Cargolux-Piloten mit einem italienischen Vertrag sind bis zu 25 Prozent «billiger» als die Kollegen aus Luxemburg. Sie dürfen zudem bis zu 20 Prozent mehr Flugstunden in der Luft abstottern. Dafür sollen nach den Plänen der Cargolux-Direktion drei Frachtmaschinen nach Italien ausgelagert werden. Für die Gewerkschaften ist dies ein rotes Tuch. Sie sprechen von Sozialdumping und fürchten um den Standort Luxemburg. Unter anderem könnten Arbeitsplätze verloren gehen.
Am Montag wollte eigentlich der Cargolux-Verwaltungsrat eine Entscheidung über die Italien-Frage klären. Die wurde jetzt aber auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Cargolux-Generaldirektor Dirk Reich setzt auf weitere Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Er spricht am Montag dabei von einer Lösung im gegenseitigen Einverständnis. In den kommenden Wochen wollen sich beide Seiten, die Geschäftsführung und der OGBL sowie der LCGB, an einen Tisch setzen und weiterverhandeln.
In einem Gutachten der Gewerkschaften wird unter anderem vor dem Druck durch die Konkurrenz in Italien gewarnt. Zudem sorge die Sozialpolitik der Frachtgesellschaft für Ärger in Mailand. Bei den iatlienischen Crews nehme die Unzufriedenheit über Bezahlung und soziale Leistungen ständig zu, was zu freiwilligen Abgängen führen könne. Bereits jetzt gebe es zahlreiche Hinweise darauf, dass andere Gesellschaften dabei sind, einige der Cargolux Italia Piloten abzuwerben.
Paul Helminger: «Die Lage ist schlimmm»
«Die Lage ist wirklich schlimm“, sagte Paul Helminger, Präsident des Verwaltungsrates der Cargolux. „In diesen Zeiten ist das Überleben als eigenständige Gesellschaft eine wahre Herausforderung“, meinte Finanzchef Richard Forson. Wenn nichts passiert, denn würde die Gesellschaft „verbluten“, so Helminger weiter. Obwohl man bis 2019 zwar mit einem jährlichen operativen Gewinn von rund 80 Millionen Dollar rechne, sei „das nicht genug um die Kosten zu decken.“ Der Gewinn müsste mehr als doppelt so gross sein. Benötigt werden bis zu 100 Millionen Dollar pro Jahr zusätzlich.
Hintergrund sind vor allem die Finanzierungskosten der bereits gekauften und der noch zu kaufenden Flugzeuge. Eine neue 747 kommt im März, eine im September und noch eine dritte im Laufe des Jahres 2017.
Es gebe keine „strategische Vision“ um Cargolux-Italia zu verstärken, unterstrich er mehrmals. Es handle sich hier um nichts anderes als um „ein Mittel um die Kosten zu senken“, so Helminger. Andernfalls sei eine „nachhaltige Entwicklung nicht möglich.“
Zu Demaart
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