Immer wieder hört man in Luxemburg, dass manche Menschen unzufrieden sind mit der sprachlichen Situation. Das Französische habe eine zu starke Präsenz, das Luxemburgische sterbe gar aus und deshalb müsse man auch viel mehr von den Menschen fordern, die Sprache zu lernen.
Die Studie der UNESCO zu den gefährdeten Sprachen aus dem Jahr 2010 scheint dies auf den ersten Blick noch zu bestätigen und wird allzu gerne als Argument genutzt, um die Behauptung, die luxemburgische Sprache sterbe aus, zu untermauern. Hier wird Luxemburgisch nämlich, zusammen mit vielen andern, als «gefährdete Sprache» bezeichnet. In der Oberkategorie der gefährdeten Sprachen finden sich aber einige Subkategorien, von «anfällig» bis «ausgestorben». Das Luxemburgische findet sich tatsächlich unter „anfällig“ und ist somit laut UNESCO nicht so stark gefährdet, wie dies manchmal angenommen wird.
Das Luxemburgische bleibt dominante Sprache
Hinzu kommt, dass die Faktoren, die die UNESCO zur Analyse der Sprachsituation nutzt, nur bedingt auf die spezifische Situation Luxemburgs anwendbar sind . Die UNESCO geht davon aus, dass in Luxemburg etwa 390.000 Menschen des Luxemburgischen mächtig sind. Zusammen mit den Grenzgängern sind es insgesamt etwa 500.000.
Tatsächlich dürfte das Luxemburgische auch bei den meisten Kriterien, die die UNESCO analysiert, recht gut abschneiden. So wird das Luxemburgische etwa gerade in vielen der neuen Medien viel genutzt und selbst die schriftliche Kommunikation unter Privatpersonen verläuft oft in der Landessprache. Auch nimmt die Anzahl der Sprecher stetig zu, und das obwohl es zugleich immer weniger Muttersprachler gibt. Auch hat es die Sprache mittlerweile in den öffentlichen Diskurs geschafft.
UNESCO berücksichtigt Mehrsprachigkeit unzureichend
Die Einstufung des Luxemburgischen als „anfällig“ beruht u.a. darauf, dass die in Luxemburg traditionell verankerte Mehrsprachigkeit nicht berücksichtigt wurde: Das Luxemburgische ist nämlich keine administrative Sprache und wird in den traditionellen Printmedien und allgemein in öffentlicher Schriftsprache selten genutzt. Aber auch die absolute Zahl der Sprecher ist gering, was für die UNESCO ebenso ein Kriterium ist, wie die Tatsache, dass nur eine große Mehrheit der Bevölkerung die Sprache beherrscht und nicht die gesamte.
Diese Mehrsprachigkeit und die Aufteilung der Sprachen auf mehrere Domänen war aber immer schon Teil der luxemburgischen Sprachkultur – früher sogar mehr als heute, als auch der öffentliche und offizielle gesprochene Diskurs eher auf Französisch als auf Luxemburgisch gehalten wurde. Auch die Ausarbeitung und Verbreitung von Orthographie und Grammatik sind in den letzten Jahren massiv vorangeschritten, sodass es immer strittiger wird, ob die Einstufung des Luxemburgischen als tendenziell gefährdete Sprache überhaupt noch der aktuellen Lage entspricht.
Auch wenn die Wenigsten richtig Luxemburgisch schreiben können, so nimmt die Präsenz der Sprache v.a. im alltäglichen Sprachgebrauch, sowohl schriftlich, wie mündlich, tendenziell zu. Dies ist v.a. auch den neuen Medien, also sozialen Netzwerken, SMS, E-Mail, Blogs, usw., zu verdanken, die das geschriebene Luxemburgische, wenn auch mit grammatischen und orthographischen Fehlern, erstmals überhaupt in den Alltag der meisten Menschen brachten.
Aktuell beherrschen etwa 78% der erwachsenen luxemburgischen Bevölkerung, 98% der luxemburgischen Staatsbürger und 54% der Nicht-Luxemburger, das Luxemburgische.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können