Montag12. Januar 2026

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Henckes verlässt adr

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Jacques-Yves Henckes hat die adr verlassen. Er wird als Unabhängiger im Parlament bleiben. Als Grund gibt er tiefgreifende Meinungsunterschiede mit Präsident Fernand Kartheiser an. Dieser bedauert den Austritt.

Da blieben nur noch drei. Jacques-Yves Henckes, langjähriger adr-Abgeordneter, verlässt die Partei. Der Parlamentarier bestätigte uns am Freitag die von einigen Medien verbreitete Meldung. Als Grund nennt Henckes Meinungsverschiedenheiten mit dem Parteipräsidenten Fernand Kartheiser vor allem in gesellschaftspolitischen Fragen. So sprach sich Henckes bei der rezenten Abstimmung für die Reform des Abtreibungsgesetzes aus. Die anderen adr-Abgeordneten hatten dagegen gestimmt.

Er bedauere die Entscheidung von Henckes, sagte uns Fernand Kartheiser am Freitagnachmittag. Es bestätigte, dass es Meinungsunterschiede zwischen der Partei und Henckes gebe. Aber die habe es auch zuvor schon gegeben. Die adr handele entsprechend dem Wahlprogramm, das vor den Wahlen von allen Kandidaten angenommen worden war, auch von Henckes.

Euroskeptiker

Unterschiedliche Ansichten habe man auch bezüglich der Homo-Ehe und zur Ausländerpolitik, so Henckes. Während er eher pro-EU sei, sei der adr-Präsident Euroskeptiker. In der Öffentlichkeit gebe er sich diplomatisch moderat, in Privatgesprächen rede er jedoch Klartext insbesondre in Sachen Abtreibung, wirft Henckes Kartheiser vor. Hier entpuppe dieser sich als strikter Abtreibungsgegner. Dabei war die Grundhaltung der adr, dass man es beim aktuellen (dem alten) Gesetz hätte belassen müsen. Die politischen Handlungen des Präsidenten würden oftmals dem adr-Programm widersprechen, so Henckes weiter. Unterschiedliche Meinungen habe man auch bei der Reform des Nationalitätengesetzes. Für ihn, Henckes, kämen lediglich technische Anpassungen in Frage. Für seinen bisherigen Präsidenten käme das aktuelle Gesetz jedoch schon einem Verrat an der Nationalität gleich, sagt Henckes.

Kartheiser streitet gegenüber Tageblatt.lu nicht ab, dass er privat konsevativ und katholisch sei, das habe aber nichts mit der Partei zu tun. Dass die adr gegen die Homo-Ehe sei, sei seit langem bekannt gewesen. Die adr hatte sich seinerzeit auch gegen die Gleichstellung von Lebenspartnerschaften mit der verheirateten Paare ausgesprochen. Und das sei lange vor seiner Zeit gewesen, so Kartheiser. Als Parteipräsident müsse er für die Einhaltung des Parteiprogramms sorgen, so Kartheiser. Henckes habe seit längerem schon Probleme mit dem Parteiprogramm gehabt. Seine Meinung sei jedoch zu keinem Zeitpunkt in der Partei mehrheitsfähig gewesen.

Als Sozialliberaler in katholischer Sekte

Er fühlte sich als eine andere Partei in einer kleinen Partei, beklagt sich Dissident Henckes. Das Problem bei der adr sei das Fehlen eines Vermittlers, da die Gegenseite den Parteivorsitz habe. Wäre Gast Gibéryen Parteipräsident, hätte er diese Vermittlerrollen zwischen den parteiinternen Fraktionen übernehmen können. Er habe jedenfalls keine Lust mehr als Sozialliberaler in einer Partei zu sein, die ihn mit ihrem aktuellen Präsidenten eher an eine katholische Sekte erinnert.

Eine Rückkehr in den Schoss der adr schliesst Henckes indes nicht aus. Vorausgesetzt der Präsident wird ausgewechselt. Gegen eine Zusammenarbeit mit Henckes hat die adr nichts einzuwenden, betont seinerseits Kartheiser. Als Mitglied der technischen Fraktion habe Henckes längere Redezeit, betont der adr-Präsident.