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Führt die Spur zur Armee?

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LUXEMBURG - Am Montag müssen im Bommeleeër-Prozess weitere Zeugen, unter anderem Polizeioffiziere, Rede und Antwort stehen. Auch ein ehemaliger Richter muss vor Gericht. Ein Ex-Ermittler weist nun auf die Armee.

Pierre Gehlen, ehemaliger Präsident des Bezirksgerichts Luxemburg und zum Zeitpunkt der Anschlagsserie, Vizepräsident des Tribunals, steht am Montag im Zeugenstand. Ob er mehr über die Ermittlungen zur Anschlagsserie wisse, wird Gehlen gefragt.

«Ich hatte im Sommer im Dienst als Untersuchungsrichter für die Kollegen als Urlaubsvertretung geschoben. Ich bekam damals den Anschlag auf ein Polizeigebäude am 29. August 1985 auf Glacis mit. Ich war vor Ort. Es war ein Durcheinander», sagt Gehlen.

Laut Gehlen wurde viel Beweismittel damals ans BKA geschickt. Es gab auch den Verdacht, dass hinter dem Anschlag Landwirte steckten. In Lorenzweiler stand ein leerer Traktort mit einem Transparent (Gelächter im Saal). Es gab damals zahlreiche Gerüchte. Über Insider wurde noch nicht spekuliert. Dass das Bundeskriminalamt BKA der Gendarmerie beratend zur Seite gestanden haben soll, ist Gehlen nicht bekannt. Das BKA habe lediglich Beweismittel bekommen.

«Chaotische Situation» am Tatort

Gehlen spricht von einer chaotischen Situation auf der zum Teil zerstörten Wache. Überall lagen Splitter und Verputz rum. Eine Spurensicherung gab es nicht. Mitten im Szenario saßen der betrunkene Offizier Muller und Minister Marc Fischbach.

Gehlen kommt auf den Anschlag auf den Justizpalast Ende Oktober 1985 zu sprechen. Es gab damals auch die Theorie, dass die Täter mit einem Schlüssen in das Gebäude gingen. Es waren damals viele Schlüssel im Umlauf. Bislang geht man davon aus, das die Täter über eine Mauer zum hinteren Teil des Gebäudes kletterten. Laut Gehlen sperrte man einfach die Tür auf, ging 20 Meter und konnte den Sprengsatz plazieren. Es gab damals keine Alarmanlage in dem Gebäude. Hatte man damals einen Schlüssel zum Justizgebäude verloren, ging man einfach zum Pförtner und bekam einen neuen.

Ex-Ermittler weiss nichts von BKA-Aktionen

Nun tritt Ex-Ermittler Paul Haan in den Zeugenstand. Richterin Sylvie Conter geht auf die Aussagen des früheren Sûreté-Beamten Pierre Kohnen ein. Der Offizier hatte vergangene Woche vor Gericht ausgesagt, dass es eine BKA-Analyse über Anschlagsziele der Bommeleeër gab. Darunter das Ziel Justizplalast. Entsprechende Observationen sollten damals organisiert werden. Paul Haan dementiert: «Ich weiß nichts von solchen Aktionen. Ich weiß auch nichts von einem BKA-Papier. Ich kann mich nur daran erinnern, dass es Kontakte zum BKA im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Schwimmbad auf Kirchberg am 30. September 1985 gab.» Er spricht von einem Arbeitsessen mit Beamten des BKA. Er zitiert einen BKA-Beamten, «die rastern hier auch, nennen es nur anders.» Gemeint war damit die Ermittlungsmethode Rasterverhandung.

Richterin Conter erklärt Haan, dass laut BKA-Analyse der Weg der Täter am Justizpalast genau vorhergesehen werden konnte. Haan: «Davon weiß ich nichts. Darüber hätte mich Colonel Wagner informiert. Das hätte ich wissen müssen, wenn das damals so gesagt wurde.»

Haan wurde von den Ermittlungen abgezogen. Warum weiss er nicht, traut sich aber nicht, seine Vermutungen vor Gericht zu nennen. Die Schuldigen sitzen in der Armee, sagt er dann doch. Dass die Angeklagten Jos Wilmes und Marc Scheer schuldig seien, glaube er nicht.