Dienstag27. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Wichtiger, als die Größe erwarten lässt

Wichtiger, als die Größe erwarten lässt
(Tageblatt/Hervé Montaigu)

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Am vierten Tag der Wirtschaftsmission in Japan wurde, wie schon zuvor in Korea, versucht, mit mehreren Seminaren, Besuchen bei Unternehmen und persönlichen Treffen die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern weiter auszubauen. Hinzu kamen politische Treffen.

Am Donnerstagmorgen begann das gut gefüllte Programm mit dem traditionellen Wirtschaftsseminar, bei dem sich Luxemburg vor japanischen Geschäftsleuten im Hotel Grand Hyatt in Tokio vorstellte. Bei der Eröffnung erinnerte Erbgroßherzog Guillaume an den verheerenden Tsunami vor drei Jahren. Kurz danach war er erstmals mit einer Wirtschaftsdelegation in Japan gewesen. Viel Bewunderung äußerte er für die Ruhe der Menschen und für die Unbeirrtheit, mit der Japan den Wiederaufbau des Landes angegangen ist.

Schöne neue Welt von Fujitsu

Im Rahmen des Besuchs in Japan besichtigte die Wirtschaftsdelegation auch den Technologiekonzern Fujitsu. Dieser stellte einige seiner neuesten Forschungsprojekte vor: Mit dabei war ein System, das sicherer als ein Fingerabdruck sein soll, um die Handfläche zur Erkennung zu nutzen. Auch dabei war ein Touchscreen, mit dem man die Reliefs von Fotos – mittels Ultraschall-Schwingungen – erfühlen kann (dies ist jedoch noch ein Prototyp). Vorgestellt wurde zudem eine Technik, die es ermöglicht, den Herzschlag eines Menschen mit einer einfachen Webcam zu messen.

Des Weiteren erklärte der Konzern, dass es nun mit Big Data möglich werde, die Zukunft vorauszusagen. Mit einer komplexen Analyse von Bildern und Geräuschen könne beispielsweise im Vorfeld errechnet werden, wann eine Maschine kaputt gehen wird.

Auch könnten von Smart-phones gesammelte Daten über Vibrationen Aufschluss darüber geben, wann es an der Zeit sei, eine Straße zu reparieren.

Darüber hinaus stellte Fujitsu die Idee eines Armbands vor, das alle medizinischen Daten einer Person automatisch sammelt und in einem Datacenter speichert. Das Gerät könne beispielsweise den Verbrauch von Kalorien messen und in einem Restaurant dem Träger sagen, welche Menüs am besten
für seine Gesundheit seien. Auch könne es messen, wie oft man sich im Schlaf drehe, oder wie viel man schnarche. Zudem könne es, je nach Zustand des Trägers, gute Ratschläge – wie weniger trinken oder mehr schlafen – geben. Laut der Vision von Fujitsu könnten jene, die sich an die Ratschläge hielten, von niedrigeren Prämien für ihre Lebensversicherung profitieren. Zum Thema Privatsphäre wurde nichts gesagt.

Auch dabei war ein frischer Kopfsalat, der knusprig ist, lange frisch bleibt, vor dem Essen nicht gewaschen werden muss (kein Einsatz von Pestiziden), leicht süß schmeckt, deutlich weniger Kalium enthält und in einer „Fabrik“ wachsen kann. Ist zwar nicht richtig „bio“, aber die intensive Verschmutzung des Grundwassers durch Pestizide könnte verringert werden. Für die Delegation gab es eine Kostprobe.

Logo" class="infobox_img" />Olivier Raulot

Ein Start-up erobert die Welt.

Ein kleines Start-up aus Foetz, „iNUI Studio“, hat das Interesse von mehreren großen Konzernen geweckt. „Bereits vor der Wirtschaftsmission wurden wir vom koreanischen Konzern Samsung kontaktiert“, sagt Olivier Raulot, Geschäftsführer und Gründer von iNUI. „Samsung wünschte, dass wir vorbeikommen und unsere Technologie vorstellen. Sie würden die Technologie gerne in ihre eigenen Produkte einbinden.“ Der Direktor des Bereiches Business Development habe sie in Seoul höchstpersönlich vom Hotel abgeholt, so der 40-jährige Gründer. Resultat: Am Ende dieses Monats wird sich iNUI wieder mit Samsung treffen – diesmal in Europa. Doch damit nicht genug. Auch hier in Japan scheint das Interesse an iNUI riesengroß. Nicht nur der Bildschirmhersteller IO Data Device hat bei der Gesellschaft um ein Treffen gebeten, auch Microsoft und eine Reihe weiterer Gesellschaften haben schon um ein Treffen mit dem Gründer gebeten.

Bei der Erfindung von iNUI handelt sich um einen Touchscreen, den man nicht berühren muss. „Er reagiert auf die Bewegungen der Finger aus einer Entfernung von drei bis 15 Zentimetern – selbst wenn eine Fensterscheibe dazwischen ist.“ Einen echten Konkurrenten gebe es nicht, so Raulot. Zudem habe man die Erfindung patentiert.

Insgesamt acht Mitarbeiter zählt iNUI in Foetz. Dass er sein Start-up vor dreieinhalb Jahren in Foetz gründete, sei dem ehemaligen Wirtschaftsminister Jeannot Krecké zu verdanken, sagte der gebürtige Franzose gegenüber dem Tageblatt.

Auch Vizepremier- und Wirtschaftsminister Etienne Schneider lobte den „beeindruckenden Wiederaufbau“, der seit 2011 stattgefunden hat. Dann erklärte er den japanischen Geschäftsleuten, in welchen Wirtschaftssektoren er am meisten Potenzial für einen Ausbau der Beziehungen sieht. So erzählte er beispielsweise von der Weltraumindustrie (er selbst co-präsidiert derzeit die Europäische Weltraumagentur ESA) und den mehr als 50 Luxemburger Satelliten im Weltraum. „Wir nehmen mehr Platz im Weltraum ein als auf der Erde“, scherzte er. Zudem erwähnte Schneider die Tourismusbranche und hob hervor, dass die Altstadt Luxemburgs zum Unesco-Weltkulturerbe zähle. Außerdem unterstrich er, dass die Luxemburger Filmbranche dieses Jahr einen Oscar gewonnen habe.

Carlo Thelen, Direktor der Handelskammer, machte ebenfalls Werbung für den Standort. Luxemburg sei ein stabiles und vorhersehbares Land mit einer sehr offenen Wirtschaft. Auch werde Luxemburg von den internationalen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet. Fünf japanische Banken und mehrere japanische Unternehmen sind bereits in Luxemburg etabliert.

Zudem sei die Hauptstadt „die sicherste Stadt der Welt“, und mehrere Hundert Japaner wohnte bereits in Luxemburg. Es gebe auch gute internationale Schulen, so Thelen. Später lud er die Handelskammer aus Tokio ein, mit einer eigenen Wirtschaftsdelegation nach Luxemburg zu kommen.

Der ebenfalls anwesende Präsident der japanischen Organisation für Außenhandel, Hiroyuki Ishige, erklärte, dass Luxemburg viel wichtiger sei, als die Größe erwarten lasse. So werde das Land bald die Präsidentschaft der Europäischen Union übernehmen, während Jean-Claude Junckers als Präsident der EU-Kommission eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen zwischen Japan und Europa spielen werde.

Auch wenn der Warenhandel zwischen Luxemburg und Japan schon auf einem relativ hohen Niveau ist – letztes Jahr betrug er über 200 Millionen Euro –, sehen alle Redner noch viel Potenzial. Nach den Seminaren begann somit für die Geschäftsleute der praktische Teil der Arbeit: Das Kontakte-Knüpfen.

Erbgroßherzog Guillaume und seine Frau Stéphanie wurden derweil vom japanischen Kaiser Akihito und seiner Frau Michiko Shoda empfangen. Später am Tag trafen sie auch Kronprinz Naruhito, der 2012 zu ihrer Hochzeit nach Luxemburg gekommen war.

Außerdem trafen sich Vizepremierminister Etienne Schneider und das erbgroßherzogliche Paar am Donnerstag mit Shinzo Abe, der seit 2012 japanischer Premierminister ist. Abe ist weltweit bekannt wegen seiner radikalen Wirtschaftspolitik, die den Namen „Abenomics“ erhielt. Um Japan aus der jahrzehntelangen wirtschaftlichen Stagnation zu befreien, versucht er – mit großen Konjunkturprogrammen, dem Anwerfen der Geldpresse und versprochenen Reformen –, die Lage zu drehen.

Ob seine Politik aber Erfolg haben wird, wird von vielen Beobachtern bezweifelt.