Dienstag27. Januar 2026

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Wie süß ist doch der Märtyrertod

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Eine türkische Kinderzeitschrift verherrlicht den Märtyrertod. Herausgegeben wird sie von Diyanet, der höchsten staatlich-religiösen Institution des Landes.

„Möge Gott unsere Märtyrer segnen, mögen deren Gräber mit heiligem Licht erfüllt sein“, so heißt das Kinderkartoon. Darin reden Eltern mit ihren Kindern über das religiöse Märtyrertum. In einem Bild sagt der Vater zu seinem Sohn: „Wie gut es ist ein Märtyrer zu sein…“ Der Märtyrertod einer Person eröffne die Möglichkeit, sich „das Recht zu erwerben ins Paradies zu kommen“.

Herausgeberin der Kinderzeitschrift in Form des Comics ist die staatlich-religiöse Einrichtung Diyanet, für die Verwaltung religiöser Angelegenheit in der Türkei zuständig. Die Behörde hatte laut Wikipedia-Informationen im Jahr 2015 einen Jahresetat von mehr als einer Millliarde Euro und beschäftigte rund 100.000 Personen. Die Einrichtung ist dem Premierminister unterstellt.

Märtyrerkarriere nicht nur für Jungs

Auch die Mädchen sollen keine Angst davor haben, als Märtyrerin zu sterben. „Wenn du es dir stark genug wünschst, wird dir Allah die Möglichkeit geben.“ Das ist die Antwort einer Mutter auf den Wunsch ihrer Tochter, eine Märtyrerin zu werden.

Für den Propheten zu sterben, soll auch nicht weh tun, heißt es in der Zeitschrift. „Unser Prophet sagt: Ein Märtyrer empfindet den Schmerz des Sterbens so sehr, wie es sich anfühlt, wenn du gekniffen wirst.“ Und weil das Sterben so schön sein soll, meinen die Autoren des Comics: „Ein Märtyrer würde am liebsten auf die Erde zurückkehren und noch zehn weitere Male ein Märtyrer sein, nach der Ehrung und des Ansehens, das sie im Paradies erfahren.“

Der Psychologe und Professor Dr. Serdar Degirmencioglu hat diese letzte Ausgabe des „Kindermagazins“ in der türkischen Zeitung «Evrensel» kritisiert. Es sei schon lange ein Teil der türkischen Regierungspolitik, Kinder an Ansichten des radikalen Islams heranzuführen, so der russische Nachrichtensender RT.

Flirten ist unislamisch

Dyianet ist bereits in der Vergangenheit mit für westliche Verhältnisse recht bizarren Veröffentlichungen aufgefallen. In einer Fatwa, ein islamisches Rechtgutachten, schrieb die Behörde den Verlobten vor, wie sie sich zu verhalten haben. Darüber berichtete «Der Spiegel» im Januar dieses Jahres. So sollten sie in der Öffentlichkeit nicht Händchen halten. Auch dürften sie als Paar nicht allein sein. Unpassend seien des Weiteren flirten, Zusammenleben ohne verheiratet zu sein. Händchenhalten in der Öffentlichkeit sei nicht mit dem Islam vereinbar.

Der Autor des Fatwa-Berichts, Hasnain Kazim, darf nicht mehr als Korrespondent in der Türkei arbeiten. Die türkischen Behörden haben ihm eine Verlängerung seiner Presseakkreditierung verweigert.