Dienstag27. Januar 2026

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Milliardenspritze für EDF

Milliardenspritze für EDF
(AFP/Kenzo Tribouillard)

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Ohne frisches Geld wird das Überleben von EDF schwierig. Milliarden aus der Staatskasse und Verzicht auf Barausschüttungen sollen die finanzielle Beweglichkeit von EDF sichern.

Einen Kapitalerhöhung von vier Milliarden Euro soll die Kassen der EDF auffüllen. Die französische Regierung, die 85 Prozent des Kapitals hält, soll sich daran mit drei Milliarden beteiligen. Eine Milliarde soll auf die freien Aktionäre entfallen, wurde am vergangenen Freitag Abend nach einer Sitzung des Verwaltungsrates bekannt.

Die Regierung überdies auf die Bar-Auszahlung der Dividende verzichten und sich ihren Gewinnanteil für die Geschäftsjahre 2015 und 2016 in Aktien auszahlen lassen. Über drei Milliarden Euro bleiben damit zusätzlich in den Kassen des Konzerns.

Die Situation des Konzerns ist schwierig. Eine Schuldenlast von 37 Milliarden Euro lastet auf dem Unternehmen. Mindestens 50 Milliarden Euro muss EDF für die Normenanpassung der Nuklearkraftwerke ausgeben. Der französische Rechnungshof rechnet gar mit 100 Milliarden in den kommenden 25 Jahren. Die Gewerkschaften malen das schwärzeste Szenario: Sie sehen EDF am Rande des Konkurses.

Strompreis abgerutscht

Das Strom-Unternehmen leidet unter der wirtschaftlichen Entwicklung. Der Strompreis ist an den Strombörsen von 38 Euro pro Megawattstunde auf 26 Euro abgerutscht. Je nach Situation werden die Produktionskosten in den Atomkraftwerken vom Rechnungshof in Paris aber bis zu 56 Euro pro Megawattstunde angegeben.

Die Situation des Stromerzeugers war in der vergangenen Woche Gegenstand von Spitzengesprächen in der französischen Regierung. Staatspräsident Francois Hollande soll dabei auch angesichts des Wahljahres 2017 Strompreiserhöhungen abgelehnt haben. Wirtschaftsminister Emmanuel Macron wiederum soll eine Kapitalspritze als nicht so dringend empfunden haben. Der Verwaltungsrat hingegen beschloss die Kapitalspritze.

In dem Konzern herrschen starke soziale Spannungen. EDF hatte vor zweieinhalb Monaten bereits einen Sparplan angekündigt, bei dem 3.500 Stellen bis 2018 abgebaut werden sollen. Zu dem am vergangenen Freitag angekündigten Plan sollen weitere Einsparungen in Höhe von einer Milliarde Euro gehören. Außerdem will der Energiekonzern seinen Mitarbeitern an die Geldbörse. Beim Aufsteigen in neue Gehaltsklassen soll das Zusatzgehalt um die Hälfte gekürzt werden. Die Gewerkschaften haben sicherheitshalber schon einmal Streiks angekündigt. Zusätzlich will EDF die Investitionen zurückfahren.

Schwierigkeiten mit neuer Reaktorgeneration

Die größten Schwierigkeiten hat EDF allerdings mit einer neuen Reaktorgeneration, EPR. Der Reaktor wird auf zwei Baustellen nicht fertig. In Finnland baut die Reaktorsparte des Atomzulieferkonzerns Areva an einem EPR. Die Verspätungen sind mittlerweile so groß, dass Areva Entschädigungszahlungen leisten muss.

In Flamanville, auf der Halbinsel Cotentin in der Normandie, hätte der EPR bereits im Jahre 2012 fertig sein und ans Netz gehen sollen. Derzeit ist von 2018 die Rede. Allerdings: Die Aufsichtsbehörde ASN hat bei dem Reaktorbecken und auch beim Deckel des Reaktorbeckens Unregelmäßigkeiten in der Stahlqualität festgestellt. Statt eines Kohlenstoffgehaltes von 0,2 Prozent weist der stahl an wesentlichen Stellen des Reaktorbehälters 0,3 Prozent Kohlenstoffgehalt aus.

Die Überschreitung um 50 Prozent kann sowohl bei physikalischen Schocks als auch bei Temperaturschocks zu instabilem Veralten des Behälters führen, erklärt die Behörde. Untersuchungen laufen und führen erneut zu Verzögerungen. Sollte die Aufsichtsbehörde das Becken und den Deckel nicht abnehmen, droht eine wirtschaftliche Katastrophe. Dann würde es eine jahrelange Verzögerung geben.

EDF sollte aus dem Areva Konzern, der Milliardenverluste schreibt und aufgeteilt wird, die Kernkraftsparte übernehmen. Jene Sparte, die Fehler bei der Herstellung von Reaktorbecken und Deckel zu verantworten hat. In dem Übernahmevertrag gibt es eine Klausel: Sind die beiden Geräte nicht in Ordnung, braucht EDF nicht zu übernehmen. Das Unternehmen würde den Kaufpreis von 2,5 Milliarden Euro sparen.