Die Kliffhonigbienen im Norden Nepals sind ein seltsames Völkchen: Mit bis zu 3 Zentimetern Länge sind sie die grössten Honigbienen überhaupt, sie produzieren nahezu ungenießbaren Honig, sie befestigen ihre Nester in luftiger Höhe an Felswänden und sie sind äußerst aggressiv.
Diese Bienen haben also kein Problem mit Fressfeinden, möchte man meinen. Doch weit gefehlt. Denn in Nepal lebt noch ein anderes Volk: die Rai. Die Männer dieses Volksstamms haben sich zum Ziel gesetzt, eben diesen Honig zu sammeln.
Die Arbeit ist lebensgefährlich
Jeweils im Frühling machen sich die sogenannten Honigjäger an ihre gefährliche Arbeit. Auf handgeknüpften Bambusleitern klettern sie über 75 Meter in die Höhe. Geschützt nur durch Tücher und den Rauch, mit dem ihre Kollegen am Boden die Bienen abzulenken versuchen.
Wenn sie die Waben erreicht haben, stochern sie mit einem angespitzten Stock daran herum, bis sich das begehrte Teil löst. Dieses lassen sie anschließend in einen Korb fallen, der nach unten geleitet wird.
Die ganze Arbeit dauert rund vier Stunden. Ohne Widerstand lassen sich die Bienen das nartürlich nicht gefallen. Unentwegt attackieren sie die Diebe. «Viele Honigjäger sterben während der Arbeit», zitiert «The Sun» den Fotografen Eric Tourneret.
Der Honigklau bedroht die Bienenart
Der Honig dieser Bienenart ist leicht toxisch, der Konsum kann schmerzhafte Krämpfe auslösen. Doch das stört die Rai nicht im mindesten. Denn sie verwenden ihn nicht als Genuss-, sondern als Heilmittel. Auch in anderen Regionen ist der Honig heiss begehrt. In Südkorea zum Beispiel werden hohe Preise dafür bezahlt. Doch laut dem Fotgrafen Tourneret weigern sich die Rai, ihre Beute zu verkaufen, sie verteilen sie lieber in ihren Dörfern.
Da die Kliffhonigbienenvölker jeweils nur eine einzige Wabe anfertigen, bedeutet das Honigsammeln das Ende einer ganzen Generation. Zusätzlich setzen den Tieren die Pestizide zu, die in dieser Gegend verwendet werden. Die traurige Folge: Die Bienenart ist vom Aussterben bedroht.
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