Die jüdische Gemeinschaft in Luxemburg zählt bis zu 1.000 Mitglieder. Wie sieht sie die hitzige Debatte, um ein Auftrittsverbot von Dieudonné in Frankreich? Gibt es judenfeindliche Strömungen hierzulande?
In Luxemburg soll es laut Claude Marx, Präsident des israelitischen Konsistorium, keine Anzeichen von antisemitischen Strömungen oder Bewegungen geben. «Der Antisemitismus in Luxemburg wird nicht offiziell ausgeübt sondern nur von einzelnen Individuen betrieben», erklärt Claude Marx gegenüber Tageblatt.lu.
In ihrem 2012 veröffentlichten Bericht hatte die „Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz” (ECRI) geschrieben, dass 2010 in Luxemburg 22 antisemitische Bemerkungen im Internet gepostet wurden. Sechs Fälle wurden der Polizei gemeldet.
Auf die Frage mit welchen Mittel man gegen Personen wie Dieudonné vorgehen könnte, antwortet Claude Marx: «Vor allem sollte man seine Auftritte keinesfalls boykottieren. Dieser Schritt könnte nachher als einen Angriff auf die Meinungsfreiheit gesehen werden und wäre sehr kontraproduktiv. Da Dieudonné Geldprobleme hat, sollte man ihn für jede antisemitische Äußerung zur Kasse bitten.» Der Antisemitismus sei in Frankreich vor allem im links- sowie im rechts-extremen Lager zu finden, sagt Claude Marx.
3.000 Juden wanderten 2013 aus
Immer mehr in Frankreich lebende Juden verlassen das Land und ziehen nach Israel um. Im Vorjahr wurden 3.000 Juden gezählt, die diesen Schritt taten. Einer der Hauptgründe ist vor allem der wachsende Antisemitismus, von dem sich auch der französische Humorist Dieudonné während seiner Kabarettauftritten bedient. Der 47-Jährige ist wegen antisemitischer Parolen ins Kreuzfeuer der Justiz geraten. Wegen Anstiftung zu Hass und rassistischen Äußerungen wurde er bisher zu insgesamt 65.000 Euro verurteilt.
Bislang ließ Frankreich die antisemitischen Parolen Dieudonnés meist durchgehen – im Namen der freien Meinungsäußerung. Diesmal scheint die französische Regierung Ernst machen zu wollen. Doch der bullige Komiker weiß sich zu wehren. Sein Anwalt reichte am Dienstag Klage gegen Innenminister Valls ein – wegen Verletzung der Meinungsfreiheit. Das vom Präfekten von Loire-Atlantique erlassene Auftrittsverbot in Nantes hat das Verwaltungsgericht vorerst annulliert.
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