Donnerstag29. Januar 2026

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«Explosion» in den Ex-Arcelor-Gebäuden

«Explosion» in den Ex-Arcelor-Gebäuden
(Tania Feller)

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Ein gespenstischer Anblick bot sich den ersten Helfern. Rauch steigt aus zerbrochenen Fensterscheiben, Verletzte liegen vor den Gebäuden.

Alle zwei Jahre findet irgendwo im Großherzogtum eine realitätsnahe Rettungsübung im großen Stil statt. Der „Plan nombreuses victimes“ sollte seine Effizienz beweisen. Eine minutiöse, langfristige Planung nahm die Organisatoren schon Monate vor der Übung in Anspruch. Zentrumschef Roby Goergen hatte mit seiner Mannschaft alle Einzelheiten geplant. Galt es doch, erstens einen glaubhaften Auslöser der Katastrophe zu finden, und dann ihre Auswirkungen und Verletzungen für die mehr als 50 Statisten festzulegen.

Ein geeigneter Ort war schnell gefunden. Die ehemaligen Fabrikhallen der Arcelor boten sich an. Viel Feuer und Rauch – Türen zum Aufbrechen und Fenster, die zerschlagen werden mussten, sind auf dem ehemaligen Fabrikgelände Massenware. Der Großalarm wurde um 15 Uhr ausgelöst und schon einige Minuten später trafen Einsatzwagen der lokalen Helfertruppen ein, um sich ein erstes Bild vom Ausmaß der Katastrophe zu machen und die nötigen Helfer zu alarmieren.

Verstärkung

Beim Anblick der zahlreichen Verletzten wurde schnell klar, dass diese Leute nicht allein von den lokalen Rettungskräften versorgt werden konnten, also wurden die benachbarten Zentren aus Kayl, Bettemburg, Remich/Schengen, die Berufsfeuerwehr aus Luxemburg, die Hundestaffel des 112 und des Roten Kreuzes um Hilfe gebeten.

Nach und nach trafen die Einsatzkräfte ein, drangen mit schwerem Atemschutz in die beschädigten Gebäude ein, um die Opfer aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Drehleitern wurden eingesetzt, um die entstehenden Brände zu löschen. Große Zelte wurden von der Berufsfeuerwehr in wenigen Minuten aufgebaut, um als Einsatzzentrum zu dienen.

Tragbahren standen Spalier und warteten auf ihren Einsatz. Dann wurden auch schon die ersten Schwerverletzten geborgen. Alle Verletzten wurden registriert und nach Schwere und Art von einem Notarzt verschiedenen Gruppen zugeteilt.

Um alle eventuellen Fehler während des Großeinsatzes zu diagnostizieren, waren zahlreiche Beobachter vor Ort. Sogar zwei Beobachter der Post waren dabei. Ihnen obliegt es, die Rettungskräfte beim Gebrauch der digitalen Tetra-Funkgeräte („Terrestrial Trunked Radio“) zu unterstützen und auszubilden.

Lob

Gegen 16.30 Uhr trafen Bürgermeister Dan Biancalana und Innenminister Dan Kersch ein und wurden von Zentrumschef Roby Goergen über das Ausmaß der Katastrophe informiert. Dan Kersch lobte vor allem die 200 Helfer, die zum größten Teil ihre Freizeit opfern, um ihren Mitmenschen zu helfen. Er kündigte die bevorstehende Reform des „Plan nombreuses victimes“ an und betonte, wie wichtig es ist, dass diese Helfer in realitätsnahen Großübungen Erfahrungen für den Ernstfall sammeln können. Auch die Zusammenarbeit mit den umliegenden Krankenhäusern muss für den Ernstfall geprobt werden. Die Fusion der „Protection civile“ und der Feuerwehr ist eine absolute Notwendigkeit und der Minister bestätigte, dass in Kürze der Gesetzentwurf auf den Instanzenweg geht.

Er betonte auch, dass die Ausbildung der freiwilligen Helfer ein „lifelong learning“ ist und verbessert werden müsse. Man könne von den Freiwilligen nicht erwarten, dass sie neben den vielen Freizeitstunden im Dienste ihrer Mitmenschen auch noch Samstage und Sonntage opfern, um von anderen freiwilligen Helfern ausgebildet zu werden.

Mehr professionelle Helfer sind ein weiteres Ziel, jedoch erklärte Dan Kersch, dass man ohne die freiwilligen Rettungskräfte diesen großen nationalen Sicherheitsapparat nicht am Leben halten könne.