Claude Molinaro
Von Metropolisierung spricht man, wenn eine Stadt alle anderen Städte des Landes, was ihrer Größe und Bedeutung betrifft, zunehmend überragt. Die Metropolisierung, die in Luxemburg seit Jahren zu beobachten ist, wird von einem Phänomen der Besiedlung der ländlichen Gebieten in Stadtnähe begleitet. Allerdings, so lautet die Schlussfolgerung einer kürzlich veröffentlichten CEPS-Studie, ist diese Zersiedelung des ländlichen Raums zwar einerseits auf allen Seiten der Grenzen zu Luxemburg festzustellen, ist aber andererseits keineswegs „grenzenlos“. Viele Arbeitnehmer haben zwar die Tendenz, ihren Wohnsitz zu wechseln, um näher am Arbeitsplatz zu sein, allerdings ziehen sie gewöhnlich innerhalb ihrer angestammten Region um.
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Die Konzentration der Arbeitsmöglichkeiten in Luxemburg hat mehrere räumliche Konsequenzen. Erstens dehnt sich der Radius in der Großregion, aus dem verfügbare Arbeitskraft nach Luxemburg kommt, immer weiter aus. In einer ersten Phase müssen neue Arbeitnehmer immer weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen als ihre Vorgänger. Im Durchschnitt hat ein Grenzgänger einen Anfahrtsweg von mehr als 40 Kilometern. In einer zweiten Phase wird versucht, die Distanz zum Arbeitsplatz zu verkleinern.
Anziehungspunktund Barriere
Die Landesgrenzen spielen in diesem Prozess eine doppelte Rolle: Sie sind erstens ein Anziehungspunkt. Die grenznahen Gebiete weisen ein starkes Bevölkerungswachstum auf.
Die Grenze ist aber auch Barriere, denn den Schritt über die Grenze machen sehr wenige Grenzgänger. Grenzüberschreitende Wohnortwechsel bleiben in der Minderheit. Hauptgrund sind die niedrigeren Wohnungspreise in den deutschen, französischen oder belgischen Grenzgebieten.
Zwischen 2005 und 2008 hat von den 260.000 Aktiven, die in den beiden Jahren hierzulande arbeiteten, etwa jeder Fünfte seinen Wohnsitz gewechselt.
Auch wenn diese Mobilität im Grunde nicht an Grenzen gebunden ist, so hat man bei den Betroffenen doch eine starke Präferenz für ihre Ursprungsregion festgestellt. So sind z.B. von den 11.000 Lothringern, die ihren Wohnsitz wechselten, 90 Prozent auch in Lothringen geblieben. Die Prozentsätze ähneln sich, was Rheinland-Pfalz, das Saarland (je 83 Prozent) und Wallonien (70 Prozent) betrifft. Diese Verbundenheit zum Ursprungsland sieht man auch bei den Luxemburgern, die zu 88 Prozent innerhalb des Landes umziehen.
Bei den Zahlen über den Wohnsitzwechsel gibt es jedoch eine große Ausnahme: Von den Arbeitnehmern aus den EU-Staaten, die nicht an Luxemburg grenzen, wählt jeder Zweite seinen Wohnsitz im Großherzogtum.
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