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Eiskalte und schießwütige Gangster

Eiskalte und schießwütige Gangster
(Tageblatt-Archiv/François Aussems)

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Unter Hochsicherheits- bedingungen begannder Prozess gegen die vier belgischen Bankräuber, die erfolglos im April 2013 die Zentrale des G4S-Sicherheitsdienstes überfallen hatten.

Nur dank einer in diesem Fall schicksalhaften, aber glücklichen Verwechslung in der Notrufzentrale waren die für einen solch kriegsähnlichen Einsatz ungenügend ausgerüsteten Polizisten zu einer anderen Sicherheitsfirma nach Hamm gefahren. Als sie etwas später dann in Gasperich ankamen, wurden sie sogleich von den mit Sturmgewehren bewaffneten Tätern unter Dauerfeuer genommen.

Der heute 45-jährige Dougan S., der 36-jährige Anouar B., der 27-jährige Simon S. und der 31-jährige Cihan G. konnten ungehindert entkommen. Auf ihrer Flucht kreuzten sie auf der Strecke zwischen Windhof und Garnich einen Streifenwagen der Polizei, auf den sie skrupellos das Feuer eröffneten, indem sie auf Augenhöhe zielten. Nur ein Rückzugsmanöver aus dem Kugelregen rettete die Beamten.

Fluchtauto in Brand

Bei Garnich wurde auch ein beschädigtes Fluchtauto in Brand gesteckt, um alle Spuren zu vernichten. Dies mit Benzin in Plastikkanistern, auf deren Verschlüssen die DNS von Dogan S. und Cihan G. gefunden wurde. Die Spur führte schnell in das deutsch-belgische Ballungsgebiet Aachen, Lüttich bis Charleroi, in dem seit 2010 mehrere Geldtransporter überfallen worden waren.

Nachdem die rund 30 Zeugen eingetragen waren, gingen die beiden Hauptermittler auf die Details des Überfalls ein. Die Täter hatten sich mit der Sprengung einer Stahltür Zugang zum G4S-Gelände verschafft. Eine zweite Sprengung einer Tür aus Sicherheitsglas scheiterte an der dilettantischen Anbringung des Zünders.
Auch der zweite Versuch, das Panzerglas mit einer Flex zu knacken, scheiterte, und so musste eine dritte Sprengung vorgenommen werden. Inzwischen hatten die beiden diensttuenden Beamten die Notrufzentrale alarmiert. Ohne Panik ignorierten die Täter den gesicherten Geldschrank, stellten jedoch fest, dass in den Hallen keine Geldtransporte vorbereitet worden waren.

Flucht ohne Geld

Inzwischen waren zwei Polizeistreifen am Tatort eingetroffen, die von der Rückhut der Bankräuber mit mehreren Salven aus den Sturmwaffen empfangen wurden. Derweil hatte die Vorhut einige leere Kassetten aufgebrochen. Als die Frontkämpfer die Schüsse ihrer Kollegen hörten, verließen sie ohne Geld den Tatort. Gemeinsam traten sie dann den Fluchtweg Richtung Westen an.
Als die Täter in Garnich die Polizeistreife kreuzten, hatte einer der Fluchtwagen, ein Audi S6, schon einen Reifenschaden und fuhr auf der Felge. Nachdem sie den Wagen angezündet hatten, attackierten die Männer die beiden Streifenpolizisten aus vollen Rohren.

DNS Spuren

Neben zahlreichen sichergestellten Patronenhülsen aus meist osteuropäischen Waffen an den beiden Tatorten wurde eine Batterie auf dem Nebengelände der G4S gefunden, ohne die eine solche Serie von Sprengungen nicht möglich gewesen wäre. Diese ambulante Stromquelle mit DNS-Spuren zurückgelassen zu haben, sollte sich als Hauptfehler der Bande herausstellen.
Der Ermittler meinte, dass der zweite Tatort in Garnich kein Zufall gewesen sei, weil die Täter in solchen Situationen oft die letzte Ausfahrt vor der Grenze nähmen, um auf Schleichwegen zu entkommen.
In diesem Fall gingen die Täter jedenfalls schon bei der Planung von einer Konfrontation mit der hiesigen Polizei aus, so der Ermittler gestern im Zeugenstand.

Weitere Zeugen

Bei der forensischen Überprüfung der richtigen Hülsen stellte sich schnell heraus, dass diese Waffen mit abgefeilten Kennnummern auch schon bei Überfällen in Belgien und Umgebung benutzt worden waren. DNS-Profile wurden auf einem der Sprengkabel, der Batterie, den Benzinkanistern und den am Tatort in Garnich gefundenen Plastikhandschuhen nachgewiesen.
Der Prozess wird heute mit der weiteren Befragung von Zeugen fortgesetzt.