Die Verhandlungen hatten Monate gedauert und wurden hinter verschlossenen Türen geführt. Am vergangenen Freitag dann hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg die Möglichkeit einer Fusion angedeutet. Die Börsen ließen die Aktienkurse in die Höhe schnellen und die Unternehmen um etwa drei Milliarden teurer werden. Am Montag vor Börseneröffnung bestätigten Lafarge und Holcim ihre Fusion, die am vergangenen Samstag von den Aufsichtsräten abgesegnet worden war.
Die Fusion ist die Geburt eines Weltmarktführers in den Bereichen Zement, Beton und Granulat. Das neue Unternehmen wird einen Umsatz von 30 Milliarden Euro verzeichnen und weltweit 130.000 Mitarbeiter haben. Lafarge und Holcim bewahren einen Teil ihrer Führungsstruktur jeweils in Frankreich und der Schweiz. Der Sitz des Verwaltungssitzes des Unternehmens soll allerdings aus fiskalischen und finanziellen Erwägungen heraus in Zürich sein.
Der bisherige Chef von Lafarge, Bruno Lafont, wird Generaldirektor des neuen Unternehmens und erhält die Aufgabe, beide Unternehmen zusammenzuführen. Der bisherige Chef von Holcim, Bernard Fontana, wird Präsident der neuen Firma. Der neue Weltmarktführer wird an den Börsen von Paris und Zürich notiert werden.
Holcim ist an der Börse 21 Milliarden, Lafarge 18 Milliarden Euro wert. Die Schweizer Firma beschäftigt 71.000 Menschen in 70 Ländern, unter anderem auch in Luxemburg. Der Holcim Umsatz betrug 16,13 Milliarden Euro (umgerechnet) im vergangenen Jahr. Der Umsatz teilt sich im wesentlichen zu 26 Prozent auf Europa, 15 Prozent Nordamerika, 16 Prozent Lateinamerika, 36 Prozent Asien/Pazifik auf.
Lafarge: Ende der Unabhängigkeit nach 200 Jahren
Das Unternehmen Lafarge gibt 200 Jahre nach seiner Gründung seine Unabhängigkeit auf. Es beschäftigt 64.000 Mitarbeiter und weist einen Umsatz von 15,6 Milliarden Euro auf. Lafarge ist stark in den USA mit 26 Prozent seines Umsatzes und in Europa mit 21 Prozent des Umsatzes. Die Komplementarität der beiden Industrieforen ergibt sich aus dem Mittleren Osten und Afrika. In beiden Weltregionen ist Lafarge durch den Zukauf von Unternehmen vertreten, wohingegen Holcim dort abwesend ist.
Die Fusion der beiden Unternehmen schien notwendig, weil sich im Rahmen der Globalisierung die Konkurrenzlage geändert hatte. In China steht der Baustoff-Gigant Anhui in den Startlöchern, der derzeit mit einer Produktion von 217 Millionen Tonnen Zement Weltmarktführer ist. In Mexiko und in Afrika bilden sich ebenfalls neue Baustoff-Giganten heraus.
Die Fusion bedarf noch der Genehmigung der Kartellbehörden in Europa, in den USA Kanada, Brasilien und in Frankreich. Die Unternehmen rechnen damit, dass sie sich von Beteiligungen trennen werden und ihre Vormachtstellung mindern müssen, um die Genehmigung der Kartellbehörden zu erzielen.
(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)
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