Die Studie im Auftrag der Grünen in Deutschland brachte vor wenigen Tagen ans Licht, worüber jeder Verbraucher sich mindestens einmal geärgert hat: Hersteller von Elektrogeräten bauen bewusst in ihren Produkten Fehler ein, damit sie nach einer bestimmten Zeit kaputt gehen. Dieses Verfahren ist unter dem Namen „geplante Obsoleszenz“ bekannt.
Die Gutachter unterscheiden dabei drei Vorgehensweisen: Bauteilbezogene, konstruktionsbezogene oder technische Einschränkungen. Unter der ersten Gruppe fallen alle Defekte, bei denen die Unternehmen in die Geräte Bauteile einbauen, die entweder „vorzeitig verschleißen“ oder zu einem „vorzeitigen Schaden“ führen. Als Beispiel nennen die Experten billige Teile in Waschmaschinen. Bei der „konstruktionsbezogenen Verkürzung der Nutzungsphase“ wird laut Experten bereits in der Produktentwicklung der vorzeitige Verschleiß miteingeplant. So wie die festeingebauten Akkus in Zahnbürsten, die nicht ausgebaut und wiederaufgeladen werden können.
Neukauf vorprogrammiert
Besonders fies ist die dritte Masche, die die Gutachter aufgedeckt haben: Mithilfe von eingebauten Zählern, die vom Verbraucher im Inneren des Geräts gar nicht entdeckt werden können, programmieren die Hersteller dem Gerät quasi ein Verfallsdatum ein.
Die Leidtragenden der „geplanten Obsoleszenz“ sind die Endverbraucher, da sie durch die Tricks immer öfter zum Neukauf gezwungen sind. Der Gewinner ist die Industrie. Verbraucherexperte Stephan Schridde, der auf seiner Webseite „Murks? Nein, danke“ mehr als 2000 Bespiele für Verbrauchertäuschung gesammelt hat, spricht von einem volkswirtschaftlichen Schaden von über 100 Millionen Euro jährlich, allein in Deutschland.
Mangelware Kundenservice
Aber getrickst wird nicht nur bei der Produktion. Auch beim Kundenservice haben die Tester Mängel aufgedeckt. So werden den Kunden Informationen vorenthalten, wie sie die Lebensdauer ihres Geräts durch einfache Wartungsarbeiten verlängern können. Wie es bei der Wartung der Lüfter von Notebooks der Fall ist.
Oder ein neues Gerät wird zum günstigen Preis angeboten, um sich später an den Ersatzteilen eine goldene Nase zu verdienen. So geschehen bei Akkuzahnbürsten. Die zweite Methode anzuwenden, treffen Betriebe bereits auf Managerebene, so die Gutachter. Damit mausert sich der „Ersatzteilwucher“ zur Unternehmensstrategie.
Verbraucherschützer kritisieren
Luxemburger Verbraucherschützer sehen die Ergebnisse der Studie skeptisch und stimmen den Testern nur teilweise zu. So wird die Pauschalisierung, die Hersteller würden alle oder die meisten bei ihren Geräten tricksen, kritisch gesehen. Insbesondere wenn Unternehmen sich über Jahrzente mit guten Produkten auf dem Markt behaupten können. Bei vorzeitig leerwerdenden Druckerpatronen wäre Manipulation durchaus der Fall, während bei Waschmaschinen – beispielsweise Geräte mit einer Lebensdauer von mindestens 10 Jahren – die These schwierig zu halten sei.
Der Preis kann ein Indiz für Qualität sein, ist er aber nicht zwingend. So kann ein PC vom Discounter in der Qualität ein Markengerät überragen, oder ein Marken-T-Shirt im Vergleich zu einem preiswerten Produkt bereits nach kurzer Zeit ausleiern.
Verbraucher, nicht nur in Luxemburg, sind gut beraten, sich vor dem Kauf eines Geräts, Kosmetik, Textilien, Auto zu informieren. Kunden hierzulande sollen einen Blick auf das Angebot in der Grenzregion werfen.
Zu Demaart
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