Es dürfte mittlerweile bei jedem angekommen sein, auch bei jenen, die sich wenig mit Umweltthemen beschäftigen: Die Welt hat ein Müll- und insbesondere ein Plastikproblem.

Acht Milliarden Plastikbeutel werden jährlich laut EU nicht ordnungsgemäß entsorgt: Sie landen in Flüssen, Seen und Meeren. Fotos, die seit Jahren im Internet kursieren, zeigen Schildkröten mit Plastik-Strohhalmen in der Nase, Strände, an denen man vor Müll den Sand nicht mehr sieht, und Plastikinseln von einer Größe, die viermal der Fläche von Deutschland entspricht.

Der sogenannte „Great Pacific Garbage Patch“ im Nordpazifik besteht aus Flip-Flops, Tüten, sogar Möbeln und hat eine Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern. Neben sichtbarem Plastik bereiten aber auch unsichtbare Mikroplastikpartikel Sorge. Sie gelangen über Nahrungsmittel wie Fisch in den menschlichen Körper.

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Verbot gilt auch für Vereins-Feste

Das Volumen der Kunststoff-Mikrovertiefungen hat sich im Nordpazifik in 40 Jahren um das Hundertfache vervielfacht. Weltweit werden jährlich 500 Milliarden Flaschen verwendet. Es gibt praktisch keine Säugetiere mehr ohne Mikroplastik im Bauch. Rund 250 Tierarten sind betroffen.

Während diese alarmierenden Nachrichten über Plastikmüll zunehmen, will Differdingen konkret handeln. Wie Bürgermeister Roberto Traversini („déi gréng“) gemeinsam mit den Verantwortlichen des lokalen Umwelt-, Kultur- und Sportamtes dieser Tage anlässlich einer Informationsversammlung den über 30 anwesenden lokalen Vereinen erklärte, habe die Stadtverwaltung beschlossen, auf öffentlichen Veranstaltungen auf Einweg-Plastikgeschirr zu verzichten.

Dieses Verbot gilt auch für Feste, die von Vereinen in Gemeindelokalen oder auf öffentlichen Plätzen organisiert werden. Es gebe mittlerweile mehr umweltfreundliche Alternativen, so Traversini weiter. Materialien wie Pappe, Bambus oder Holz sollen Plastik ablösen. Porzellangeschirr, wiederverwendbares Besteck sowie Mehrwegverpackungen und waschbare Gegenstände sollen den Einwegartikeln vorgezogen werden.

Cup System ausbauen

Das bereits genutzte und von der Gemeinde zur Verfügung gestellte „Cup System“ soll weiter ausgebaut werden. Um den Gebrauch von Plastikflaschen beim Sport zu verringern, wird die Stadtverwaltung bis Anfang März insgesamt 15 Wasserterminals in den Sportstätten installieren. Die Athleten können somit ihre eigenen Trinkflaschen auffüllen.
Traversini betonte, dass er den Vereinen vertrauen würde, sodass die Arbeit eines Kontrollorgans nicht notwendig sei. Sollten jedoch Verstöße festgestellt werden, behalte sich die Gemeinde das Recht vor, diesen Klubs den Zugang zu öffentlichen Gebäuden zu verwehren oder Abstriche bei der Auszahlung von Zuschüssen vorzunehmen.

Umweltschöffe Georges Liesch lobte das Engagement der Vereine in Sachen Umweltschutz. So wie bereits die Plastikflaschen in den „Maison relais“ abgeschafft wurden, müssten in Zukunft Reflexe zu einem Automatismus werden.

In internationaler Gesellschaft

Mehrere internationale Städte haben sich bereits mit kreativen Ideen im Kampf gegen Plastik hervorheben können. Differdingen könne sich somit in guter Gesellschaft einen Namen machen. Dabei müssen es nicht immer Verbote sein. Die westfälische Stadt Billerbeck zeigt, dass manchmal eine gehörige Portion an Kreativität reicht, um Großes zu erreichen. Mit Witz und schrägen Aktionen wurde innerhalb von nur einem Jahr die Nutzung von Plastiktüten dort halbiert.

Seit Anfang 2017 sind in Neu-Delhi Einwegbecher aus Plastik verboten. Zwar ist der Kunststoff-Konsum auch dort ein großes Problem, der Grund für die Verordnung ist aber ein völlig anderer, und zwar der durch die massive Müllverbrennung verursachte Smog.
2014 führte San Francisco ein Gesetz ein, das zumindest kleine Wasserflaschen aus Plastik verbietet. Zwei Jahre später wurde diese Vorschrift erweitert, allerdings bleiben nach wie vor Lücken. Der Teufel steckt eben im Detail.

Wo wir schon bei den kleinen Anfängen sind: Die Idee gab es in Seattle bereits 2010, doch erst 2018 trat ein endgültiges Verbot von Strohhalmen und anderen Kleinutensilien aus Plastik in Bars und Restaurants in Kraft. Neben den genannten Städten gibt es auch ganze Länder, die dem Plastikkonsum den Kampf angesagt haben. Bis 2021 will Costa Rica noch einen Schritt weitergehen und als erster Staat weltweit komplett auf Einwegplastik verzichten. Wie man das schaffen will? Unter anderem mit biologisch abbaubaren Materialien.

Während sich die meisten hier aufgezählten Beispiele auf große Plastikprodukte in Form von Beuteln, Bechern usw. beschränken, geht Neuseeland das Problem etwas anders an. Vor einigen Monaten wurde Mikroplastik aus Kosmetikprodukten verbannt. Damit reagierte die Regierung auf den Druck zahlreicher Umweltorganisationen.

Von unserem Korrespondenten Marc Gatti

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