Donnerstag29. Januar 2026

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Wir werden immer dicker

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(dpa/Waltraud Grubitzsch)

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Zuviel Fastfood, zu wenig Bewegung: Die Europäer werden immer dicker. Auch die Luxemburger sollen deutlich zulegen, heißt es in einem WHO-Bericht am Mittwoch.

In Europa werden 2030 viel mehr Menschen als bisher mit Fettleibigkeit kämpfen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Europäische Region in Kopenhagen warnt vor einer «Übergewichts-Krise enormer Ausmaße». Laut den Schätzungen der Experten wird auch Luxemburg in Sachen Gewicht in den kommenden 15 Jahren ordentlich zulegen.

Gemessen an der Gesamtbevölkerung sind die Zahlen für Luxemburg dramatisch. Gewichtsprobleme betreffen demnach vor allem das weibliche Geschlecht. Den Prognosen zufolge werden 2030 fast zwei Drittel der Frauen in Luxemburg übergewichtig sein (65 Prozent). Bei den Männern rechnen die Forscher mit einem Anteil von 63 Prozent. Bereits jetzt (Stand 2010) ist deutlich mehr als die Hälfte der Frauen übergewichtig (58 Prozent). Bei den Männern ist der Ist-Zustand mit 57 Prozent ähnlich.

Auch in Sachen Fettleibigkeit wird die Bevölkerung in Luxemburg im wahrsten Sinne des Wortes zulegen (Artikel). So schätzt die WHO, dass in 15 Jahren etwas mehr als jede vierte Frau (27 Prozent) und jeder vierte Mann (26 Prozent) an extremem Übergewicht leiden wird.

Weniger «adipöse» Nachbarn

Auch Luxemburgs Nachbarn haben mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Während in Belgien 2010 deutlich mehr als die Hälfte der Frauen (68 Prozent) übergewichtig war, war dies bei etwa der Hälfte der Männer der Fall (46 Prozent). Für 2030 sagen die Schätzungen voraus, dass fast alle Belgierinnen deutlich dicker (89 Prozent) sein, während die Belgier leicht abspecken würden (42 Prozent).

In Frankreich kämpften 2010 etwas weniger als die Hälfte aller Frauen mit Übergewicht (43 Prozent). Bei den Franzosen waren es 54 Prozent. 2030 soll der Anteil der Übergewichtigen bei beiden Geschlechtern deutlich steigen: Frauen (58 Prozent), Männer (66 Prozent). Nur 14 Prozent der Französinnen und 16 Prozent der Franzosen leiden an Fettleibikeit (Stand 2010). Die Fälle sollen sich jedoch in Frankreich während den kommenden 15 Jahren mehren, sollten die Schätzungen der WHO zutreffen. Bei den Frauen wird sich die zahl fast verdoppeln auf 29 Prozent, bei den Männern auch bei 25 Prozent.

Auch die Deutschen werden demnach dicker. Gewichtsprobleme treffen dabei vor allem das männliche Geschlecht. Fast die Hälfte aller Frauen (2030: 47 Prozent; 2010: 44 Prozent) und knapp zwei Drittel der Männer (2010: 62 Prozent; 2030: 65 Prozent) haben den Prognosen der Forscher zufolge im Jahr 2030 Übergewicht. Fast jeder vierte Mann (24 Prozent; 2010: 21 Prozent) und etwas mehr als jede fünfte Frau (21 Prozent; 2010: 15 Prozent) könnten dann fettleibig sein.

Einsame Spitze: Irland

In der Untersuchung verglichen die Forscher Daten zu Übergewicht (Body-Mass-Index ab 25) und Fettleibigkeit (BMI ab 30) von europäischen Männern und Frauen von 2010 mit Schätzungen für 2030. Die Zahlen aus allen 53 Ländern der Europäischen Region präsentierte die WHO anlässlich eines Kongresses zu Übergewicht in Prag.

Besonders dramatisch könnte dies Irland treffen: Hier werden bis 2030 nach Annahmen der Gesundheitsexperten fast alle Erwachsenen übergewichtig sein. Nahezu die Hälfte der Männer (48 Prozent) und mehr als die Hälfte der Frauen (57 Prozent) in dem Land wird sogar fettleibig sein. In Großbritannien trifft dies auf ein Drittel aller Frauen zu.

Auch Griechenland, Spanien, Schweden, Österreich oder Tschechien müssen sich auf viel mehr Übergewichtige einstellen. Im Jahr 2030 könnten doppelt so viele Griechen adipös sein wie noch 2010. Und während 2010 nur 14 Prozent aller schwedischen Männer fettleibig waren, sollen es 2030 mehr als ein Viertel sein. Der Trend zu mehr Pfunden verschont demnach kaum ein Land.

«Ungesundes Essen begrenzen»

«Regierungen müssen mehr tun, um das Marketing für ungesundes Essen zu begrenzen und gesundes Essen erschwinglicher zu machen», forderte Laura Webber vom britischen Gesundheitsforum, das das Projekt gemeinsam mit der WHO in Europa durchgeführt hatte.

Doch nicht nur gesundheitliche Probleme belasten die Betroffenen. Gerade stark fettleibige Menschen (BMI ab 35) sind zudem oft Vorurteilen und Diskriminierung ausgesetzt – etwa doppelt so häufig wie andere Übergewichtige, wie eine Untersuchung von Forschern der Universitätsklinik Leipzig zeigt. Dafür werteten die Autoren mehr als zwei Dutzend internationale Studien aus. «Die Ergebnisse beweisen, dass die Diskriminierung wegen Fettleibigkeit und ihre negativen Folgen höchst relevante Probleme in der Gesellschaft sind», erklärte Hauptautorin Jenny Spahlholz.

In den Daten der WHO steckt aber zumindest auch eine gute Nachricht: In den Niederlanden werden die Menschen den Annahmen zufolge schlanker. Weniger als die Hälfte der Männer dort soll in 15 Jahren noch übergewichtig sein (2010: 54 Prozent), nur noch 8 Prozent adipös (2010: 10 Prozent). Statt 13 Prozent kämpfen 2030 demnach nur noch 9 Prozent der Niederländerinnen mit Fettleibigkeit.

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Jeder vierte Luxemburger ist zu dick