Wie mehrere Quellen dem Tageblatt gemeldet haben, gab es am Mittwochabend eine kleinere «Massenpanik» bei der Michelskirche in Luxemburg-Stadt. Rund 18 Minuten dauerte laut Augenzeugen vor Ort die angespannte Lage. Rettungskräfte und Polizei hatten Mühe, an den Ort des Geschehens zu gelangen.
Wie entsteht eine Massenpanik und wie kann sie verhindert werden? Wir haben uns Professor Dirk Helbing von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) unterhalten. Helbing gilt als Experte auf diesem Gebiet. Er untersuchte unter anderem das Loveparade Unglück von Duisburg. Dort starben bei der Veranstaltung 2010 bei einer Massenpanik 21 Menschen. Hunderte wurden verletzt.
Kann eine Massenpanik bei Großveranstaltungen überhaupt vermieden werden?
Massenpaniken entstehen oft aus Engpässen heraus. Etwa wenn nicht genug Platz ist, wenn eine Straße sich verengt. Wenn dann auch noch von hinten geschoben wird, oder wenn große Menschenströme zusammenfließen …
Eigentlich gilt es drei Dinge zu vermeiden: Das sind Engpässe, große Menschenströme, die sich kreuzen, und große Menschenmengen, die in unterschiedliche Richtungen gehen.
Gibt es bei Massenveranstaltungen immer die Gefahr einer Panik?
Das kann man so nicht sagen. Es kommt immer auf die Größe der Menschenmenge und auf die Organisation an. Heute gibt es Computerprogramme, mit denen man Situationen im Vorfeld simulieren kann. Dann können potentielle Problemstellungen identifiziert und mögliche Evakuierungspläne erstellt werden. Auch auf unwahrscheinliche Situationen soll man vorbereitet sein. Zudem sollen die Notfallpläne bereits im Vorfeld einstudiert und geübt werden. Sonst geht im Ernstfall wertvolle Zeit verloren.
Sollten Menschen mit Kindern solche Veranstaltungen meiden?
Veranstaltungen sollten so organisiert sein, dass sie nicht gefährlich sind. Persönlich meide ich große Menschenaufläufe. Aber das muss jeder Mensch für sich selber entscheiden. Ins allergrößte Gedränge sollte man mit Kindern natürlich nicht gehen.
Ist eine Panik überhaupt noch zu bremsen?
Meist gibt es Vorzeichen, ehe eine Situation sich zuspitzt. Dann hat man normalerweise noch einige Minuten Zeit zum Handeln. Das erfordert aber Vorbereitung. Um den Druck in der Menge zu reduzieren ist die beste Lösung, die Fußgängerströme umzuleiten.
Wie entsteht Panik?
Im großen Gedränge entsteht das Gefühlt, die Sicherheit sei bedroht. Oft haben die Menschen das Gefühl, nicht mehr atmen zu können. Die Panik entsteht nicht weil Menschen unvernünftig sind, sondern weil sie in Gefahr sind. Es ist also mehr ein physikalisches als ein psychologisches Problem. Man wird in der Menge hin und her gestoßen – eine Bewegung, die niemand mehr unter Kontrolle hat. Wenn dann noch jemand fällt, wird es gefährlich.
Zu Demaart
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