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Weltweite Trauer

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Eine Woche will Südafrika um Nelson Mandela trauern und sein erfülltes Leben feiern. Ex-Erzbischof Desmond Tutu bringt die Gefühle auf den Punkt: "Das Land hat seinen Vater verloren."

Die Welt trauert um Nelson Mandela. Staats- und Regierungschefs aller Kontinente würdigten am Freitag das politische Vermächtnis des Freiheitskämpfers und Führers der Anti-Apartheid-Bewegung. Mandela starb am Donnerstagabend im Alter von 95 Jahren nach langer Krankheit in seinem Haus in Johannesburg. Das Land trauert nun eine Woche lang um seinen charismatischen Friedensnobelpreisträger. Die zentrale Trauerfeier findet am Dienstag im größten Fußballstadion des Landes, dem FNB-Stadion von Johannesburg, statt. Dazu werden hochrangige Gäste aus aller Welt erwartet.

Großherzog Henri in Johannesburg

Wie der großherzogliche Hof am Freitagabend mitteilte, wird Großherzog Henri am Dienstag an der nationalen Zeremonie in Erinnerung an Nelson Mandela teilnehmen.

Bereits für diesen Sonntag kündigte Südafrikas Präsident Jacob Zuma einen nationalen Tag der Trauer und des Gebets an. Vom 11. bis 13. Dezember wird der Leichnam Mandelas in der Hauptstadt Pretoria öffentlich aufgebahrt. Beigesetzt werden soll Mandela am 15. Dezember – dem übernächsten Sonntag – in Qunu am Ostkap, wo er aufgewachsen war. «Wir werden eine Woche lang trauern. Und wir werden auch eine Woche lang sein erfülltes Leben feiern», sagte Zuma.

Ganz in Schwarz gekleidet hatte Südafrikas Staatsoberhaupt am späten Abend in einer Sondersendung im Fernsehen sein Land über den Tod des Freiheitskämpfers unterrichtet. «Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren. Unser Volk hat einen Vater verloren», sagte Zuma mit bedrückter Stimme. Dies sei ein Moment «tiefster Trauer» für alle Südafrikaner. «Nelson Mandela brachte uns zusammen, und zusammen nehmen wir Abschied von ihm.»

Spontane Gedenkfeiern

Mandela sei gegen 20.50 Uhr Ortszeit (19.50 Uhr MEZ) gestorben, sagte Zuma. Vor seinem Haus im Johannesburger Vorort Houghton legten viele Trauernde Blumen nieder. Schon in der Nacht versammelten sich Hunderte Menschen zu einer spontanen Gedenkfeier. Viele tanzten und sangen, einige hielten Bilder des «Vaters der Nation» in den Händen oder schwenkten die südafrikanische Fahne. Andere zündeten Kerzen an.

Der Leichnam Mandelas wurde am frühen Freitagmorgen in das Militärkrankenhaus von Pretoria gebracht. Im ganzen Land wehten die Fahnen auf halbmast, alle Radio- und Fernsehstationen brachten fast nur Berichte über den verstorbenen Friedensstifter. Viele Menschen kamen mit einem schwarzen Trauerflor zur Arbeit.

Mit seinem Kampf gegen das rassistische Apartheidsystem hatte Mandela sich weltweit größtes Ansehen erworben. 27 Jahre lang saß er für seine Überzeugungen in Haft, ehe er 1994 erster Präsident des demokratischen Südafrikas wurde. Mandela war es, der den Weg zur Aussöhnung von Schwarzen und Weißen in seinem Heimatland ebnete.

Die Welt erinnert sich

Weltweit erinnerten Politiker an sein Wirken voller Mut und Kraft zur Versöhnung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete Mandela als «Giganten für die Gerechtigkeit». Der UN-Sicherheitsrat ehrte den Verstorbenen mit einer Schweigeminute.

«Er hat mehr geschaffen, als man von einem Menschen erwarten kann», sagte US-Präsident Barack Obama in Washington. Frankreichs Präsident François Hollande erklärte, Mandela habe «Geschichte geschrieben für Südafrika und für die Welt». Der russische Präsident Wladimir Putin würdigte Mandela als «einen der herausragendsten Politiker» der Zeitgeschichte. Großbritanniens Premierminister David Cameron nannte Mandela einen «Helden unserer Zeit».

Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck sagte im Schloss Bellevue: «Unsere Welt hat eine Jahrhundertgestalt verloren.» Papst Franziskus würdigte Mandela als Inspirationsquelle für alle Generationen. «Ich zolle meine Anerkennung für das unerschütterliche Engagement», schrieb er in einem Telegramm an Präsident Zuma.

Der neue luxemburgische Premierminister Xavier Bettel richtete dem südafrikanischen Präsident, Jacob Zuma, sowie der Familie des verstorbenen Nelson Mandela sein tiefes Beileid aus: «Wir werden Mandela als einen außergewöhnlichen Staatsmann unserer Epoche in Erinnerung behalten, der die Geschichte seines Landes und darüber hinaus zeichnete.»

Auch der ehemalige Premier Jean-Claude Juncker zeigte sich am Freitag «tief traurig»: «Es war ein einzigartiges Privileg und eine dauerhafte Inspiration, den Gandhi Afrikas mehrere Male getroffen zu haben.»

Flaggen auf halbmast

Zum Zeichen der Trauer wurden vielerorts die Flaggen auf halbmast gesetzt. In den USA veranlasste Präsident Obama Trauerbeflaggung auf allen öffentlichen Gebäuden. Auch die EU-Kommission in Brüssel ließ die 28 Europaflaggen vor dem Hauptgebäude auf halbmast setzen, das passiert ausgesprochen selten.

Behördenchef José Manuel Barroso und EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy nannten Mandela einen der größten zeitgenössischen Politiker. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen würdigte ihn als «Mann des Friedens und eine wahrlich inspirierende Persönlichkeit». Die Afrikanische Union (AU) erklärte, Mandela sei «Symbol im Kampf gegen Apartheid, Unterdrückung und Kolonialismus und für Selbstbestimmung, Frieden und Versöhnung» gewesen.

Auch mehrere Friedensnobelpreisträger würdigten Mandelas Lebenswerk, darunter der frühere Sowjetpräsident Michail Gorbatschow und Südafrikas Ex-Präsident Frederik de Klerk. Er war 1993 gemeinsam mit Mandela ausgezeichnet worden. Am Tag der Trauerfeier, dem 10. Dezember, wird in Oslo der diesjährige Friedensnobelpreis vergeben.

Der ehemalige Erzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu, pries bei einem Gedenkgottesdienst in der Küstenstadt seinen ehemaligen Weggefährten im Kampf gegen das Apartheidsystem. «Das Land hat seinen Vater verloren», sagte Tutu. Die einstige Freiheitsbewegung und heutige Regierungspartei ANC rief die Südafrikaner auf, nicht zu verzweifeln. «Er lebt in jedem von Euch und in Euren Häusern weiter, weil er sein Leben an uns alle gegeben hat.»

Mandelas Gesundheitszustand war seit langem Anlass für große Sorge. Über Monate hieß es, er sei «in stabilem, aber kritischem Zustand». Im Sommer war er wegen einer schweren Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt worden. Vor drei Wochen hatte Mandelas Ex-Frau Winnie Madikizela-Mandela berichtet, der 95-Jährige könne nicht mehr sprechen. «Er kommuniziert über sein Gesicht», sagte sie. Seine letzten Wochen verbrachte Mandela im Kreis seiner Familie.