In den letzten Jahren hat die Regierung, allen voran die sozialistische Bildungsministerin Mady Delvaux-Stehres, ambitionierte, aber mindestens genauso kontroverse Bildungsreformen ausgearbeitet. Es wurde viel Kritik an den Reformen laut und so wurden einige Reformvorschläge wieder zurückgenommen oder verwässert. Umgesetzt wurde bisher nur die Grundschulreform. Nun steht die Reform des Sekundarunterrichts an. Einigen geht die Reform einfach zu weit, anderen wiederum nicht weit genug. Die Parteien haben alle eigene Vorstellungen, was die künftige bildungspolitische Orientierung Luxemburgs angeht.

Langfristig will «déi Lénk» auf die Einführung der Gesamtschule hinaus, kurzfristig soll aber auch Schülern kostenlose Nachhilfe angeboten werden, sofern sie diese benötigen. Die Finanzierung der öffentlichen Schulen soll weiter ausgebaut werden, ebenso wie Ganztagsschulen und öffentliche Schulinternate. Besonders in der Früherziehung soll der Gebrauch des Luxemburgischen als gemeinsame Sprache gefördert und in der Grundschule verständliche beschreibende Bewertungsmethoden eingeführt werden. Die Technikerklassen sollen aufgewertet werden und deren Schüler wieder die Möglichkeit erhalten, nach ihrem Abschluss zu studieren. Die Linkspartei setzt sich auch ein für politische Grundlagenbildung im gesamten Secondaire und stellt sich klar gegen eine mögliche Einführung der Konkurrenz unter Schulen.

Die ADR lehnt die derzeitige Bildungsreform ab. Stattdessen fordert sie eine Rückkehr zum Punktesystem und die Einführung der „Schulautonomie“, damit Schulen untereinander künftig konkurrieren sollen. Dies wollen sie mit Hilfe eines Gutscheinsystems erreichen, mit dem sowohl private wie öffentliche Schulen finanziert werden sollen. Grundschulen werden zusammengelegt und mit einem Direktor versehen und in jeder Klasse soll es einen Mindestanteil an Luxemburgisch sprechenden Kindern geben. Für Quereinsteiger soll es dann „classes d’accueil“ geben. Das Prinzip des Kompensierens soll komplett abgeschafft werden, dafür soll Luxemburgisch als Pflichtfach eingeführt werden und der Religionsunterricht erhalten bleiben. Die Aufteilung der Sekundarschulen in „Classique“ und „Technique“ soll ebenso bestehen bleiben wie die Sektionen – trotzdem soll ein Modulsystem eingeführt werden.

Die KPL will das Bildungsbudget um 30% erhöhen und ein Verbot der „Schulautonomie“. Sie will Container abschaffen und kostenlose Coupons für Schulmaterial sowie ein kostenloses Frühstück an Grundschulen einführen. Außerdem fordert sie die Beschränkung von Klassen auf maximal 15 Schüler in der Grundschule und maximal 20 im Secondaire. Religionsunterricht soll ersetzt werden durch naturwissenschaftliche Schwerpunkte. Des Weiteren soll die Gesamtschule eingeführt werden.

In der Bildungspolitik will die Demokratische Partei eine weitreichende Schulautonomie einführen. In diesem Rahmen sollen die einzelnen Schulen selbst über Inhalte und Methoden entscheiden. Der Staat soll nur noch faire Zugangschancen garantieren. Schüler sollen selbst ihre Fächer wählen und Schwerpunkte setzen können. Die DP spricht sich auf für eine zweisprachige Alphabetisierung und die Wahlmöglichkeit der Unterrichtssprache aus. In der Grundschule soll das Amt des Schuldirektors eingeführt werden und ein Eignungspraktikum soll Voraussetzung für die Lehrerausbildung werden.

Die Piraten wollen „Classique“ und „Technique“ zusammenlegen und durch ein moduläres System ersetzen. Schulen, die sich am gleichen Standort befinden, sollen zusammengelegt werden und Schulbücher unter freier Lizenz laufen. Sie wollen außerdem, dass das Lehrpersonal auch außerhalb des Unterrichts noch in der Schule verfügbar ist. Luxemburgisch soll als Integrationssprache gefördert werden, Religion durch einen einheitlichen Werteunterricht ersetzt, Sexualkunde und Medienkompetenz als Fächer eingeführt werden und W-LAN an allen Schulen verfügbar sein.

Déi Gréng wollen kostenlose Ganztagskinderbetreuung anbieten, den Religionsunterricht durch einen allgemeinen Werteunterricht ersetzen, Kinder mit Förderbedarf in die Schulen integrieren und diese barrierefrei gestalten. Außerdem soll es eine Mindest- und eine Maximalgröße für Schulen geben und öffentliche Ganztagsschulen sollen flächendeckend angeboten werden. Langfristig soll die Gesamtschule eingeführt werden und politische Bildung, Informatik und Medienkompetenz sollen Einzug erhalten in den Schulbetrieb.

Die LSAP setzt sich in ihrem Wahlprogramm für die Schaffung von Ganztagsschulen ein und will die Möglichkeit der französischen Alphabetisierung einführen. Sie will auch Elternvertreter in den Grundschulbetrieb einbinden und einen einheitlichen Werteunterricht einführen. Die bisherige Bildungsreform soll weiter vorangeführt werden und in den oberen Klassen soll Fach- und Allgemeinbildung besser kombiniert werden. Weiter will sie Subventionen für Privatschulen an soziale Kriterien binden und die Inklusion von Kindern mit Behinderung in Schulen vorantreiben.

Die CSV bekennt sich zur aktuellen Bildungsreform und will diese weiterführen. Außerdem sollen Direktoren auch in Grundschulen eingeführt werden und das Angebot an Ganztagsschulen ausgebaut werden. Die EDIFF soll gestärkt werden, um Schülern mit speziellen Bedürfnissen besser helfen zu können. Weiter sollen auch Privat- und internationale Schulen mehr Unterstützung erfahren. Die Kompetenzbewertung soll einfacher und verständlicher gestaltet werden.

Die PID findet, Schüler sollen wählen dürfen zwischen Religions- und Ethikunterricht. Außerdem soll die Diversität der Schulen garantiert werden und vielseitige Lehrmethoden angewandt werden.
Zu Demaart
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