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Bienenstreit in Luxemburg

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Greenpeace und „Natur&ëmwelt“ fordern drastische Maßnahmen zum Schutz der Bienen. Der „Lëtzebuerger Landesverband fir Beienzuucht“ zeigt sich entrüstet über die Kampagne der Umweltorganisationen.

Sie sei politisch motiviert. In der Tat scheint das Bienensterben vorerst gestoppt zu sein.

Seit Jahren wird weltweit ein Bienensterben beobachtet. Über die Ursachen scheiden sich allerdings die Geister. Letzten Zahlen zufolge scheint dieser Trend in einigen Ländern, darunter auch Luxemburg, gestoppt worden zu sein. Während am Ende des Winters 2012-2013 die Luxemburger Imker Verluste bis zu 30 Prozent in Kauf nehmen mussten, scheinen die meisten Völker diesen Winter unbeschadet überstanden zu haben.

Dies wurde uns teilweise von Seiten der ASTA („Administration des services techniques de l’agriculture“) bestätigt. Laut René Ginter haben fast alle Bienenvölker, die bei der ASTA gemeldet sind, den Winter überlebt. Ob dies wegen des milden Wetters der Fall ist oder aus anderen Gründen, konnte Ginter nicht sagen.

Eingeschleppte Varroamilbe

Wie das Luxemburger Veterinäramt am Montag tageblatt.lu gegenüber sagte, sei die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe ein wichtiger Grund für das Bienensterben gewesen. In diesem Jahr sei der Vormarsch der Milbe aber gestoppt worden.

Jean-Paul Beck, dem Präsidenten des „Lëtzebuerger Landesverband fir Beienzuucht“, zufolge, ist die verbesserte Lage eindeutig ein Resultat der guten Arbeit des Bienenzüchterverbandes. „Wir haben einerseits die Ausbildung unserer Mitglieder verbessert und andererseits die Bienenvölker vervielfältigt.“ Entrüstet zeigte sich Beck über die Vorgehensweise von Greenpeace und „Natur & ëmwelt“. Die beiden Organisationen hatten am Dienstag anlässlich einer Pressekonferenz die Regierung zu drastischen Maßnahmen zum Schutz der Bienen aufgefordert. Handlungsbedarf sehen die beiden Organisationen sowohl beim „Plan de développement rural“ wie auch beim „Nationalen Aktionsplan Pestizide“, bei denen sie ein Mitspracherecht fordern. Die Angaben der beiden Organisationen nannte Beck Propaganda. Die beiden Umweltorganisationen sprechen von „schlechten Zukunftsaussichten für die Luxemburger Bienen“. Zwischen 2010 und 2013 seien rund 40 Prozent der Bienenvölker in Luxemburg eingegangen. Beck kritisierte die Vorgehensweise von Greenpeace und „Natur & ëmwelt“ auch, weil sie die Zusammenarbeit mit den Bienenzüchtern verweigerten.

Während die zwei Umweltorganisationen ein permanentes Verbot bienenschädlicher Pestizide und Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität fordern, sind die Bienenzüchter der Meinung, dass es sich um ein gesellschaftliches Problem handelt. Es sei falsch, nur den Landwirten die Schuld in die Schuhe zu schieben. Die Bienenzüchter fordern eine Debatte über die schwindende Vielfalt in unserer Landschaften allgemein. „Es ist nicht die Schuld der Landwirte, wenn das Gras überall auf ein bestimmte Länge geschnitten wird“, meint Beck.

Ertragsverluste

Das CRP Gabriel Lippmann koordiniert seit 2011 das Projekt einer Datenbank der luxemburgischen Bienenvölker. Die Forscher analysieren die Einflüsse auf die Gesundheit der Bienen. Insgesamt gebe es zurzeit rund 3.500 Völker, sagte Dr. Michael Eickermann, Mitarbeiter des Projekts und selbst Imker, dem Tageblatt gegenüber. Eine allgemeine Aussage über die Gründe des Bienensterbens zu machen, sei schwierig. Auch er bestätigte, dass es den Bienen dieses Jahr besser gehe als in den Jahren davor. Als Gründe für das Massensterben in den vorangegangenen Jahren hätten 90 Prozent der Imker einerseits die Varroamilbe und andererseits Futtermangel angegeben.

Der Rückgang der Bienenvölker hat auch wirtschaftliche Konsequenzen. Der Studie einer Schülerin aus dem LTA in Ettelbrück, Valérie Zoller, zufolge fehlt pro Hektar Raps ein Bienenvolk, um eine flächendeckende Bestäubung zu gewährleisten. Die Ertragsverluste durch die Mangelbestäubung beziffert die Schülerin auf rund 300.000 Euro pro Jahr.