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«Hierarchische Probleme» bei den Ermittlern

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Heute dürfte das Gericht die Analyse der Bombenattentate von 1984 bis 1986 beendet. Am Zeugenstand steht noch immer Carlo Klein, Ermittler der Kriminalpolizei.

Fortsetzung des Bommeleeër-Prozesses am Bezirksgericht Luxemburg. Am Dienstag hatte insbesondere ein Phantombild die Verteidigung interessiert, das nach dem Anschlag auf das Gerichtgebäude in Luxemburg erstellt worden war.

Der Abgebildete ähnele doch sehr dem Gründer der Spezialeinheit der Gendarmerie Ben Geiben, hatte Me Gaston Vogel gesagt. Man sollte die Zeichnung mit Fotos des Betroffenen aus jener Zeit vergleichen. Was am Mittwoch geschieht. Ermittler Carlo Klein, der erneut im Zeugenstand ist, sagt, dass eine gewisse Ähnlichkeit mit Geiben vorhanden sei. Geiben soll in den kommenden Wochen als Zeuge gehört werden.

Schwere Vorwürfe gegen den Ermittler

Die Verhandlung begann am Mittwoch mit schweren Vorwürfen der Strafverteidiger gegen Ermittler Carlo Klein. Er habe seine Arbeit nicht ordnungsgemäß durchgeführt, wird ihm vorgeworfen. Vor den Augen einer Zeugin hätten Ermittler wichtige Fußspuren zerstört, sagte Me Gaston Vogel. Richterin Sylvie Conter und Staatsanwalt Georges Oswald wollen die Zeugin hören.

Im Visier des Gerichts stehen am Mittwoch die restlichen Anschläge. So jener auf einen Strommast am 30. November 1985 in Heisdorf. Der Cegedel-Mast war vollständig zerstört worden. Die Täter wollten wohl den Stromzufuhr für Kirchberg unterbrechen. Dort sollte wenig später ein EG-Gipfel stattfinden.

Zeugen beobachteten den Vorfall

Auch beim Anschlag von Heisdorf beobachteten Zeugen den Vorfall. Ein Person sah einen Mann aus dem Wald laufen, eine Frau soll ein belgisches Auto gesehen haben. Ein weiterer Zeuge will drei Männer in Arbeitsanzügen auf einem Feldweg gesehen haben.

Beim Anschlag beim Konferenzzentrum auf Kirchberg, am 2. Dezember 1985, explodierte nur ein kleiner Sprengsatz. Er soll aus einem Auto geworfen worden sein, heißt es. Wenige Tage später wurde ein Mann festgenommen, welcher mehrere Kilogramm Dynamit in seinem Haus gelagert hatte. Gab es eine Verbindung, will die Verteidigung wissen?

Auto flog vier Meter durch die Luft

Am 16. Februar ging die Anschlagsserie weiter. Im Visier der Attentäter befand sich dieses Mal das Haus von Notar Camille Hellinckx. Eine starke Detonation schleuderte das Auto der Tochter des Notars vier Meter durch die Luft. Der Schaden am Haus ist enorm. Fast zwanzig andere Gebäude wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Es gab zwar keine Zeugen, jedoch ging bei der Polizei ein Brief der mutmaßlichen Attentäter ein. «Go on losing», heißt es unter anderem in dem Schreiben.

Schließlich explodierte am 25. März 1986 die letzte Bombe, vor dem Haus des Ex-Gendarmerie Colonels Jean-Pierre Wagner in Luxemburg-Belair. Auch hier ist der Schaden groß. Nach diesem Anschlag kontrollierte die Polizei die Post. Sie erhofften sich damit Hinweise auf die Täter zu erhalten, fanden aber nichts.

Objekte gaben keinen Aufschluss

Danach widmete sich das Gericht den bei den Attentaten genutzten Objekten. Aber auch die Analyse der Erpresserbriefe ergab kein Resultat. Man fand zwar Fingerabdrücke, aber nicht die dazugehörige Person, so der Ermittler im Zeugenstand. Auch die am Tatort gefundenen Stiefel, die Taschenlampen, die Quecksilberschalter, die Sprengkabel, die Benzin-Kanister lieferten keine Spur zu den Tätern.

Die Ermittlungen führten zu keinem Resultat unter anderem, weil die Gendarmerie und die Polizei mehr gegeneinander, als miteinander arbeiteten. Kommuniziert wurde damals nur über das Haustelefon. Die Hauptermittlungen wurden von der Gendarmerie druchgeführt. 16 Beamte ermittelten zwischen 1984 und 1988. In einer zweitn Phase beschäftigten sich zwei Sonderkommissionen mit dem Fall. Unter den Ermittlern war auch der angeklagte Joseph Wilmes. Die Brigade Mobile wurde jedoch schnell wieder aus den Ermittlungen ausgeschlossen.

Gaston Vogel zitierte aus einem Bericht eines Beamten. Dort geht von «Verschleierung», «Telefon-Abhöraktionen» und dem Verschwinden von Gendarmerie-Offizieren tagsüber die Rede. Auch kritisierte er den Mangel an Zusammenarbeit zwischen den Ermittlern und den Untersuchungsrichtern. Ermittler Klein konnte diese Aussagen nicht bestätigen. Er spricht von «prekären» Situationen bei einigen Kollegen. Die Bommeleeër sollen Insider-Wissen über die Ermittler gehabt haben. Auch berichtete der Zeuge von «hierarchischen Problemen» innerhalb der Ermittlergruppe.