Im zweiten Quartal dieses Jahres soll der neue SES-Satellit Astra 2G an Bord einer russischen Proton-M-Rakete vom kasachischen Weltraumflughafen Baikonur gestartet werden. Pikantes Detail: Der Satellit, der vom Airbus-Tochterunternehmen EADS Astrium gebaut wurde, enthält einige Komponenten US-amerikanischer Firmen. Im Zusammenhang mit der Krim-Krise haben die USA jedoch den Export moderner Elektronik nach Russland verboten, die auch für Rüstungszwecke genutzt werden könnte.
Derzeit habe man keine Angaben über eine etwaige Änderung des Starttermins für Astra 2G, hat der Pressesprecher der SES, Yves Feltes, am Mittwoch gegenüber Tageblatt.lu gesagt. Der Start soll im Juni/Juli erfolgen.
Das Ausfuhrverbot der USA betrifft lediglich Erzeugnisse, die für militärische Zwecke genutzt werden könnten. Ein Telekommunikationssatellit wie Astra2G, der dazu noch nicht für den russischen Markt bestimmt sei, falle da mit Sicherheit nicht darunter, so Feltes.
Laut spacenews.com werde das US-Außenministerium jeglichen Exportantrag für militärische Güter und Dienstleistungen nach Russland ablehnen. Darunter fallen auch Satelliten und Satelliten-Komponenten. Bereits ausgestellte Exportlizenzen würden zurückgezogen.
Schwarze Liste
Die USA haben russischen und ukrainischen Bürgern die Einreise verboten. Parallel dazu haben sie eine Listen von Unternehmen erstellt, denen die Geschäftsverbindungen zu Russland untersagt werden. Die EU hat sich bisher auf eine schwarze Liste für Ukrainer, Russen und Krim-Bürger beschränkt. Sollte es zu einer Ausweitung der Sanktionen kommen, könnte das auch der SES Probleme bereiten, so Feltes.
Von den US-Sanktionen wäre auch der europäische Satellit Eutelsat 3B betroffen. Auch er enthält elektronische Teile aus US-Produktion. Eutelsat 3B soll von einer Seeplattform aus gestartet werden, die russischen Unternehmen gehören.
Mehrere Online-Medien hatten am Dienstag berichtet, die USA wollten den Start von europäischen Satelliten mit US-amerikanischen Komponenten an Bord von russischen Trägern vereiteln.
Kalte Krieg
Die US-Sanktionspolitik erinnert an Zeiten des Kalten Krieges, als der Export von Waren aus dem Westen in den sogenannten Ostblock des Plazets des „Koordinationskomitees für multilaterale Ausfuhrkontrollen“ (Cocom) bedurfte. Dadurch sollte dem damaligen Feind der Zugang zu moderner westlicher Technologie erschwert werden. Dem 1949 ins Leben gerufenen Cocom gehörte auch Luxemburg an.
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