Tageblatt: Herr Jacobs, woher kommt Ihrer Meinung nach das schlechte Image der Jäger?
" class="infobox_img" />Georges Jacobs, Präsident der Luxemburger Jägerföderation. (Foto: Pierre Matgé)
Georges Jacobs: «Die Frage stellen wir uns auch. Ich bin sicher, dass dem so ist, weil viele Menschen schlecht über die Jagd informiert sind. Die meisten haben einfach Vorurteile. Ich habe schon Leute zu einer Jagd eingeladen; die Mehrheit war nachher überzeugt, dass die Jagd etwas Sinnvolles ist.»
Von welchen Vorurteilen reden Sie?
«Filme wie ‚Bambi‘ haben ganze Generationen mental so beeinflusst, dass sie die Realität verkennen. Jäger haben in der Natur eine Funktion auszuführen, und im Allgemeinen machen sie ihre Arbeit gut, auch wenn es schwarze Schafe gibt, wie überall. Aber die Medien, auch das Tageblatt muss ich sagen, haben sich selten die Mühe gemacht, objektiv zu berichten, wie eine Jagd funktioniert.»
Was ist denn die Funktion der Jagd?
«Der Gesetzgeber beauftragt uns, Wild zu schießen. Wir werden jedoch zwischen zwei Steinen zerrieben. Ein Teil der Bevölkerung wirft uns vor, Tiere zu morden, und ein anderer Teil, wir töteten nicht genug Tiere. Wir bekommen von der zuständigen Verwaltung Strafen in Aussicht gestellt, wenn wir nicht das schießen, was man uns vorschreibt. Die wenigsten Menschen geben sich die Mühe, die Sache objektiv und ohne Gefühle zu analysieren.»
Können Sie diesen staatlichen Auftrag näher beschreiben.
«Das Jagdgesetz fordert von uns eine Reduktion der Wildbestände. Die Wildbestände können sich nicht mehr von selbst regulieren. Wenn man zwei Jahre keine Wildschweine erlegt, würden sie durch die Städte laufen. Wenn man das Rotwild nicht jagt, beißt es uns die Wälder ab; die Artenvielfalt würde massiv abnehmen, weil eine ganze Reihe von Pflanzen und Bäume aussterben würden. Wenn man Füchse nicht bejagt, können Krankheiten wie Fuchsbandwurm und Tollwut wiederkehren.»
Geht es nur um die Regulierung?
«Der Wald stellt Nahrungsmittel zur Verfügung. In unseren Wäldern laufen rund 400.000 Kilogramm Wildfleisch, etwa ein Kilo pro Kopf. Man kann sagen, die CO2-Problematik ist uns egal, wir lassen das faulen, oder aber wir bewirtschaften das nachhaltig, ernten dieses Fleisch und geben es der Bevölkerung als wertvolles Nahrungsmittel, das man sich über kurze Wege beschaffen kann. Dann braucht man keine Steaks aus Argentinien einfliegen zu lassen. Wenn ich einen Rehbock schieße, verteile ich ihn noch am gleichen Abend an meine Freunde. In einer Ökonomie der kurzen Wege ist die Jagd exemplarisch.»
Alles, was auf einer Jagd geschossen wird, kommt also auf den Tisch?
«Ja. Ich verwerte selbst eine bis anderthalb Tonne Fleisch pro Jahr, das ich an Freunde und Kollegen verschenke. Wildfleisch ist zudem Fleisch von glücklichen Tieren, die ein schönes Leben hatten und natürliche Pflanzen gefressen haben. Vorausgesetzt eine Jagd wird korrekt ausgeführt, werden die Tiere auf eine exemplarische Art und Weise aus dem Leben genommen.»
Was bitte ist eine ‚korrekte‘ Jagd?
«Eine Jagd, welche die Prinzipien des Tierschutzes respektiert und das, was ‚geerntet‘ wird, in den Kreislauf einfließen lässt.»
Nachhaltig heißt ja auch, nicht mehr ‚ernten‘ als nachwächst.
«Genau, so dass wir immer einen Bestand an Tieren im Wald haben, wie es die luxemburgische Bevölkerung gerne hätte. Das Schicksal eines Tieres, das in einem Schlachthof geschlachtet wird, ist kein schönes. Das Tier hat in seinem Leben kaum Sonne gesehen und hatte wenig Platz, sich zu bewegen. Die Art und Weise, wie Tiere in ganz Europa herumgefahren werden, und sie unter ganz speziellen Methoden geschlachtet werden, ist nicht exemplarisch.»
Interview: Claude Molinaro
(Das integrale Gespräch in der Montag-Ausgabe des Tageblatt)
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