Nach Informationen des deutschen Wirtschaftsmagazins «Wirtschaftswoche»,sollen Unternehmensbeteiligungen, die derzeit unter dem Dach der deutschen Konzerntochter Gazprom Germania GmbH in Berlin angesiedelt sind, in Luxemburg konzentriert werden. Das operative Geschäft will der Moskauer Energiekonzern künftig von London aus steuern, heißt es weiter.
Die Wirtschaftswoche bezieht sich dabei auf Kreise, die dem Unternehmen nahe stehen. Gazprom wollte die Pläne nicht kommentieren, teilte das Magazin mit. Die Gazprom Germania GmbH ist eine 100-prozentige Tochter des russischen Konzerns OAO Gazprom. Sie wurde im Jahre 1990 gegründet. Geschäftsgegenstand der Gazprom Germania GmbH sind die Erdgasförderung, der Erdgashandel und die Erdgasspeicherung. Gazprom Germania beschäftigt insgesamt 520 Mitarbeiter, davon 180 in Berlin. Im Jahr 2009, das auf der Internetseite des Unternehmens als das zweitbeste der Unternehmensgeschichte in Deutschland bezeichnet wird, schüttete die Gazprom Germania 356 Millionen Euro Dividende an die russische Mutter aus.
Kooperation mit Enovos
Das Europageschäft, das bisher aus Berlin gesteuert wird, erfolgt in den Ländern Großbritannien, Frankreich, in den USA, in Tschechien, in Italien und in der Türkei. Im Jahre 2009 – aktuellere Zahlen liegen nicht vor – wurden 150 Millionen Euro in Gaskraftwerke und in Gasspeicher investiert. Gazprom und der luxemburgische Energieversorger Enovos arbeiten gemeinsam am Bau eines Gaskraftwerkes im deutschen Bundesland Brandenburg.
Die Umstrukturierung des Europa-Geschäfts dürfte einigen der derzeit 180 Mitarbeiter am Standort Berlin den Arbeitsplatz kosten, meldet die Wirtschaftswoche. Die Stadt Berlin müsse bei einem Wegzug von Gazprom Germania auf Steuereinnahmen verzichten. Die Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns gehört in Berlin zu den größten Steuerzahlern. Von Berlin aus kontrolliert Gazprom unter anderem die 50-Prozent-Beteiligung am drittgrößten deutschen Gashändler Wingas, einem Gemeinschaftsunternehmen mit der BASF-Tochter Wintershall, schreibt die Wirtschaftswoche. Hinzu kommen Handelsgesellschaften in Zürich, London, Istanbul und Prag.
Eine wichtige Dependance
Zuletzt galt Gazprom Germania als wichtigste ausländische Dependance des Gazprom-Konzerns. In Zukunft dürfte vor allem die Betreuung des Sponsoring-Vertrags mit Fußballklubs wie Schalke 04 zu den Hauptaufgaben zählen. Als Indiz wird dabei angesehen, dass der bisherige Hauptgeschäftsführer Vladimir Kotenev abberufen worden ist. Er hatte sich gegen das Projekt gewehrt.
Gazprom ist seit Jahren bereits mit der 2004 gegründeten Finanzgesellschaft Gazprom International S.A. in Luxemburg vertreten.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können