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Walzwerk Differdingen gedenkt der Streikopfer

Walzwerk Differdingen gedenkt der Streikopfer
(Sdidier)

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Am 2. September 1942 erreichte der Generalstreik das Walzwerk in Differdingen. Sechs Arbeiter wurden als Reaktion auf den Streik in Hinzert hingerichtet.

Vor dem zweiten Weltkrieg war die Hadir der zweitgrößte Stahlkonzern in Europa und besaß Erzgruben in Luxemburg, Lothringen, in Belgien und im deutschen Reich. Auch Kohlegruben waren im Besitz des Unternehmens, dies vor allem im deutschen Reich. Im Großherzogtum besaß der Konzern neben Erzgruben auch Hochöfen, Stahlwerke und Maschinenfabriken. 20 Prozent der arbeitenden Bevölkerung des kleinen Landes verdiente ihren Lohn bei der Stahlindustrie.

Durch die Okkupation fielen die schwerindustriellen Betriebe in deutsche Hand, an deren rüstungswirtschaftlicher Bedeutung kein Zweifel bestand. Für die Kriegswirtschaft des Reiches war die Stahlindustrie unentbehrlich. «Wer die Stahlindustrie hat, hat Luxemburg», so der Chef der Zivilverwaltung. Er hatte sein Auge auf das Filetstück der Luxemburger wirtschaftlichen Beute geworfen.

Umso schwerwiegender war es, als im damaligen HADIR und heutigen ArcelorMittal-Werk Differdingen am 2. September die Arbeiter aus Protest gegen die Einführung der Wehrpflicht ihre Arbeit niederlegten. «Der zweite September ist ein besonderer Tag», so Carlo Koepp, der heutige Direktor des ArcelorMittal-Werks in Differdingen in seiner Rede nach der Kranzniederlegung. «Diese paar Tage vor 74 Jahren haben auch dazu beigetragen, dass wir heute ein freies Leben führen können.»

«Extreme Zivilcourage»

Auch wenn der Direktor die Geschehnisse im September 1942 nicht live miterlebt hatte, prägten diese seine Laufbahn im Werk. «Jahrelang bin ich jeden Tag am Monument vorbeigegangen», so Koepp. Dieses solle die Passanten daran erinnern, dass «junge Kerle sterben mussten.» Was er auch so besonders an den jährlichen Feierlichkeiten vom 2. September fand, ist dass dies ein Moment ist, an dem «nicht an die Produktion gedacht wird.»

Bewundernswert fand er, dass trotz zwei Jahren Gestapoterrors und Unterdrückung die Arbeiter sich getraut hätten dem Besatzer zu zeigen, dass «sie nicht einverstanden waren.» In den frühen Morgenstunden des 2. Septembers 1942 seien die Leute nicht zur Arbeit erschienen. «Das Walzwerk stand still, die deutsche Direktion war in Panik geraten.» Streiks seien in Nazideutschland nicht möglich gewesen.

Um acht Uhr sei das Werk dann wieder langsam angelaufen. Die Reaktion des Besatzers ließ nicht lange auf sich warten. «Sechs Leute wurden willkürlich herausgesucht, mitgenommen und standrechtlich zum Tod verurteilt», so der Direktor. Solche Momente hätten schiere Angst verbreitet, Emotionen, die er heute noch spürt, wenn er vor der Gedenkplatte steht.

«Die Jugend von heute soll wissen, was sich damals zugetragen hat,» so Koepp. Die extreme Zivilcourage hätten die sechs Stahlarbeiter mit ihrem Leben bezahlt. «Es ist auch diesem Einsatz zu verdanken, dass wir heute in einem freien Europa leben.»