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Ein weit verzweigtes Netzwerk

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(Jean-Claude Ernst)

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Am Dienstag ging der Prozess gegen die vier belgischen Bankräuber, die dem „grand banditisme“ zugerechnet werden, in die zweite Runde.

Ohne einen Euro zu erbeuten, hatten der heute 45-jährige Dougan S., der 36-jährige Anouar B., der 27-jährige Simon S. und der 31-jährige Cihan G. im April 2013 mit schwerem Geschütz die Zentrale des G4S-Sicherheitsdienstes in Gasperich überfallen.

Nur durch eine schicksalhafte Verwechslung in der Notrufzentrale waren die für einen solch kriegsähnlichen Einsatz ungenügend ausgerüsteten Polizisten zu einer anderen Sicherheitsfirma nach Hamm gefahren. Als sie etwas später auf der Cloche d’Or in Gasperich ankamen, wurden sie sogleich von den mit Sturmgewehren bewaffneten Tätern unter Dauerfeuer genommen.

Durch einen ihrer ermächtigten Beamten konstituierte sich eingangs der gestrigen Sitzung denn auch die öffentliche Macht als Nebenkläger. Gefordert wird die materielle Rückerstattung des in den Garnicher Wiesen durch dauerhaften Beschuss beschädigten Kleintransporters der Einsatzkräfte in Höhe von 9.010,38 Euro. Leider hatte der Polizist keine Kopien für die Verteidiger dabei.
Es war dann Me Frédéric Mioli, Verteidiger von Anouar B., der dem Hauptermittler im Zeugenstand Fragen zur Identifikationsarbeit der vermummten Täter stellte, die nicht alle zur Zufriedenheit des Anwalts beantwortet wurden.
Auch gibt es keine Videoaufnahme zur Manipulation mit oder ohne Handschuhe der Batterie, an der DNS-Spuren gefunden wurden.

Rififi im Vierländereck

Der Zeuge sagte dann aus, dass die Polizei anfangs in alle Richtungen ermittelte und erst in Charleroi mit dem Auffinden einer am Überfall beteiligten Kalaschnikow auf die Banditen stieß. Diese hatten sich auf schwer bewaffnete Überfälle von Geldtransportern und deren Firmenzentralen im Vierländereck zwischen Holland, Deutschland, Belgien und Luxemburg spezialisiert.
Nach zahlreichen Spekulationen zwischen der Vorsitzenden, dem Zeugen und den Verteidigern hielt man fest, dass der Zwischenstopp in Garnich eingeplant war.
Die sechs Täter, von denen nur vier identifiziert werden konnten, hatten in einem einzigen Auto ihre Flucht fortgesetzt.

Die Hauptermittlerin sagte des Weiteren, dass die Polizei zwei Tage nach der über Interpol gestarteten Suchaktion von den belgischen Kollegen mit einer bei Simon S. gefundenen Uzi-Machinenpistole auf die Charleroi-Piste geleitet wurde. Beim G4S-Überfall fand man 85 Patronenhülsen, von denen drei mit einem BMW X6M in Verbindung gebracht wurden. Dieser war an mehreren Überfällen in Belgien beteiligt.
In Charleroi in der Garage des „Verwalters“ des geklauten Boliden, der für eine 10-prozentige Beteiligung an der Beute verliehen wurde, konnte ein Teil des in Garnich verbrannten Audi sichergestellt werden. Das Auto war wiederum in Köln gestohlen worden. Mit Telefonüberwachungen konnten die Ermittler die kriminelle Zusammenarbeit der Protagonisten nachvollziehen.

Weitere Zeugen

Die beiden belgischen Verteidiger monierten, dass das Gericht in Charleroi es nicht schaffe, mit all den Aussagen der Zeugin eine Verbindung zu den Angeklagten herzustellen. Me Penning wollte wissen, ob die Farbe des Klebebandes an den Stangenmagazinen der in Gasperich benutzten und der in Belgien gefundenen Waffen übereinstimmt, was die Zeugin nicht genau beantworten konnte.
Der Prozess wird am Mittwoch mit weiteren Zeugen fortgesetzt.