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Alem: Ab 2020 fehlt es an Ärzten

Alem: Ab 2020 fehlt es an Ärzten

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Luxemburg steuert auf einen Ärztemangel zu, sagt die Vereinigung der Luxemburger Medizinstudenten. Die Regierung geht die Angelegenheit gelassen an.

Das Gesundheitsministerium will nicht in die Alarmstimmung der Luxemburger Medizinstudenten verfallen. Deren Vereinigung, die «Association Luxembourgeoise des Étudiants en Médecine» (Alem) hatte bereits vor drei Jahren anhand einer Studie aufgezeigt, dass Luxemburg ab 2020 auf einen ärztlichen Notstand hinsteuere. Als Grundlage für ihre düstere Prognose nahmen sie internationale Zahlen sowie Daten aus dem Gesundheitsministerium.

Das Problem ist kein rein luxemburgisches. Die EU-Kommission schätzt den EU-weiten Ärztemangel ab 2020 auf 230.000 Stellen.

Die Reaktionen aus dem Ministerium seien bisher sehr besänftigend ausgefallen, so die Alem am Mittwoch. Den drohenden Ärztemangel wollte es nicht bestätigen.

Lydia Mutsch: Luxemburg bleibt attraktiv

Tatsächlich hatte Gesundheitsministerin Lydia Mutsch noch im August 2014 unterstrichen, dass Luxemburg wegen seines Systems der automatischen Konventionierung und automatischen Anerkennung der Abschlüsse in der EU nach wie vor äußerst attraktiv für Ärzte aus dem Ausland bleibe. Sie hatte eine parlamentarische Antwort auf gleich mehrere, gleichlautende Anfragen gegeben.

Ihre warnenden Aussagen stützen die angehenden Ärzte mit statistischen Angaben. So etwa jene zur Alterspyramide der Luxemburger Ärzteschaft. Viele Ärzte würden in wenigen Jahren in Pension gehen. Der Luxemburger Nachwuchs an Allgemeinmedizinern und Fachärzten schrumpfe hingen. Letzteres werde durch eine vermehrte Einwanderung von ausländischen Fachkräften maskiert. Mutsch bestreitet die Aussagekraft der Zahlen, die diesen Angaben zugrunde liegen. Der Ärzteberuf sei ein liberaler, ein gesetzliches Pensionsalter bestehe hier nicht. Schätzungen über einen möglichen Ärztemangel aufgrund einer massiven Verrentung seien rein hypothetisch, so Lydia Mutsch im August 2014.

Gender shift im Ärzteberuf

Anderes Phänomen, auf das die Alem hinweist: Der Luxemburgische Ärztenachwuchs ist größtenteils weiblich. Von diesem europaweit feststellbaren Gender shift sei Luxemburg besonders betroffen. Luxemburg weist mit 68 Prozent den höchsten Anteil an Männern im Arztbesuch. Hinzu kommt der Generationen- und Mentalitätswechsel. «Die moderne Rollenverteilung in der Gesellschaft ist nur möglich mit dynamischen Arbeitszeiten von weiblichen und auch männlichen Ärzten», so die Alem. Es reicht nicht mehr, einen scheidenden Arzt durch einen einzigen jungen Mediziner zu ersetzen gemäß dem Motto «Man lebt nicht mehr um zu arbeiten, sondern man arbeitet, um zu leben».

Derzeit hat Luxemburg keinen Ärztemangel, bestätigt auch die Alem. Auch die Ärztedichte steigt kontinuierlich an. Dennoch liegt das Land unter dem EU-Durchschnitt. Kamen in den Jahren 2008-2009 im EU-Mittel 3,3 Ärzte pro 1000 Einwohner, waren es in Luxemburg 2,7. In Europa werde längst kreativ um Ärzte geworben, u.a. mit finanziellen Förderungen bei der Niederlassung als Allgemeinmediziner im ländlichen Raum. Auch die Nachbarländer gingen mit dem Problem offener um. Die Alem warnt: «Je später in der Karriere eines Mediziners Luxemburg um seine Ärzte wirbt, umso mehr bindet die soziale Situation diese ans Ausland.»

Infosystem für Ärzte günstiger als medizinische Fakultät

«Große Hoffnungen» setzt die Alem bei der aktuellen Regierung. Zufrieden ist sie u.a. anderem, dass laut Koalitionsprogramm eine «Beobachtungsstelle für Gesundheitsfragen» eingerichtet werden soll. Seine Aufgabe wäre u.a., das Angebot und die Nachfrage von Medizinern zu analysieren, um anschließend die angehenden Mediziner über das Hochschulministerium zu informieren. Derlei System sei allemal billiger als die Gründung einer medizinischen Fakultät, meint die Alem, die sich am 12. September mit Gesundheitsministerin Lydia Mutsch (LSAP) traf. Damit spricht die Alem Überlegungen von Regierung und Uni Lëtzebuerg an, eine Medizin-Fakultät in Luxemburg aufzubauen, sollte die finanziellen Mittel reichen.

Auch Mutsch konnte der Alem ihre Befürchtungen über den drohenden Ärztemangel nicht nehmen. Ob man die Beobachtungsstelle abwarten müsse, um adäquate Maßnahmen zu ergreifen, so die Vereinigung.