Das Jahr 2014 war kein gutes Jahr für die Pressefreiheit: Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) verschärften sich die Arbeitsbedingungen für Journalisten weltweit im Vergleich zum Vorjahr deutlich. «Es gab eine allgemeine Verschlechterung, die mit verschiedenen Faktoren zusammenhängt», sagte der Vorsitzende der in Paris ansässigen Journalistenorganisation, Christophe Deloire, der Nachrichtenagentur AFP. Er nannte «Kriege um Informationen» sowie nichtstaatliche Akteure, die sich «wie Despoten» verhielten, als zwei der Gründe.
Im vergangenen Jahr registrierte ROG 3719 Verstöße gegen die Pressefreiheit in 180 Ländern, acht Prozent mehr als im Jahr 2013. In Konflikten wie in der Ukraine oder im Nahen Osten würden Journalisten gezielt getötet, entführt oder erpresst, heißt es in dem Jahresbericht. In zwei Dritteln der 180 ausgewerteten Länder habe sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Der Iran, China, Syrien und Nordkorea landeten auf der Rangliste der Pressefreiheit unter den letzten Plätzen der 180 Staaten, das Schlusslicht auf dem Index ist Eritrea. Am besten schnitten Finnland, Norwegen und Dänemark ab, gefolgt von den Niederlanden und Schweden.
Nicht allzu dramatisch
Luxemburg fällt in der Rangliste von ROG vom 4. auf den 19. Platz zurück. Es platziert sich damit hinter Namibia (17) und Polen (18) aber vor der Schweiz (20). Allzu dramatisch nehmen sollte man das nicht, sagte uns Antoine Héry, bei «Reporters sans frontières in Paris», für die Erstellung der Weltrangliste zuständig. Er verweist dabei ua. auf Platz 38 für Frankreich. Seine Organisation hat in Luxemburg Fortschritte in Sachen unabhängigen Journalismus festgestellt. Positives Zeichen sei auch die Schaffung eines Preises für investigativen Journalismus (ALJ). Deutschland platziert sich als 12. Landes. Doch der Unterschied in der Punktezahl, die Grundlage für die Rangliste, sei nicht groß, so Héry. Deutschland erhielt 11,47 Punkte, Luxemburg 13,61. Belgien kommt auf 11,98 Punkte und auf Rang 15. Frankreich erhielt 21,15 Punkte.
Andererseits nehme auch der Druck von Seiten der Wirtschaft und Politik auf die Journalisten zu. Eine fast normale Reaktion besagter Kreise auf das Erstarken eines kritischeren Journalismus, sagte Héry. Hinzu komme, dass das Risiko allzu enger Beziehungen zwischen Journalisten, Politikern und Wirtschaftskreisen wohl in allen Ländern gegeben sei, doch sei es besonders in kleinen Ländern stark.
In Europa haben sich laut ROG in einigen Ländern die Bedingungen deutlich verschlechtert. Zum Beispiel in Italien, das um 24 Plätze auf Rang 73 abstürzte, seien viele Journalisten angesichts von Mafia-Drohungen, Anschlägen und unbegründeten Verleumdungsklagen unter Druck geraten.
Die USA kommen laut ROG-Ranking auf Platz 49, Russland kommt auf Platz 152, die Ukraine auf Rang 129.
Seine Rangliste erstellt ROG aufgrund von Befragungsergebnissen. Den Fragebogen zu «allen Aspekten unabhängiger journalistischer Arbeit» stellt ROG Hunderten Journalisten, Wissenschaftlern, Juristen und Menschenrechtsverteidigern zu. Bewertet wird die Presse- und Informationsfreiheit in 180 Ländern. Fragen stellt ROG zur Medienvielfalt, der Unabhängigkeit der Medien, zum journalistischen Umfeld, zur Selbstzensur, zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und zur instutionellen Transparenz, so die Vereinigung.
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