Nach fünf Jahren in Bonneweg kehrten die Landesmeisterschaften auf der Kurzbahn am Wochenende nach Düdelingen zurück. Für die Titelkämpfe im neu sanierten 25-m-Becken des „Centre Hartmann“ hatten die Hausherren einen sehnlichen Wunsch. Die Premiere sollte mit einem Landesrekord gekrönt werden.
Die 167 Akteure hatten diesen Wunsch vernommen und belohnten die Wintermeisterschaften gleich mit 13 neuen nationalen Bestzeiten, 22 „meilleures performances“ (Rekorde in den Altersklassen) und 21 Meetrekorden. Insgesamt war es eines der schnellsten Championats der letzten Jahre, wobei die Kluft von den etablierten Schwimmern zum Rest der FLNS-Meute mitunter frappant war. Dennoch kam hin und wieder Spannung auf. Insbesondere die Titelkämpfe im Kraul und auf der Brust gehörten zu den Highlights der Kurzbahnmeisterschaften in Düdelingen.
Carnol-Rekord
Am Samstag trieb Lagen-Experte Raphaël Stacchiotti seinen Klubkameraden Laurent Carnol zu Höchstleistungen an. Die Folge war, dass Brustspezialist Carnol im Sprint seinen Landesrekord von der WM 2014 in Doha (KAT) gleich um 36/100 unterbieten konnte. Das war zwingend notwendig, weil Stacchiotti ebenfalls unter der alten Marke (16/100) anschlug.
Über 200 m spielte Carnol seine Routine aus, als er auf den letzten beiden Bahnen seinen Kontrahenten passierte und erneut in einer schnellen Zeit vor Stacchiotti anschlug. Gestern war es dann so weit, der Allrounder konnte den Spezialisten nicht nur über 100 m Brust bezwingen, sondern schnappte sich auch noch dessen Rekord von der WM 2014 in Doha.
Nachdem Raphaël Stacchiotti zuvor schon über 100 m Delfin, 200 m Kraul und 200 m Delfin eine Bestmarke aufgestellt hatte, war die Brust-Bestzeit Landesrekord Nummer 99 in der Karriere des SCDE-Schwimmers. Und der 23-Jährige versprach mehr.
In der Königsdisziplin kam es nämlich zum spannenden Vierkampf, bei dem Fränz Schneiders’ fehlende Trainingseinheiten (wegen Beruf) spürbar waren, während Pit Brandenburger seit vielen Tagen (auch bei der EM vergangene Woche) mit einer hartnäckigen Erkältung zu kämpfen hatte.
Damit machten Raphaël Stacchiotti und Julien Henx den Titel unter sich aus. Und Stacchiotti wäre nicht Stacchiotti, wenn er mit dem Sieg über 100 m Freistil und dem Landesrekord nicht die Hundert vollgemacht hätte. In der ewigen Rangliste liegt er mit dieser Zahl auf Platz zwei, zu Rang eins muss er die 155 Rekorde von Nancy Arendt knacken. 61 Rekorde schwamm Stacchiotti auf der Kurzbahn, 39 im 50-m-Becken. Und auf den 100-m-Distanzen liegt er jetzt in allen Disziplinen unter der Minute. Schon bei der EM vor einer Woche in Netanya konnte Stacchiotti für Furore sorgen, genau wie Julie Meynen. Und genau wie ihr Klubkamerad ragte die Ettelbrückerin auch beim Championat heraus, mit u.a. 4 Landesrekorden.
Neun Titel für Julie Meynen
Mit neun Titeln war Julie Meynen allerdings die deutlich fleißigere Sammlerin, gegenüber sieben (beide je zwei mit der Staffel) für Stacchiotti. Fast genauso erfolgreich war Monique Olivier, die es auf acht Meistertitel (2 mit der Staffel) brachte. Die SL-Dame schwamm diesmal aber „nur“ einen Rekord. EM-Teilnehmerin Eline van Bossche (SL) sicherte sich fünf Meistertitel (2 mit der Staffel), Lokalmatador Julien Henx winkte viermal vom obersten Treppchen. Je zwei Einzeltitel gingen auf das Konto von Laurent Carnol, Antoine Biver und Max Mannes.
Überraschungen gab es indes nur eine einzige in Düdelingen. Florian Waltzing (SCD) konnte über 1.500 m Kraul nicht seinen dritten Titel in Serie feiern, sondern musste sich Bob Sauber geschlagen geben. Der Redinger lag bei 800 m noch auf Platz vier und zog erst nach 1.350 m an Waltzing vorbei.
Spannend bis zum letzten Atemzug fiel auch die letzte Entscheidung aus, als die gemischte SCDE-Staffel (4×50 m Lagen) seinen Vorsprung bis auf 1/10 gegen den SL verteidigen konnte. Insgesamt blieb der SL aber die dominante Macht – wenn auch nur knapp im Medaillenspiegel – und stellte siebenmal das komplette Podium.
Zu Demaart
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