Freitag23. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Gewalt gegen westliche Botschaften

Gewalt gegen westliche Botschaften
(AFP)

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Die Proteste nach der Schmähung Mohammeds bei Youtube dauern an. US-Botschaften sind das Hauptziel der Demonstranten.

Drei Tage nach Veröffentlichung eines Mohammed-Schmähvideos eskaliert am Tag der Freitagsgebete der Zorn in der islamischen Welt. Im Sudan sprangen Demonstranten über die Mauer der US-Botschaft. Gewehrfeuer war zu hören, berichtete ein Reuters-Reporter. Auch die deutsche Botschaft wurde gestürmt. Diplomaten und Angestellte konnte sich in Sicherheit bringen.

Auch das Gelände der US-Botschaft in der tunesischen Hauptstadt Tunis wurde gestürmt. Aufgebrachte Menschen sprangen über die Botschaftsmauer. Fenster wurden eingeschlagen, Bäume in Brand gesetzt.

Weitere Proteste angekündigt

Allen Appellen um Mäßigung zum Trotz warfen Demonstranten in der Umgebung der US-Botschaft in Kairo mit Steinen auf Polizisten. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Für den Nachmittag rief die in der Regierung vertretene Muslimbruderschaft zu einer Großdemonstration auf. In Saudi-Arabien, wo Demonstrationen verboten sind, wurde über den Kurznachrichtendienst Twitter zu Protesten vor den US-Vertretungen in Riad und Dschidda aufgerufen.

Das Youtube-Video hat in den vergangenen Tagen gewaltsame anti-amerikanische Proteste in der islamischen Welt mit bislang acht Toten ausgelöst, auch US-Botschafter in Libyen wurde getötet. In den auf Youtube veröffentlichten Sequenzen von «Innocence of Muslims» («Unschuld der Muslime») wird der Prophet als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt.

Mursi verurteilt Video

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi erklärte Proteste gegen den am Dienstag bei Youtube veröffentlichten Film für legitim. Diese müssten aber friedlich bleiben. Bei den Krawallen in Kairo wurden seit Dienstagabend 40 Demonstranten festgenommen.

Arabische Christen fürchten eine Welle von Gewalt und Diskriminierung. Der irakische Erzbischof Louis Sako sagte der Nachrichtenagentur dpa am Freitag in Kirkuk: «Wir hoffen sehr, dass alle friedlich reagieren. Denn so gibt man denjenigen, die andere beleiden, nicht die Möglichkeit, Konflikte zwischen den Religionsgruppen zu schüren.» Laut US-Medien gibt es Hinweise darauf, dass ein koptischer Christ an der Filmproduktion beteiligt war.

US-Truppen in Jemen

Nach den schweren Ausschreitungen vor der US-Botschaft in Jemen telefonierte US-Präsident Barack Obama am Donnerstagabend mit Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi. In der Hauptstadt Sanaa trafen 52 US-Marineinfanteristen ein, wie die jemenitische Zeitung «Al-Methaq» berichtete. Eine aufgebrachte Menschenmenge hatte am Donnerstag die Botschaft attackiert. Dabei wurden vier Demonstranten erschossen.

Die religiöse Führung des Irans verlangte von den USA, die Macher des Schmähvideos zu bestrafen. «Wenn amerikanische Politiker es ehrlich meinen mit ihrer Behauptung, nichts mit diesem Film zu tun zu haben, dann müssen sie diejenigen bestrafen, die für dieses schwere, abstoßende Verbrechen verantwortlich sind», forderte Ajatollah Ali Chamenei nach Berichten staatlicher Medien vom Freitag.

Scharfe Kritik aus der Türkei

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte die gewaltsamen Angriffe auf US-Vertretungen. «Es handelt sich um eine ernste Provokation, eine schlimme Aufwiegelung», zitierten türkische Medien den Regierungschef. «Aber die Beleidigung der Religion kann keine Rechtfertigung für Angriffe auf Menschen sein.»