Im kommenden Monat wird in Luxemburg die Festivalsaison eröffnet. Auch in zahlreichen anderen Ländern rund um den Globus stehen Open-Air-Musikveranstaltungen an. Eingefleischte Fans haben längst Karten für das Event ihrer Wahl ergattert.

Zu den Vorbereitungen gehört nicht nur, das Campingmaterial auf dem Dachboden wieder zufinden und nach Bier im Sonder angebot Ausschau zu halten. Für viele bedeutet es auch, den Dealer des Vertrauens zu kontaktieren und rechtzeitig Drogen zu bestellen. Falls es nicht klappt, kann meist auf das Angebot vor Ort zurückgegriffen werden. Ein Garant für eine gute Party ist das Vorhandensein von bewusstseinserweiternden Substanzen allein jedoch nicht.

Fast jedes Jahr melden Medien Drogentote nach Festivals. Fünf Menschen starben 2016 bei der „Time Warp“ in Buenos Aires, 2017 kam ein junger Mann in Australien beim „Rainbow Serpent“ ums Leben. Letztes Jahr wurden zwei tote Personen auf dem belgischen Elektro-Festival „Tomorrowland“ verzeichnet. Wer denkt, dies passiere nur bei elektronischer Musik im Zusammenhang mit chemischen Drogen, liegt falsch. Auch auf dem deutschen Heavy-Metal-Festival „Wacken Open Air“ kam es vor mehreren Jahren zu einem tödlichen Unfall, als ein Mann hoch alkoholisiert unter ein Auto geriet.

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Nun kann man politisch repressiv handeln, die ganze Welt mit „Keine Macht den Drogen“-Stickern zutapezieren, Anti-Drogen-Kampagnen organisieren, bis man umfällt, oder selbstgefällig über Haschisch spritzende Junkies herziehen – eines wird sich indes ohne jeglichen Zweifel nie ändern: das menschliche Bedürfnis nach Rausch. Dieses ist so alt wie die Menschheit und hat sich stets über Verbote und Grenzen hinweggesetzt. Anstatt also zu hoffen, dass die Welt einem fein ge häkelten Klorollen-Überzug auf der Kofferraumplatte eines Autos gleicht, kann man um einiges ehrlicher mit der Situation umgehen und genau dadurch schlimme Konsequenzen ver meiden.

Das tut unter anderem die luxemburgische Organisation „Pipapo“, die man hierzulande häufig bei Veranstaltungen im Nachtleben antrifft. Am Informationsstand des Projektes erhalten Partygäste Informationen zum Konsum spezifischer Substanzen und können sich mit Fragen an die ausgebildeten Mitarbeiter wenden.

Wie Teammitglied Carlos Paulos in einem Interview in der aktuellen woxx-Ausgabe erklärt, besteht die Aufgabe von „Pipapo“ nicht darin, Personen mit erhobenem Zeigefinger vom Konsum abzuhalten, sondern es wird eine vor urteilsfreie Unterstützung auf Augenhöhe ge leistet, damit in der Folge verantwortungsvolle und bewusste Entscheidungen getroffen werden können.

Derartige Initiativen können zwar nicht dafür sorgen, dass es gar keine Drogentoten mehr geben wird, aber sie blicken dem Problem ins Gesicht und zeigen auf, dass Informiertsein Leben retten kann. Dem luxemburgischen (Party-)Volk kann ein ehrlicherer Umgang mit dem Thema definitiv nicht schaden.
 

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