Cargolux muss seine Kosten senken. Ursprünglich sollten im nächsten Jahr knapp 40 Millionen Dollar eingespart werden. Nach letzten Gesprächen zwischen Direktion und Gewerkschaft wurde der Betrag auf 12,5 Millionen Dollar zurückgeschraubt, der bei den Personalkosten reduziert werden soll. Anfang Mai zeigte sich die Belegschaft bereit, der Gesellschaft mit einer Art Darlehen entgegenzukommen, sollte dieses Sparziel 2012 nicht erreicht und kein Gewinn erwirtschaftet werden. Das Geld würde dann später zurückgezahlt, wenn die Firma erneut schwarze Zahlen schreibt.
Der Kompromiss sollte als Zusatz zum alten Kollektivvertrag unterschrieben werden, der dann um einige Jahre verlängert würde. Die Direktion hatte im September 2012 den Vertrag gekündigt.
Der Unternehmensführung scheint der neue Vorschlag der Gewerkschaften nur teilweise zu schmecken. In einem Schreiben an die Gewerkschaften greift die Unternehmensführung einige Elemente der Gewerkschaftsvorschläge auf, fügt jedoch andere hinzu. So soll bereits Mitte August geprüft werden, ob die Gesellschaft ihr Sparziel von 12,5 Millionen Reduzierung bei den Personalkosten aufgrund von Produktivitäts- und Effizienzsteigerung erreicht, um gegebenenfalls den von der Belegschaft aufzubringenden Fehlbetrag festzustellen.
Kompensation statt Darlehen
Die Gewerkschaften hatten vorgeschlagen, selbst zu bestimmen, wie der Beitrag der Belegschaft aussehen würde, wo und wie gespart werden könnte. Die Direktion will jedoch selbst eingreifen, sollten die Vorschläge der Gewerkschaften ihr nicht passen. Auch bei der Rückzahlung des „Darlehens“ der Mitarbeiter hat die Direktion etwas andere Vorstellungen. Die Kompensationen dürften 2,5 Millionen Dollar nicht überschreiten.
Die Direktion spricht denn auch klar von Kompensation. Dem Darlehen-Vorschlag der Gewerkschaften begegnet sie mit erheblicher Skepsis, wie am Dienstag aus einem Tageblatt-Gespräch mit Verwaltungsratspräsident Paul Helminger und Generaldirektor Richard Forson hervorgeht.
Nur bei 49 Mio. Gewinn
Kompensationen würde es auch nur geben, wenn das Unternehmen das Gewinnziel von 49 Millionen Dollar erzielt. Nur so könnte die Firma nachhaltig abgesichert werden.
Ob die Gegenvorschläge des Unternehmens der Belegschaft behagen würden, war mehr als fraglich, zumal Generaldirektor Richard Forson in seinem Schreiben von weiteren Kostenreduzierungen in Höhe von 10 Millionen Dollar für dieses Jahr und weiteren 15 Millionen Dollar 2014 spricht. Das Unternehmen müsste 25 Millionen Dollar sparen, so Forson im Tageblatt-Gespräch. Neben der 12,5 Millionen Dollar Reduzierung bei den Personalkosten soll auch in anderen Bereichen nach Sparmöglichkeiten gesucht werden.
Am Dienstagnachmittag deutete alles darauf hin, dass man sich nicht einigen wird. «Wir sind mit diesen Vorschlägen nicht einverstanden», sagte uns Aloyse Kapweiler (LCGB). Man werde wohl die Schlichtungsprozedur einleiten. Man habe den Eindruck, als sei die Direktion nicht wirklich am Kompromiss interessiert, hieß es beim OGBL. Am frühen Abend kam dann die Information, dass die Personalvertretung den Vorschlag der Direktion zurückweisen werde und das Schlichtungsamt mit dem Streitfall befassen werde.
Wenig profitabel
Generaldirektor Richard Forson hatte am Dienstag in einem Schreiben an die Belegschaft auf die äußerst angespannte Situation im Luftfrachtbereich in Europa hingewiesen. Die am wenigsten profitable Gegend für die Luftfahrt war im Jahr 2012 Europa, so Forson. Andererseits habe man es mit äußerst aggressiven Mitbewerbern aus Asien und dem Mittleren Osten zu tun. Die drei größten Fluggesellschaft aus der Golf-Region hatten 2012 Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Und 2013 werde sich die Entwicklkung für die Gesellschaften aus dem Mittleren Osten fortsetzen.
Wesentliche und nachhaltige Verbesserungen seien wichtig. Die Personalkosten seien dabei nur ein Bereich, der in Betracht gezogen wird, um die finanzielle Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft abzusichern, so Forson.
Zu Demaart
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