre bereits 1968 formulierte. Der Radweg ist aber nicht nur von der Straße, sondern auch vom Fußweg getrennt, so werden auch die Konflikte zwischen Fußgänger*innen und Radfahrer*innen reduziert. In Esch hingegen sind die Radwege meist direkt an der Straße und ohne Schutzzone angelegt. Ein weißer Strich, ein Straßenschild und der Fahrradweg ist fertig. Dies führt dazu, dass Radfahrer*innen oft von auf dem Fahrradweg haltenden Autos blockiert werden. In der Kanalstraße werden sie teilweise von zwei Seiten bedrängt. Auf der linken Seite fahren die Autos und rechts öffnen sich die Türen der geparkten Autos.
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