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«Das machen doch alle so»

«Das machen doch alle so»
(dpa-Symbolfoto)

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Fast wöchentlich werden im deutschen Grenzgebiet Menschen mit Schwarzgeld aus Luxemburg vom Zoll erwischt. Die "Badische Zeitung" hat einen Rentner bei seinem Bankbesuch begleitet.

Ab September 2017 müssen alle Banken in der EU die Kontodaten und Zinseinkünfte von ausländischen Kunden an deren Heimatländer melden. Damit will man der Steuerhinterziehung ein Riegel vorgeschieben. Aus Angst vor Konsequenzen ziehen immer mehr Kunden aus Luxemburg ihr Geld ab. Die «Badische Zeitung» hat einen Rentner nach Luxemburg begleitet.

«Den Notizzettel mit der Adresse der Bank hat er weggeworfen, in einen Mülleimer an der Tankstelle. Ernst Seidel (Name von der Zeitung geändert) hat immer genau das gemacht, was ihm sein Bankberater empfohlen hat, und deshalb fährt er an diesem sonnigen Vormittag mit leicht erhöhtem Puls auf der Autobahn zwischen Luxemburg und Saarbrücken. Unter den vier Fußmatten des Mercedes der E-Klasse liegen vier weiße Umschläge, alle ohne Aufdruck, gefüllt mit knitterfreien 500er-Scheinen, lila Bündel, 39 500 Euro», heißt es in dem Bericht der Zeitung.

Schön diskret

Der 80-jährige Rentner hat kein schlechtes Gewissen. «Das machen doch alles so», sagt er gegenüber der Zeitung. Er wurde von seinem Finanzberater in Luxemburg gewarnt. «Das mit Luxemburg ist vorbei, Ihr Geld ist dort nicht mehr sicher. Heben Sie es ab,» erklärte sein Banker neulich bei selbstgebackenem Käsekuchen und Kaffee, schreibt die «Badische Zeitung».

Seidel berichtete von der Broschüre, die ihn um einiges reicher machte. Darin wurden die Vorteile des Finanzplatzes Luxemburg genau erläutert. Der Handwerker wollte was aus seinem Geld machen und ging nach Luxemburg. Ihm wurde zugesichert, dass alles schön diskret ablaufe. Keine Post, keine verräterischen Verträge auf Papier, stattdessen ein praktischer Selbstabholservice, heißt es in dem Zeitungsbericht weiter.

Kritik an Juncker

Beim letzten Besuch in Luxemburg fing der Finanzberater allerdings an zu klagen. Er schimpfte darüber, dass «etliche seiner Kollegen gehen mussten, wegen all der aufgegebenen Konten.» Auch am früheren Premierminister Jean-Claude Juncker ließ der Banker kein gutes Haar. Der Herr Premier und die Politiker hätten ganz bewusst den Weg freigemacht für die Besteuerung von Kapitalerträgen und somit für den Abschied von vielen Anlegern – leider, schreibt die «Badische Zeitung».