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Zuerst pusten, dann starten

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Seit dem 1. Juli müssen Autofahrer in Frankreich einen Alkoholtester im Gepäck haben. Das gilt auch für Touristen, die nach oder durch Frankreich oder kurz zum Shopping beim Nachbarn wollen.

Im Idealfall retten sie Leben, und jeder hat sie stets dabei. Alkohol-Schnelltester, mit denen sich Autofahrer selbst überprüfen können, sollen in Frankreich für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Von diesem Sonntag 1. Juli an, sind sie Pflicht, und alle Auto- und Motorradfahrer müssen einen bereithalten – Urlauber inklusive. Das Ziel ist klar: Wer etwas getrunken hat, soll den Test benutzen und danach wissen, ob er noch fahrtüchtig ist. Die Methode ist umstritten. Erhältlich sind die Röhrchen unter anderem an den Tankstellen in Frankreich. Achten sollte man jedoch auf das NF-Logo auf den Tester.

Um den Hintergrund der ungewöhnlichen Maßnahme im Nachbarland zu verstehen, hilft ein Blick auf die Unfallstatistik. Alkohol am Steuer ist seit 2006 Todesursache Nummer eins auf französischen Straßen. Bei jedem dritten tödlichen Verkehrsunfall hat einer der Beteiligten getrunken.

Umstrittene Maßnahme

Unumstritten ist die neue Vorschrift dennoch nicht. Kritiker sagen voraus, die meisten Alkoholsünder dürften sich trotzdem ans Steuer setzen, selbst wenn sie wüssten, dass sie zu viel getrunken haben. «Das ist eine vollkommen ineffektive Maßnahme», kritisiert Chantal Perrichon von der Verkehrsunfallopfervereinigung LCVR. Bei 80 Prozent der tödlichen Alkoholunfälle hätten die Verursacher sogar mehr als 1,2 Promille im Blut gehabt. Dabei liegt die gesetzliche Grenze bei 0,5 Promille.

Ein weiteres Gegenargument ist eine zweifelhafte Zuverlässigkeit der Geräte. Bei Tests mit verschiedenen Modellen stellte sich heraus, dass Messwerte relativ ungenau und meist nur schwer oder gar nicht zu erkennen sind. Die Röhrchen zeigten meist nur an, dass überhaupt Alkohol getrunken wurde. Französische Kritiker verweisen zudem darauf, dass die ein bis fünf Euro teuren chemischen Tests Hitze und Frost schlecht vertrügen. Und Elektrogeräte als Alternative kosten leicht mehr als 100 Euro.

Zur Gewohnheit wie das Präservativ

Die Befürworter argumentieren, dass die Test bestimmte Normen erfüllten. Sie sind vom Erfolg des Projekts überzeugt. «Wir erhoffen uns, dass die Benutzung des Alkoholtests eine ganz unspektakuläre Sache wird, dass man mit ihm umgeht, wie man seit 15 Jahren mit Präservativen umgeht», sagte der Verkehrspolitik-Experte Jean-Luc Nevache zur Veröffentlichung des Dekrets. Er setzt darauf, dass die Vorschrift jährlich 500 Leben retten kann. 2011 starben in Frankreich 1150 Menschen an den Folgen von Alkohol am Steuer.

Frühstens im nächsten Jahr dürfte sich zeigen, wie erfolgreich der neue Schnelltest ist. Auch wenn die Vorschrift am Sonntag in Kraft tritt, wird die Polizei erst ab November Bußgelder kassieren. Wer bei einer Kontrolle keinen unbenutzten Test vorzeigen kann, muss dann elf Euro zahlen.