Die Katholische Kirche macht sich Gedanken über ihre bisher propagierte Sexualmoral. Im Oktober dieses Jahres soll eine außerordentliche Bischofssynode zum Thema Familie stattfinden.
Sex in der Ehe sei als großes Ideal der Kirche zu betrachten, sagte Luxemburgs Erzbischof Jean-Claude Hollerich am Mittwochmorgen auf RTL Radio Lëtzebuerg. Die Wirklichkeit sehe jedoch anders aus. Da müsse man realistisch sein, ohne das Ideal jedoch aufzugeben. Aber wenn Sex mit Liebe verbunden sei und in die Ehe rübergehe, dann sei das keine schlimme Sache. Schlimm sei jedoch, Sexualität lediglich als Zeitvertreib zu betreiben, eine Art Masturbation mit Hilfe anderer, nur auf sich selbst bezogen, so Hollerich. Der Erzbischof entschuldigte sich für das Verhalten der Kirche gegenüber den Homosexuellen. Homosexualität sei keine Krankheit, so Hollerich.
Hollerich reagierte auf die Aussagen des Trierer Bischofs Stephan Ackermann in der Mainzer Allgemeinen Zeitung vor knapp einer Woche. Laut Ackermann gebe es große Differenzen zwischen der katholischen Lehre und dem Alltag vieler Gläubigen. Die Kirche müsse ihre Sexualmoral überdenken. Alles andere sei nicht mehr zeitgemäß.
Bischofssynode zur Familie
Hintergrund der Diskussion ist die im Oktober anstehende Bischofssynode über Ehe, Familie und Sexualmoral. Der Vatikan hatte im Herbst 2013 den Bistümern in Vorbereitung dieses Treffens einen diesbezüglichen Fragebogen zugestellt. Im November hatte Luxemburgs Erzbischof die Fragen an die Pfarreien, Pastoralteams, Mitglieder des Klerus, Laien im kirchlichen Dienst und freiwillige Mitarbeiter weitergeleitet mit der Aufforderung, ihre Antworten bis Mitte Dezember einzureichen. Der Fragebogen war ebenfalls auf der Intenetseite der Kirche veröffentlich worden. Ende Januar 2014 dann übermittelte der Erzbischof die Auswertung der eingereichten Antworten an den Vatikan.
Befragt wurden die Gläubigen unter anderem zum vorehelichen Geschlechtsverkehr und zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.
Insgesamt gingen 39 individuelle und 13 kollektive Antworten ein, heißt es auf der Webseite der katholischen Kirche. Die Einsendungen stammten von Laien, Priestern, diözesanen Gruppen, Pfarrverbänden, Sprach- und Ordensgemeinschaften.
Ein Relikt aus vergangenen Zeiten
Die kirchliche Lehre der Empfängnisverhütung werde wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten angesehen, die auf die heutige Geburtensituation nicht mehr zutreffe, heißt es in den Antworten der Gläubigen. Auf Widerstand stoße auch der Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen und Patchworkfamilien, so die Auswertung der eingereichten Stellungnahmen.
Nur in wenigen Antworten werde das Zusammenleben vor der Ehe als Sünde angesehen. Diese Form der Partnerschaft wird sogar meist als Normalfall betrachtet. Die pastorale Herausforderung wäre, diese Zeit vor der Ehe wahrzunehmen und zu erkennen, dass die Ehe sich in Etappen vollzieht, heißt es weiter.
Bezüglich gleichgeschlechtlicher Partnerschaften hätte sich die Hälfte der Umfrageteilnehmer für Respekt und Toleranz gegenüber diesen Menschen ausgesprochen und eine Stigmatisierung abgelehnt.
Zölibat überdenken
Gebeten wurden die Gläubigen ebenfalls um Vorschläge. Eines davon betrifft das Zölibat. «Es wäre dringend notwendig,… den Priesterberuf, inkl.das Zölibat und die Zulassung von Frauen zur Priesterweihe … in unserer globalisierten Welt biblisch, theologisch, geschichtlich und pastoral neu zu überdenken», heißt es da.
Zu Demaart
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