Zwischen Oktober 2010 und Januar 2012 sollen die Angeklagten eine 50-jährige Frau zur Prostitution gezwungen haben und sie in ihrem «Mobil Home» auf dem Campingplatz in Mertert festgehalten haben. Den beiden Angeklagten drohen Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.
Der Ermittler erklärte im Zeugenstand, dass das Opfer am 30. Mai 2012 bei der Polizei vorstellig wurde, um Klage einzureichen. Das Opfer und die 46-jährige Beschuldigte sollen sich auf dem Straßenstrich in der rue Mercier in Luxemburg kennengelernt haben. Aufgrund der schlechten finanziellen Lage des Opfers habe sie sich an die heutige Angeklagte gewandt. Die beiden Angeklagten gaben an, der Frau helfen zu wollen und sie bei ihnen im «Mobil Home» aufzunehmen. Doch kurze Zeit später wurde die 50-Jährige vom beschuldigten Mann unter Druck gesetzt. «Er habe ihr gedroht, ihren damaligen Freund als Zuhälter anzuzeigen. Zudem habe er sie gewürgt, geschlagen, sie von der Außenwelt abgeschnitten und eingesperrt», erklärte der Ermittler.
Als Toilette habe lediglich nur ein Eimer gedient und das Opfer hätte nur das Recht gehabt, eine Dose Ravioli am Tag zu essen. Deswegen hätte sie während dieser Zeit sehr abgemagert ausgesehen. Sowohl das Opfer als auch die Mitangeklagte seien jede Nacht zusammen in die Hauptstadt gefahren, um sich dort zu prostituieren. Zwischen 50 und 300 Euro hätte das Opfer pro Nacht verdient. Das Geld habe sie jedoch sofort an die Angeklagten abgeben müssen. Der Angeklagte hätte dem Opfer gedroht, er würde ihre Tochter entführen, sie mit Drogen vollpumpen und sie ebenfalls zur Prostitution zwingen.
Flucht in die Niederlande
Der Angeklagte, so der Ermittler, hatte zuerst auf dem Camping in Mertert gewohnt, anschließend habe er sich in die Niederlande auf ein Hausboot abgesetzt. Er wurde per internationalem Haftbefehl gesucht und Mitte 2012 in den Niederlanden verhaftet. Mitte 2013 wurde er nach Luxemburg ausgeliefert und sitzt seither in Untersuchungshaft. «Fakt ist, dass das Opfer das verdiente Geld auf eine Prepaid-Visakarte setzen musste. Die Visakarte wurde ausschließlich in den Niederlanden benutzt», so der Polizeibeamte vor dem Vorsitzenden der Strafkammer. Beide Angeklagte sind bereits wegen Zuhälterei und Menschenhandel vorbestraft.
Der Angeklagte soll auch das Laptop des Opfers geklaut und mit in die Niederlande genommen haben. «Dies bestätigte sich. Auf dem Rechner wurden nicht nur zahlreiche Sex-Fotos, sondern auch Fotos gefunden, wo das Opfer nackt und abgemagert zu sehen ist», erläuterte der Ermittler.
Fenster mit Pappe verdunkelt
Das «Mobil Home» sei komplett abgeschirmt gewesen und alle Fenster mit Pappe verdunkelt worden sein, so dass niemand reinsehen konnte, so der Ermittler weiter.
Dies bestätigte auch die nächste Zeugin, eine Nachbarin, die ebenfalls auf dem Camping in Mertert lebt. Sie gab an, das Opfer und die Beschuldigten mehrmals dort gesehen zu haben. Der Verdacht, dass in dem besagten «Mobil Home» kriminelle Taten begangen werden könnten, schöpfte sie jedoch nie.
Das Opfer erklärte vor dem Vorsitzenden der Strafkammer, dass sie von beiden Angeklagten geschlagen und unter Druck gesetzt wurde. «Ich sah keinen Ausweg mehr und tat das was sie von mir verlangten», so die Frau.
«Nie zur Prostitution gezwungen»
Die Angeklagten selbst stritten alle Vorwürfe ab. Die 46-jährige Frau erklärte vor den Richtern, der Frau helfen zu wollen, deswegen haben sie und ihr Ehemann die 50-Jährige aufgenommen. Zudem erklärte die Angeklagte im Zeugenstand, nie Geld an ihren Ehemann überwiesen zu haben. Auch hätte ihr Mann sie nie zur Prostitution gezwungen. «Immer wieder werden wir schlecht behandelt. Die andere Frau will uns erneut ins Gefängnis bringen. Nie haben weder mein Mann und ich die Frau festgehalten noch zur Prostitution gezwungen», so die sichtlich genervte Angeklagte.
Auch ihr Mann tritt jegliche Vorwürfe ab und sah sich schlecht behandelt. «Die Frau lügt auf der ganzen Linie».
Eigentlich sollte der Prozess am Dienstag beendet werden. Aufgrund der Komplexität der Akte, muss er jedoch am Mittwoch fortgesetzt werden.
Philippe Hammelmann/Tageblatt.lu
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