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Der Berater wird zum Entscheider

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Seit nunmehr 30 Jahren arbeitet Luxinnovation an der Förderung von Forschung und Innovation in Luxemburg. Doch nun wird ihr Aufgabenbereich ausgeweitet. Künftig soll sie den Status einer „Finanzierungsagentur“ erhalten.

Für Luxinnovation ist der angekündigte Schritt ein gewaltiger. Anstelle wie bisher, den Unternehmen nur beim Erstellen und Einreichen eines Dossiers für staatliche Hilfen unterstützen zu können, darf sie in Zukunft gleich mitentscheiden, wer ein Anrecht auf diese Gelder hat. Bisher lag die Entscheidungshoheit allein beim Wirtschaftsministerium.

Von der Ankündigung, die Wirtschaftsminister Etienne Schneider vor einer Woche bei der Fedil gemacht hatte, „waren wir überrascht“, so Jean-Paul Schuler, Direktor von Luxinnovation, am Dienstag vor Journalisten. Im Rahmen einer Vereinfachung der Behördengänge sei die Entscheidung aber sinnvoll, da „wir sowieso bereits heute einen großen Teil der Arbeit erledigen“.

Ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums erklärte, dass diese Zuständigkeiten auch im Ausland zumeist so gehandhabt werden. Der Zuwachs an Entscheidungskraft bezieht sich jedoch nur auf kleine Projekte – für die großen bleibt das Wirtschaftsministerium zuständig. „Die Details sind noch zu klären“, fügte Raymond Schadeck, Präsident von Luxinnovation, hinzu.

Insgesamt 33 Start-ups hat die Agentur letztes Jahr bei der Gründung unterstützt; fast 100 Veranstaltungen hat sie (mit) organisiert, und für mehr als 153 Forscher war sie bei Anträgen zur Finanzierung behilflich.

Von den insgesamt 367 Unternehmen und Organismen, die Luxinnovation im abgelaufenen Geschäftsjahr unterstützend zur Seite gestanden hat, waren etwas mehr als die Hälfte (60 Prozent) kleine und mittlere Unternehmen – eine Zielgruppe der Agentur. Weiter zählen auch Forschungszentren und größere Unternehmen zu ihren „Kunden“. Aber „vor allem kleine und mittlere Unternehmen (PME) wollen wir unterstützen, damit sie ihre Zukunft aktiv mitgestalten“, so Schadeck. „Auch eine Luxemburger PME kann eine internationale Vorreiterrolle spielen“, unterstrich er. Und Luxinnovation sei da, um sie tatkräftig zu unterstützen und um sie (international) besser zu vernetzen.

Ein Manager für jedes Cluster

Luxinnovation ist eine partnerschaftliche Vereinigung zwischen dem Staat (Wirtschafts-, Forschungs- und Hochschulministerium) und dem Privatsektor (Handwerkskammer, Handelskammer, Fedil). „Daher ist sie auch gut platziert, um gemeinsame Ziele zu verfolgen“, so Schadeck. Und „ich glaube, wir sind jetzt am Punkt angekommen, wo die verschiedenen Puzzleteile beginnen, zusammenzupassen“. Die Agentur sei bereit, neue, kruziale Rollen zu übernehmen.

So wird die Agentur beispielsweise im Bereich der „Clusters“ (Netzwerke von Unternehmen, die in einem spezifischen Sektor tätig sind) deutlich proaktiver werden. Bis 2015 sollen sechs der Cluster einen eigenen Manager von Luxinnovation erhalten.

„Dass Forschung und Innovation für die neue Regierung wichtig sind, belegen die Zahlen“, so Marc Hansen, seit Kurzem Staatssekretär für Hochschule und Forschung. Insgesamt habe die Regierung für die Jahre 2014-17 Ausgaben in Höhe von 850 Millionen Euro geplant. Der Löwenanteil dieser Summe ist für die Universität. Hinzu kämen noch 230 Millionen über den „Fonds de recherche“.

Weltraumexperten zu Gast in Luxemburg

Doch Forschung und Innovation sollen kein Selbstzweck sein. Sie sollen Exporte fördern, neue Jobs schaffen und „zur Diversifizierung der Wirtschaft beitragen“, so Marc Hansen. „Ohne Forschung und Innovation gibt es keine wettbewerbsfähige Wirtschaft.“ Vor allem in zwei Bereichen erkennt er ein hohes Potenzial für die Zukunft: Biotechnologie und Weltraum.

Und nicht später als am Dienstag begann dann in der Handelskammer auch die zweitägige Konferenz „Artes Applications Workshop“. Mehr als 300 internationale Weltraumexperten waren der Einladung der europäischen Weltraumagentur ESA nach Luxemburg gefolgt. Die Spezialisten suchen nach neuen vermarktbaren Anwendungen, die aus der Weltraumindustrie herauswachsen können. Die Unternehmen dieser noch sehr jungen Industrie müssten lernen, sich nicht bloß auf technische Möglichkeiten zu fokussieren, so Karim Michel Sabbagh, seit Kurzem Geschäftsführer der SES. Die gesamte Branche müsse lernen, einen Wandel von Technologie hin zu mehr Marktdenken zu vollziehen. „Uns darf nicht interessieren, was technisch möglich ist“, unterstrich er. „Wir müssen uns anschauen, was der Markt sich wünscht.“ Dabei denkt er an Anwendungen in Bereichen wie E-Health und E-Learning, oder an das Überwachen der Meere (Verschmutzung, Piraten). „Wir haben viel zu bieten“, schlussfolgerte er. Diese Konferenz ist eine von mehreren Veranstaltungen, die Luxinnovation (mit) organisiert, um auf Themen wie Forschung und Innovation aufmerksam zu machen und um Fachwissen auszutauschen.

41 Mitarbeiter

Luxinnovation beschäftigt 41 Mitarbeiter und hat ein Jahresbudget von rund fünf Millionen Euro. Etwa zwei Drittel dieser Kosten übernimmt der Staat und ein Drittel der Privatsektor. Zudem steuert die Europäische Union einen kleinen Betrag bei.

Im Jahre 2015 soll die Agentur in das „Haus der Innovation“ nach Esch-Belval umziehen.