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Geschichte als Realitätsgebilde

Geschichte als Realitätsgebilde
(Ifinzi)

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Es brodelt in der luxemburgischen Historiografie. Nach der medienwirksamen Veröffentlichung des "Artuso-Bericht", kritisiert ein Historiker die Arbeitsweise seines jungen Kollegen.

Der Begriff «Historikerstreit» ist behaftet. Im damals geteilten Deutschland entbrannte Mitte der 80er Jahren ein Streit zwischen mehreren prominenten Wissenschaftler, angestiftet vom deutschen Philosophen Jürgen Habermas, der einer Historikergruppe vorwarf die Gräueltaten des Naziregimes in der deutschen Geschichte heruntergespielt zu haben. Über Zeitungsartikel wurde jahrelang diskutiert und die Diskussion erreichte bald ein politisches Ausmaß.

In Luxemburg scheint sich nun ein ähnliches Szenario anzudeuten. Am 10. Februar dieses Jahres veröffentlichte der junge Historiker Vincent Artuso seinen Bericht über die Beteiligung der luxemburgischen Verwaltung in der Auslieferung der Juden. Sein Fazit war deutlich. Die Verwaltung trug eine Mitschuld durch die Erstellung von Listen. Die Regierung zog ihre Konsequenzen und entschuldigte sich bei der luxemburgischen jüdischen Gemeinschaft.

Die Frage der Objektivität

Am 10. Oktober schrieb Charles Barthel, ebenfalls Historiker, einen Leserbrief an die Zeitung «Luxemburger Wort» und versuchte den «Artuso-Bericht» zu diskreditieren. Er sprach von einem «peinlichen Ungleichgewicht» und von «mangelhafter wissenschaftlich-methodologischer Strenge». Kurz: Er wirft Vincent Artuso vor, unprofessionnell und lückenhaft – er habe viele Quellen nicht berücktsichtigt – gearbeitet zu haben. Des Weiteren sei sein Bericht politisch behaftet gewesen. «Schier unzulässig», so Charles Barthel.

In einem rezenten Streitgespräch auf dem öffentlich-rechtlichem Rundfunksender «100komma7» standen sich die beiden Historiker gegenüber. Vincent Artuso hatte die Gelegenheit sich zu verteidigen. Er warf Charles Barthel seinerseits vor, ihm und der Universität, Quellen vorenthalten zu haben. Die mangelnde Objektivität wies Artuso entschieden zurück. «Für Herr Barthel ist nur das objektiv, was in sein Weltbild passt», so der junge Historiker in der Sendung.

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