Montag12. Januar 2026

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«Juncker – Raucher und Trinker»

«Juncker – Raucher und Trinker»
(AFP/Archiv)

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Jean-Claude Juncker bläst derzeit ein kalter Wind ins Gesicht. Sein Nachfolger an der Spitze der Eurogruppe, Jeroen Dijsselbloem, sagt über den Luxemburger, er sei "verstockter Raucher und Trinker".

Jeroen Dijsselbloem, der niederländische Finanzminister, habe es als Erster gewagt, laut das zu sagen, was zahlreiche seiner Politikerkollegen nur hinter vorgehaltener Hand, und dann auch nur leise, sagen würden: „Jean-Claude Juncker schaut regelmäßig zu tief ins Glas“, erklären die beiden Moderatoren in einem auf dem Internetauftritt der niederländischen Zeitung De Telegraaf* veröffentlichten Video.

Logo" class="infobox_img" />Jean-Claude Juncker und Jeroen Dijsselbloem (r.) bei einem Treffen der Eurogruppe im Januar 2013. (Bild: AFP-Archiv)

Anmerkung der Redaktion

Die Aussagen des niederländischen Finanzministers und Vorsitzenden der Eurogruppe sind ein äußerst unüblicher Vorgang. Es stellt sich nun die Frage, ob jemand, der die Ehre seines Vorgängers in einem so herausragenden Amt derart angreift, nicht den Anstand haben müsste, zu demissionieren. Oder müsste er nicht gar dazu gezwungen werden?

Abrechnung mit Juncker?

Dijsselbloems „giftige“ Bemerkung am vergangenen Montag zu seinem Vorgänger im Amt des Vorsitzenden der Eurogruppe wird in den Niederlanden inzwischen zunächst als eine Abrechnung zwischen den beiden Männern gesehen, wobei noch offen ist, wer am Ende den Kürzeren zieht.

„Dijsselbloem nimmt Rache“ titelt denn auch De Telegraaf in seiner Internetsendung dft tv nieuws**, ehe man einblendet, wie sich Moderatoren, Interviewpartner, Journalisten und Gäste köstlich über Dijsselbloem/Juncker amüsieren.

Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte Montagabend während der Fernsehsendung „Knevel & Van den Brink“ (Nederland 1) zu seinem Vorgänger im Amt des Vorsitzenden der Eurogruppe kurz und mündig bemerkt: „Jean-Claude Juncker war ein verstockter Raucher – und übrigens auch Trinker“. Er sei mit diesem Statement der erste ranghohe Politiker, der in EU-Kreisen ein längst „öffentliches Geheimnis“ publik mache.

Stimmung ist „calvinistischer“

Dijsselbloem hatte im Januar des vergangenen Jahres 2013 das Amt Junckers übernommen, der seit 2005 die Sitzungen der europäischen Finanzminister der Eurozone leitete. Die Moderatoren von „Knevel & Van den Brink“ hatten Dijsselbloem gefragt, ob er seinen Kollegen verboten habe, noch länger am Verhandlungstisch zu rauchen und zu trinken. Zunächst wich er noch aus: „Ich brauchte das nicht zu tun, das war schon so“, ehe er hinzufügte, „nur war das dem vorherigen Vorsitzenden vollkommen gleichgültig.“
Breit und hämisch lachend hatte er hinzugefügt, dass mit dem Abgang des „verstockten Rauchers und Trinkers“ die Stimmung „calvinistischer“ geworden sei.

In europäischen Kreisen und darüber hinaus ist der ehemalige luxemburgische Premier als Lebensgenießer bekannt. Unvermeidlich stellt sich die Frage, warum Dijsselbloem gerade jetzt das Rauchen und Trinken Junckers nicht off the record wie bisher, sondern on the record anprangert. Das Gelächter im Zuschauersaal muss Dijsselbloem doch nicht ganz gepasst haben, denn man sah deutlich, dass ihm etwas mulmig wurde und er sich genötigt sah, den Kurs zu korrigieren. Er habe aber nie erlebt, dass ein Mitglied der Eurogruppe „funktionsunfähig“ gewesen sei, meinte er. Also auch Juncker nicht.
Vielleicht sollte man auch zu bedenken geben, dass der Holländer nur zwei Monate mit dem Luxemburger direkt zu tun hatte.

Die belgische Nachrichtenagentur Belga fasste am Dienstag den Zwischenfall zusammen und bezeichnete ihrerseits Juncker lediglich als eine „farbenfreudige Figur“. So habe er sich von der Eurogruppe mit einem (zwar alten) Witz verabschiedet: „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.“ Zurzeit versucht Jean-Claude Juncker sich bei den Christdemokraten und Konservativen der Europäischen Volkspartei als Spitzenkandidaten für den Posten des EU-Kommissionspräsidenten zu empfehlen. Nach Dijsselbloems Äußerungen könnte dies nun schwieriger werden.

* De Telegraaf ist in den Niederlanden die auflagenstärkste Tageszeitung. Politisch tendiert die Zeitung zur populistischen Rechten, hat allerdings einen seriösen Wirtschaftsteil.
** dft tv nieuws steht für das Fernsehprogramm des De Financiële Telegraaf