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Die Alibis der Angeklagten

Die Alibis der Angeklagten

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LUXEMBURG - Die neue Verhandlungswoche im Bommeleeër-Prozess beginnt mit weiteren Aussagen der ermittelnden Beamten. Sie sollen über die Vernehmung der beiden Angeklagten Marc Scheer und Jos Wilmes berichten.

Der Verhandlungstag am Montag beginnt mit einem Paukenschlag. Die Alibis der Angeklagten Marc Scheer und Jos Wilmes an den Tagen in den 1980er Jahren, als Sprengstoff gestohlen wurde und die Bomben hochgingen, sollen vorgelesen werden. Protest seitens der Verteidigung. Me Gaston Vogel verlässt den Saal. Für kurze Zeit folgt ihm auch Me Lydie Lorang. Auch die beiden Angeklagten Marc Scheer und Jos Wilmes gehen aus dem Gerichtssaal. Wenig später verlassen sie zusammen mit Me Vogel das Gerichtsgebäude.

Das Gericht lässt sich indes nicht beeindrucken. In den Zeugenstand tritt Chefermittler Carlo Klein. Er geht auf die Alibis der Angeklagten zum Zeitpunkt der Sprengstoffdiebstähle und der Anschläge ein.

Alibis

Klein zählt die Anschläge auf und die möglichen Alibis der beiden Angeklagten. Beide haben während den Vernehmungen Erinnerungslücken. In einzelnen Fällen helfen die Missionsbücher der Polizei. Aus denen geht hervor, dass Wilmes und Scheer während der Anschläge im Dienst waren. Genaue Dienstzeiten seien jedoch schwer zu ermitteln, räumt Klein ein.

Die Verteidigung ist mit der Vorgehensweise vor Gericht nicht einverstanden. Es gebe keine klaren Beweise bezüglich der Alibis, nur Vermutungen, sagt Me Lydie Lorang während einer Verhandlungspause. Das Ganze zeige, wie negativ die Ermittler vorgehen.

Aus den Vernehmungsprotokollen geht hervor, dass die BMG-Mitglieder oftmals für Personenschutzmissionen für die großherzogliche Familie abkommandiert wurden. Das war auch am Vorabend des Nationalfeiertag der Fall, als in Hollerich in einem Tunnel eine Bombe hochging. Wilmes hatte seine Mission an der Seite des Großherzogs abbrechen müssen, wegen Kopfschmerzen. Scheer sagte bei der Vernehmung seinerseits aus, dass er nach der Explosion nach Hollerich gefahren sei.

Klein befasst sich mit der Frage, ob die beiden Angeklagten, trotz der Alibis, zur Tatzeit vor Ort sein konnten, so etwa beim Anschlag in Asselscheuer. Dort hatten die Täter eine Sprengfalle ausgelegt, die durch einen Draht ausgelöst werden sollte. Die Bombe ging nicht hoch. Kurz zuvor war in den Kasematten ein Sprengsatz hochgegangen. Der Tatort Kasematten muss einzelnen Mitgliedern der Brigade mobile der Gendarmerie (BMG), der Wilmes und Scheer angehörten, bekannt gewesen sein, so Klein. Tatortkenntnisse hätten auch die beiden Angeklagten gehabt.

Der Prozesstag geht mit der Ankündigung von Richterin Sylvie Conter zu Ende, dass kommende Woche die ersten Zeugen gehört werden. Die Angeklagten und Rechtsanwalt Vogel sollten an diesem Prozesstag nicht mehr auftauchen. Richterin Conter versteht die Aufregung
nicht. Unklar ist am Montagabend, ob die drei am Dienstag im Gerichtssaal erscheinen werden.