Dienstag17. Februar 2026

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Flucht aus dem Flüchtlingslager Idomeni

Flucht aus dem Flüchtlingslager Idomeni

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Erst flohen sie vor dem Krieg, jetzt fliehen sie aus dem griechischen Elendscamp Idomeni. 12.000 Menschen sind betroffen.

Immer mehr Menschen im nordgriechischen Elendscamp steigen in die Busse nach Athen. Doch noch weit mehr Migranten harren weiter aus. Sie hoffen auf ein Wunder.

Griechenland hat am Samstag seine Bemühungen intensiviert, die Flüchtlinge aus dem provisorischen Camp bei Idomeni in besser ausgestattete Aufnahmelager zu bringen. Zwei Hepatitis-A-Erkrankungen in dem Camp unterstrichen die Befürchtungen, dass es dort zu Seuchen kommen könnte. Bei Idomeni kampieren noch etwa 12.000 Menschen.

Der junge Syrer aus Aleppo nennt sich Christian, und er hat seine Entscheidung getroffen. Er steht vor einem hellblauen Neoplan-Bus, an dessen Windschutzscheibe ein Karton angebracht ist mit der handgeschriebenen Aufschrift: «Bus to Athens». «Ich war jetzt drei Wochen hier, und ich habe die Nase voll», sagt der 23-Jährige. «Die Grenze hier ist zu.» Die Narben rund um seinen Mund sind kaum verheilt. In einem nahen Caféhaus wurde er von Ortsansässigen verprügelt und seines Handys beraubt, behauptet er.

Christian wird 25 Euro für die Fahrt von Idomeni nach Athen bezahlen. Er wird dann kurz in ein billiges Hotel gehen und «endlich wieder einmal richtig duschen». Wie es von dort weitergehen soll, weiß er nicht.

Weil das Geld für die illegale Überfahrt im Schlauchboot über die Ägäis nicht für die ganze Familie gereicht hatte, blieb der junge Vater vorerst in der Türkei zurück. Durch Kellnern brachte er schließlich die nötige Summe für seine Überfahrt auf. Zu spät – wie sich nun herausstellte.

Seit die Staaten nördlich von Griechenland Mitte vergangener Woche die Balkangrenzen geschlossen haben, steigen immer mehr gestrandete Flüchtlinge im improvisierten Lager Idomeni in die privaten Busse nach Athen.

12.0000 Migranten

Das UN-Hilfswerk UNHCR brachte am Samstag 150 Asylsuchende in das Lager Diavata bei Thessaloniki. Im Lager auf dem Flugplatz von Nea Kavalla, nur 20 Kilometer von Idomeni entfernt, sind knapp 3400 Flüchtlinge untergebracht.
Diese Camps wurden von der griechischen Armee eingerichtet. Für Journalisten sind sie in der Regel nicht zugänglich. UNHCR-Mitarbeiter erklären, dass dort die Umstände für die Flüchtlinge besser seien. Es gebe warmes Wasser, Duschmöglichkeiten und eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln.

Doch zu einem sichtbaren Schwund der Population führt die eher tröpfchenweise Abwanderung aus Idomeni vorerst nicht. Am Samstag hielten sich dort nach Schätzung von Helfern immer noch rund 12 000 Migranten auf. Die Mehrheit von ihnen campiert in kleinen Kuppelzelten unter freiem Himmel. Die Menschen sind den häufigen Regenfällen ausgesetzt, leiden unter Nässe und Kälte und werden von freiwilligen Helfern nur notdürftig versorgt. Vor allem die Kinder leiden unter Verkühlungen und Brechdurchfall.

Die Verhältnisse mögen elend sein, doch das Lager liegt unmittelbar an der Grenze zu Mazedonien. Viele Flüchtlinge wollen einfach nicht wahrhaben, dass das Grenztor nach Mazedonien für sie nun endgültig geschlossen ist. Ratlosigkeit macht sich breit.

Am Freitagabend stand eine Gruppe von etwa zehn Männern aus Syrien vor dem Plakat der Organisation A21, die gegen den Menschelschmuggel kämpft. Teil des Plakats ist eine Europa-Karte, auf der die einzelnen Länder mit ihren Grenzen eingezeichnet sind.

Die Männer betrachteten die Karte genau und diskutierten lebhaft darüber, ob man nicht über Albanien und dann über das Meer nach Italien fahren solle. Journalisten werden im Camp immer wieder gefragt: «Ist die Grenze zu Albanien noch offen?»

Es sind Wunschträume – einen etablierten Schlepperweg über Albanien gibt es bislang nicht. Andere setzen wiederum ihre Hoffnungen auf den nächsten EU-Gipfel am 17. und 18. März. Sie wissen nicht, dass dort die Wiederöffnung der Balkanroute nicht zur Debatte steht. Rund 200 Flüchtlinge hielten am Samstag eine Protestkundgebung ab. Sie riefen: «Germany, Germany! Merkel, Merkel!»