Etwa fünf Tonnen Abfall produziert der durchschnittliche EU-Bürger pro Jahr und mit rund 17 Tonnen belegt Luxemburg den dritten Platz. Kein Grund zum Feiern: Bei zunehmender Ressourcenknappheit und den katastrophalen Auswirkungen des globalen Müllproblems auf die Umwelt steigt die Notwendigkeit einer Alternative zur Wegwerfgesellschaft. Das Tageblatt hat sich in Wiltz umgeschaut.

Von Steve Peffer

Was ist eigentlich Kreislaufwirtschaft? Es handelt sich um ein Wirtschaftsmodell, dessen Kern darin besteht, materielle Güter am Ende ihrer Lebensdauer wieder in den Produktionszyklus einzuschleusen, anstatt sie zu entsorgen. Abfallvermeidung und -entsorgung gehören zu den Hauptanliegen dieses Modells, ohne jedoch allein darauf beschränkt zu sein, denn die Idee hinter der Kreislaufwirtschaft ist auf vielerlei Anwendungsgebiete übertragbar.

Nachdem große Industrienationen wie China und Deutschland bereits entsprechende Maßnahmen eingeführt haben (etwa das deutsche Pfandflaschensystem und die Rückerstattung der Umsatzsteuer für Konzerne in China bei Nutzung umweltfreundlicher Materialien), wird auch in Luxemburg an Lösungen getüftelt.

Im Rampenlicht steht insbesondere die Gemeinde Wiltz, die seit einem im Oktober 2015 unterschriebenen Abkommen offiziell den Titel “hotspot communal de l’économie circulaire” trägt. Konkret bedeutet dies, dass in Wiltz Projekte ausgearbeitet und getestet werden, in denen die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft im Vordergrund stehen. Bei Erfolg könnten diese schließlich auch in anderen Kommunen in ähnlicher Form umgesetzt werden.

Erste Ansätze sind bereits vorhanden

Mehr als drei Jahre sind vergangen, seit die Ardennenstadt zum Vorreiter in der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft ernannt wurde. Was ist seither passiert? Im Februar 2018 unterzeichneten die kommunalen Vertreter eine Charta, deren zehn Punkte die Richtung vorgeben, in welche die Kreislaufwirtschaft innerhalb der Gemeinde vorangetrieben werden soll. In der Charta verpflichtet sich die Kommune unter anderem dazu, “die gemeinschaftliche Nutzung von Gütern” zu fördern und Pilotprojekte aufzustellen, “durch die Modelle oder Methodologien erarbeitet werden, die später auch in einem größeren Maßstab und anderswo anwendbar sind”.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung zeigt sich am Beispiel des neuen Bautenreglements der Kommune, das während der gestrigen Gemeinderatssitzung einhellig gestimmt wurde. So sind in dem Dokument Richtlinien enthalten, die dem Bauträger eine Planung mit Rücksicht auf die langfristige Nutzung des Gebäudes vorschreiben. Ein Haus muss etwa so aufgebaut sein, dass es sich zu einem späteren Zeitpunkt mit wenig energetischem Aufwand zu einem anderen Verwendungszweck umbauen lässt. Ebenfalls sollen Maßnahmen zur Wassereinsparung und verbesserten Luftqualität in den Bauplan einbezogen werden. Die Einrichtung einer Regenwasseranlage wird sogar zur Pflicht.

Besonders viel Gewicht erhalten wiederverwertbare Baumaterialien. Ein Musterbeispiel für deren Verwendung ist das umweltfreundliche Mehrfamilienhaus “Nesto”, das letztes Jahr im September in Wiltz eingeweiht wurde. Zum Thema wiederverwertbare Materialien werde im Auftrag der Gemeinde zurzeit eine umfangreiche Studie durchgeführt, so LSAP-Schöffe Pierre Koppes gegenüber dem Tageblatt. Das Bauwesen ist jedoch nicht der einzige Bereich, den die Ardennenstadt revolutionieren möchte. Die Gemeinde ist dabei, ein interkommunales Lastenheft auszuarbeiten, in welchem öffentliche Dienste wie Schulen und Verwaltungen Vorschläge zu umweltfreundlichem Büromaterial sowie konkrete Handlungsvorgaben zu einem bewussteren Umgang mit Ressourcen finden.

Auch die Bürger sollen über Circular Economy aufgeklärt werden und Ratschläge erhalten, wie diese auf kleinem und großem Maßstab umgesetzt werden kann. Dies soll durch ein neues Informationszentrum namens “Project Hub”, das im Frühjahr in der Bahnhofsstraße eröffnen wird, möglich gemacht werden.

An Ideen für kreislaufwirtschaftliche Projekte mangelt es in Wiltz nicht. Die meisten davon befinden sich allerdings noch im Prüfstadium. Es wird also gegenwärtig analysiert, ob und wie diese Ideen überhaupt in die Realität übertragen werden können.

Es ist demnach noch ein weiter Weg. Um auch andere Gemeinden zu motivieren, auf den Zug der Nachhaltigkeit aufzuspringen, soll eine neue Zertifizierung ins Leben gerufen werden, die in ihrer Funktion dem Klimapakt ähnelt. Kommunen, die gewisse Prinzipien der Kreislaufwirtschaft erfolgreich umsetzen, sollen mit einer Note ausgezeichnet werden und ein Anrecht auf Fördergelder erhalten. Die Kriterien hierfür werden von der Gemeinde Wiltz in Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium ausgearbeitet. Es beginnt sich also zu drehen.

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