Seine Zusammenarbeit mit Hans-Dietrich Genscher hat Jacques F. Poos (LSAP), langjähriger Außenminister Luxemburgs, noch in bester Erinnerung. Beide verband nicht nur eine „berufsmäßige“ Beziehung. Sie kannten und schätzten sich auch persönlich.
Hans-Dietrich Genscher habe die Nachkriegsgeschichte maßgeblich mitgeprägt, sagte uns Jacques F. Poos am Freitag. Er habe sich stets für eine Annäherung zwischen Ost und West eingesetzt, zusammen mit den Kanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt (beide SPD). „Dafür ist er unter anderem von den USA, während der Zeit von Präsident Ronald Reagan, kritisiert worden“, so Poos. Die USA befürworteten eine härtere Gangart gegenüber der damaligen Sowjetunion. Sie prägten den Begriff „Genscherismus“, ein Schimpfwort für die angestrebte Annäherung an den Osten, unterstreicht Poos und fügt hinzu: „Die Geschichte hat Genscher dann doch Recht gegeben“.
Als den Höhepunkt in Genschers Karriere bezeichnet Luxemburgs Ex-Diplomatiechef dessen Rede vom Balkon der deutschen Botschaft in Prag im Sommer 1989. Den dort versammelten Menschen kündigte Genscher an, sie könnten die DDR verlassen. Hunderte Menschen waren auf dem Gelände der BRD-Vertretung eingedrungen in der Hoffnung, in die BRD einreisen zu dürfen. Der Ankündigung Genschers waren tagelange Verhandlungen mit den Behörden der damaligen Tschechoslowakei und Moskaus vorausgegangen. Es folgten der Fall der Berliner Mauer, die Implosion der Sowjetunion, der Zerfall Jugoslawiens.
«Ein überzeugter Europäer»
Genscher sei ein überzeugter Europäer gewesen, so Poos. Anders als beispielsweise die Niederlande und Frankreich habe er stets für eine gemeinsame europäische Außenpolitik plädiert, die mit Mehrheitsbeschlüssen entscheiden könne. „Ein Satz Genschers bleibt mir gut in Erinnerung: Wir wollen kein deutsches Europa sondern ein europäisches Deutschland“, fasst Poos Genschers Einstellung zu Europa zusammen.
Poos hat Deutschlands Ex-Außenminister persönlich als freundlichen und hilfsbereiten Menschen kennen gelernt, vor allem als einen Mann mit viel Humor, der auch herzhaft über sich selbst lachen konnte. Im Gegensatz zum heutigen türkischen Präsidenten Erdogan, meint Poos schmunzelnd.
Nach Beendigung seiner politischen Laufbahn äußerte sich Genscher nur noch selten zu aktuellen politischen Themen. Eines davon waren die Sanktionen der EU und der USA gegen Russland wegen des Konflikts in der Ostukraine. Genscher habe davor gewarnt, einseitig Partei für die Ukraine zu ergreifen gegen Russland, so Poos. Das würde einmal zurückschlagen. Tatsächlich haben heute neben Russland vor allem die EU den Schaden, betont Poos, weniger die USA.
18 Jahre lang war Hans-Dietrich Genscher Außenminister. „Er hat mich um drei Jahre geschlagen“, erinnert sich am Ende unseres Gesprächs Jacques F. Poos. Er selbst war von 1984 bis 1999 Luxemburgs Außenminister.
Besuch bei Poosens in Esch-Alzette. v.l. Jacques F. Poos, Barbara und Hans-Dietrich Genscher, Monique Poos, im Vordergrund Xavier Poos.

Zu Demaart






Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können