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Junger Luxemburger half in Maelbeek

Junger Luxemburger half in Maelbeek

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Ein Luxemburger Medizinstudent hat in Brüssel hautnah an der Erstversorgung der Opfer des Terroranschlags in der Metro-Station Maelbeek am Dienstag mitgewirkt. Was er dabei gesehen hat, schildert er im "Le Jeudi".

Daniel Patricio studiert Medizin im 5. Jahr an der Université Libre de Bruxelles. Am Dienstag trat er wie üblich seinen Dienst im Rahmen seines Praktikums in der Notaufnahme des Krankenhauses Etterbeek an. Kurz nach der Explosion in der Metro-Station Malbeek wird der Alarm im Krankenhaus ausgelöst. „Mein Lehrpraktiker hat mich schnell gebeten, seine Nothilfe-Mannschaft zu begleiten und zu unterstützen“, so der Medizinstudent gegenüber dem „Le Jeudi“-Korrespondenten Alexeji Nickels (Link). Er habe sich nicht vorstellen können, was ihn da erwarten würde, aber die ganze medizinische Mannschaft habe die Ruhe gewahrt.

Was er am Ort der Explosion in der Metro sah, habe den jungen Mann zuerst erschrocken, sagt er dem „Le Jeudi“. Patricio spricht von einer „schrecklichen Kriegsszene“, einer verwüsteten Metro-Station, überall menschliche Körper, getrennte Gliedmaßen, Feuerwehrmänner, die dabei waren, die ersten Opfer zu evakuieren.

70 Liter Paracetamol

Die erste Aufgabe in solchen Situationen bestehe darin, die Opfer zu sortieren, Patracio. Dabei unterscheide man vier Niveaus: von Leicht- bis Schwerverletzten und Toten. Anschließend ging es darum, die Opfer zu stabilisieren. Rund 70 Liter Paracetamol seien verbraucht, unzählige Intubationen vorgenommen worden. Bei derlei Eingriff wird eine Vorrichtung in die Luftröhre eingeführt, um das Ersticken des Patienten zu vermeiden oder das Eindringen von Fremdkörpern zu verhindern.

Nach drei Stunden Arbeit unter erschwerten Bedingungen, die Opfer mussten unter anderem auf den Treppen der Metro-Station betreut werden, ging es zurück ins Krankenhaus. Dort habe er sich um die Leichtverletzten gekümmert, sagt Patricio.

Alles verlief ruhig

Der Notfallplan habe gut funktioniert, sagt der Luxemburger. Alle Anästhesisten und Chirurgen seien vor Ort gewesen, nachdem Notfallplan Mash (mise en alerte des hôpitaux) ausgelöst worden war. Alles sei ruhig abgelaufen. Das habe nichts mit dem zu tun, was man gemeinhin in Fernsehserien zu sehen bekommt.

Um 16.30 Uhr konnte Daniel Patricio nach Hause. „Ich habe eine außergewöhnliche Situation erlebt, die mir bei meiner beruflichen Zukunft sicherlich von Nutzen sein wird“, sagt er. Angewandt worden sei die sogenannte Kriegsmedizin, die auf Schnelligkeit und Wirksamkeit setzt. „Ich frage mich, ob Luxemburg in der Lage wäre, ähnliche Ereignisse zu meistern“.