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Schmerzpatienten werden abgewiesen

Schmerzpatienten werden abgewiesen

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Die Nachfrage in Luxemburg nach Therapien bei chronischen Schmerzen ist groß. Dennoch stellt die Zitha-Klinik zum Jahresende ihr Behandlungsangebot ein.

Ende April teilte die Zitha-Klinik den Ärzten im Land per Brief mit, dass die Behandlung chronischer Schmerzen in der Schmerzklinik eingestellt werden muss. „Der korrekte und kohärente Betrieb“ könne nicht mehr gewährleistet werden. Ursache sei „eine inakzeptable Verschlechterung der Arbeitsbedingungen“, ausgelöst durch „fehlende Mittel“. Alle nach dem 1. Januar an die Schmerzklinik in der Zitha überwiesenen Patienten müssen sich neue Therapieangebote suchen.

Chronische Schmerzen sind weit verbreitet, wie ausländische Studien zeigen. Laut der deutschen Schmerzgesellschaft sind bei unseren Nachbarn zehn Mal mehr Menschen davon betroffen als von Krebs. Für Luxemburg fehlen solche Statistiken. Basierend auf ausländischen Erhebungen ist davon auszugehen, dass 20 Prozent der Bevölkerung chronische Schmerzen empfinden. Zwischen 3.500 und 6.000 Personen würden eine Behandlung in einer Schmerzklinik benötigen. Die Wartezeiten für einen Termin betragen drei bis acht Monate.

Personalmangel

Dr. Jérôme Giwer, Arzt in der Zitha-Schmerzklinik und Anästhesist, erklärte dem Tageblatt, das Team – bestehend aus zwei Anästhesisten, einem Psychiater, zwei Krankenschwestern und einer Apothekerin – sei an personelle Grenzen gestoßen. Darunter hätte die Behandlungsqualität gelitten. „Im Gegensatz zu anderen Einrichtungen hat unser Projekt nie von einer externen Unterstützung profitiert, weder von der CNS noch vom Gesundheitsministerium“, schreibt der Arzt in dem Brief an seine Berufskollegen. Einzig der persönliche Einsatz des Personals sowie die Zusammenarbeit mit dem Rehazentrum hätten die Schmerzklinik seit 2005 am Leben gehalten.

Die Pfleger und die Ärzte wurden für die Schmerzbehandlung tageweise freigestellt. Mit den wachsenden Patientenzahlen verschlimmerte sich der Personalmangel.Dazu kamen im vergangenen Jahr 4.000 Anrufe, für deren Entgegennahme kein Sekretariat zur Verfügung steht. Die Kosten für Personal und Räumlichkeiten habe die Zitha-Klinik getragen. Die Budgetanfrage für eine Aufstockung des Personals in den Jahren 2013/2014 wurde von der CNS abgelehnt, beklagt Giwer.

Genau das Gegenteil schrieb Gesundheitsminister Mars di Bartolomeo im Juni in einer Antwort auf eine parlamentarische Frage: „Wenn ein Krankenhaus mehr Personal in seinem Budget für eine ‚Clinique de la douleur‘ gefragt hat, wurde dieses bewilligt.“

Vom Tageblatt auf diesen Widerspruch angesprochen, ergänzt der Minister seine Aussage. Ein Budget für mehr Personal in den Schmerzkliniken werde bewilligt, „wenn die Kliniken dafür gegenüber anderen Forderungen Priorität einräumen“. Die Einstellung der Aktivitäten bedauert Di Bartolomeo. „Ich habe versucht, die Zitha zu motivieren, die Schmerzklinik offen zu halten.“

Die Patienten erleben eine weitere Überraschung. Anfang Juli teilten die Zitha-Klinik und die Universität Luxemburg mit, dass „Forscher gegen Unkostenbegleichung Zugang zum Magnetresonanz-Tomografen der Klinik erhalten“. Ziel der Forschung sei, die Schmerzverarbeitung im Gehirn zu untersuchen. Später wäre es möglich, die Studien auf Personen mit chronischen Schmerzen auszuweiten. „Ich verstehe die Logik nicht, die Forscher forschen zu lassen und die Behandlung der Patienten einzustellen“, sagt Denise Bucciarelli, Präsidentin der „Association luxembourgeoise des patients à douleurs chroniques“ (Alpadoc).

Giwer aus der Zitha-Klinik begrüßt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit den Forschern. „Ich würde mir im Sinne einer adäquaten Betreuung der Patienten wünschen, dass sich die Entscheidungsträger aus dem Gesundheitswesen und aus dem wissenschaftlichen Bereich der dringenden medizinischen und sozialen Relevanz dieses Themas bewusst werden“, fügt er hinzu.

„Wenig Konkretes“

Derzeit komme in Luxemburg auf zehn Forscher ein Schmerzmediziner in Vollzeit, wobei mindestens Bedarf für deren fünf bestehe. Alle Schmerzärzte im Großherzogtum arbeiten Teilzeit. Die meisten sind, wie Giwer, in einer anderen Funktion tätig.

Neben den Behandlungsangeboten im CHL und im „Centre hospitalier du Nord“ bleibt das Ausland die einzige Alternative. Aus diesem Grund hat der „Cercle luxembourgeois d’algologie“ Ideen für einen „plan national douleur“ geliefert. „Darin werden Vorschläge für Aus- und Weiterbildung des Personals, Strukturierung und Ausbau von Schmerzeinrichtungen und Rückerstattung von Behandlungskosten genannt“, sagt Giwer. Bucciarelli von Alpadoc sieht in einem disziplinübergreifenden Schmerzzentrum die ideale Lösung. „Diese erlauben stationäre Aufenthalte und mehrstündige Therapieangebote.“ Ein ähnliches Angebot fehle im Land. Bucciarelli hält weiter an der Zitha-Schmerzklinik fest, „da für den Augenblick keine Alternativen zur Verfügung stehen, außer die Patienten nehmen monatelange Wartezeiten in Kauf“. Über 3.000 Unterstützer haben bislang die entsprechende Petition auf der Internetseite von Alpadoc unterschrieben.

Bisher sei auf politischer Ebene im Kampf gegen chronische Schmerzen wenig geschehen. Laut Giwer habe das Gesundheitsministerium immer Verständnis signalisiert, aber Geduld verlangt. „Bis heute warte ich auf Konkretes“, so seine Feststellung.

Der Gesundheitsminister sieht die akute Schmerzbehandlung als „sehr gut abgedeckt“. Ein spezialisierter Dienst mit einem multidisziplinären Team solle in Zukunft chronische Schmerzen behandeln.

„Die nun anstehenden Wahlen könnten weitere Fortschritte verzögern. Die Zukunft der Schmerzbehandlung bleibt ungewiss“, sagt Giwer. Bucciarelli ergänzt: „Standort und Finanzierung des angekündigten Dienstes bleiben ungeklärt. Bis dahin muss ich mich wahrscheinlich im Ausland behandeln lassen.“