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„Altes Geld“ noch, „neues Geld“ schon da

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Man wolle ganz bescheiden bleiben, meinte am Donnerstag Luc Verbeken, CEO der ING im Großherzogtum, anlässlich der Präsentation der Jahreszahlen 2013.

Bescheiden, vor allem was das Geschäft im Private-Banking-Bereich angeht, wie Luc Verbeken auf Nachfrage des Tageblatt bestätigte. Denn die nackten Zahlen bei der ING in puncto Kundeneinlagen im Private-Banking-Bereich geben jeden Anlass, um gerade dies nicht zu sein. Die Bank verzeichnet hier eine Progression von 4 Prozent.

Eine stattliche Steigerung für das Jahr, in dem die Aufgabe des Bankgeheimnisses angekündigt wurde und verschiedene Nachbarländer weiter Steueramnestien gewährten. Das Ergebnis an sich zeigt, dass das «alte» Geld nicht ganz weg ist, während «neues» Geld der angepeilten Zielgruppe der UHNWI (Ultra-high-net-worth individual) hinzugekommen ist.

Man wird in den kommenden Tagen und Wochen abwarten müssen, wie sich die Zahlen im Private Banking bei den anderen Finanzinstituten Luxemburgs im letzten Jahr entwickelt haben und ob sich das, was man bei der ING jetzt feststellen konnte, auch bei diesen bestätigen wird. Hie und da sickert aber bereits hinter vorgehaltener Hand durch, dass zumindest bei großen Banken eine ähnliche positive Tendenz festzustellen ist. Die ING wird wohl kein Einzelfall bleiben. Die Frage allerdings ist, ob es sich um einen allgemeinen, generellen Trend handelt.

Die kleineren Privatbanken

Am interessantesten dürfte tatsächlich die Entwicklung bei den kleineren Privatbanken sein. Gerade diesen wurden im vergangenen Jahr, von dem einen oder anderen Propheten des Finanzplatzes, schwierige Zeiten, wenn nicht gar gleich deren Ende vorausgesagt.

In der Tat könnten die kleineren Banken wegen der Kostenexplosion durch die steigende Regulierung unter Druck geraten. Aber gerade sie müssten ja eigentlich das Knowhow haben, um die so genannten UHNWIs an Land zu ziehen. Allerdings verdient eine Bank bei der gleichen Summe normalerweise weniger an einem UHNWI als mit mehreren kleinen Kunden.

War die zum Teil am Finanzplatz aufgekommene Skepsis im vergangenen Jahr demnach nur eine Reaktion auf das Unbekannte, auf die Zeit nach der Einführung des Automatischen Informationsaustausches?

Keineswegs, denn die großen Herausforderungen stehen noch bevor. Längerfristig gesehen muss die Gleichung zwischen den vielen neuen Regulierungen, die auch auf das Private Banking zukommen, und auch die damit verbundenen Mehrkosten gelöst werden.

Herausforderungen stehen noch an

Kurzfristig gesehen wird sich wohl erst dieses Jahr herausstellen, wie viele Gelder tatsächlich abfließen werden und ob die Banken im Stande sind, den „belgischen Zahnarzt“ dazu zu bewegen, in Zukunft weiterhin in Luxemburg zu bleiben. Dieser Prozess, der schon seit etwas längerem angelaufen ist und der durch die letztjährige Ankündigung der Aufgabe des „Bankgeheimnisses“ für 2015 einen ernsten Schub bekam, hat den Banken in den vergangenen Monaten ein Mehr an Arbeit beschert.

Hinzu kommt, dass die anvisierte neue Klientel der UHNWI eine ganz andere Betreuung und andere Dienstleistungen verlangt. Auch dieser Prozess ist bereits bei den Banken angelaufen, er dürfte sich allerdings dieses Jahr noch mal beschleunigen. Dies bedeutet im besten Fall eine Umschulung des Personals und im schlimmsten Fall Entlassungen, weil das Profil nicht mehr stimmt oder die Banken aus den verschiedensten Gründen Stellen abbauen wollen.

Bislang spiegelt die Entwicklung der Beschäftigungszahlen bei den Banken (auch wenn es einen leichten Rückgang gab) kaum einen möglichen Impakt durch den angekündigten Übergang zum Automatischen Informationsaustausch wider.

Personalbestand dürfte nicht zurückgefahren werden

Bei der ING sagte man am Donnerstag, dass man nicht davon ausgeht, dass der Personalbestand beim Private Banking in Luxemburg zurückgefahren wird. Diese Aussage drückt demnach auch die Vorsicht aus, mit der man die Entwicklungen in diesem Segment angeht.

Gerade aus all den vorher genannten Gründen ist es demnach verständlich, dass Luc Verbeken trotz ermutigenden Zahlen – die nur eine Momentaufnahme sind – bescheiden bleiben will. Man kann davon ausgehen, dass das Wort „Bescheidenheit“ bei den anderen Banken des Platzes, wenn es ums Privatkundengeschäft geht, in den nächsten Tagen und Wochen vermehrt vernommen werden wird.

Sascha Bremer/Tageblatt.lu